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vom 07.01.2018, aktuelle Version,

Ministerium für öffentliche Arbeiten (Cisleithanien)

Osterreich-Ungarn K.k. Ministerium für öffentliche Arbeiten
Ehemalige Behörde
Staatliche Ebene Cisleithanien, dem Kaiser von Österreich unmittelbar nachgeordnet
Stellung der Behörde eine der obersten Behörden für die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder
Bestehen 27. Juni 1908–30. Oktober 1918 (Gründung des deutschösterreichischen Staatsamtes für öffentliche Arbeiten), 11. November 1918 (Enthebung des letzten Ministers)
Hauptsitz Wien 9., Porzellangasse 33 (Standort 1918)
Behördenleitung k.k. Minister für öffentliche Arbeiten

Das k.k. Ministerium für öffentliche Arbeiten war von 1908 bis 1918 das für die öffentliche Wirtschaft zuständige Ressort der Regierung für die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder (Cisleithanien) Österreich-Ungarns. Es wurde nach dem Ersten Weltkrieg in der Staatsregierung Renner I Deutschösterreichs als Staatsamt für öffentliche Arbeiten bis 15. März 1919 weitergeführt; von der Staatsregierung Renner II an wurden die Agenden im Handelsressort betreut.

Historische Entwicklung

Osterreich   Deutschösterreichisches Staatsamt für öffentliche Arbeiten
Ehemalige österreichische Behörde
Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde Oberste Bundesbehörde
Gründung 30. Oktober 1918 (Staatsregierung Renner I)
Aufgelöst 15. März 1919 (in Staatsamt für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten integriert; Staatsregierung Renner II)
Hauptsitz Wien 9., Liechtensteinstraße 46 A
Behörden­leitung Johann Zerdik, Staatssekretär für öffentliche Arbeiten

Ein Ministerium für öffentliche Arbeiten und das Bergwesen hatte es schon 1848, mit der ersten Einführung von Ministerien, gegeben.[1] Minister war damals Andreas von Baumgartner.

Geschaffen wurde das Ministerium mit dem Gesetz vom 27. Juni 1908. Die Einrichtung des Ministeriums wurde vom Gesamtministerium (der k.k. Regierung) am 6. Juli 1908 kundgemacht. [2]

Bei der Gründung des Ressorts wurde das als Wohnhaus errichtete, an die Fürstengasse grenzende Gebäude Liechtensteinstraße 46 A (Identadresse: Porzellangasse 33 A) angekauft. Das für eine Zentralbehörde sich als zu klein erweisende Haus wurde durch Erwerb des durch einen Hof getrennten Wohngebäudes Liechtensteinstraße 46 (Identadresse: Porzellangasse 33) erweitert. Zur (Teil-)Behebung der trotz zweier Häuser bestehenden räumlichen Übelstände wurde im Oktober 1910 ein auf Höhe des ersten Stockwerks verlaufendes (und heute noch existierendes) Brückenbauwerk als Verbindung der beiden Amtsgebäude errichtet. Der ursprünglich frei zugängliche, später überspannte Hof (Passage zwischen Liechtensteinstraße und Porzellangasse) war bereits nach Erwerb der zweiten Liegenschaft gegenüber der Öffentlichkeit durch Gitter abgeschlossen worden.[3] (Nach Auflassung der Behörde Mitte März 1919 wurden beide Bauten wieder Wohnzwecken gewidmet.)

Im zum Ende des Ersten Weltkriegs am 30. Oktober 1918 neu konstituierten Staat Deutschösterreich, der sich am 12. November 1918 zur Republik erklärte, wurde in der Staatsregierung Renner I das Staatsamt für öffentliche Arbeiten als Nachfolger des Ministeriums eingerichtet.[4] Wie dieses übernahmen auch Dienststellen anderer neuer Staaten auf dem Areal Cisleithaniens die Geschäfte des k.k. Ministeriums, die ihr Staatsgebiet betrafen.

Parallel dazu bestanden in Deutschösterreich das Staatsamt für Gewerbe, Industrie und Handel und eines für Verkehrswesen (das als k.k. Eisenbahnministerium 1896 gegründet worden war). Im Folgekabinett Renner II wurden die Agenden der öffentlichen Arbeiten per 15. März 1919 dem Staatsamt für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten eingegliedert.

Per 14. November 1918 wurde von der Regierung Karel Kramář das Ministerium für öffentliche Arbeiten (Ministerstvo veřejných prací) der neuen Tschechoslowakischen Republik eingerichtet, das František Staněk übernahm.

Zuständigkeit und Leistungen

Neben Flussregulierungsmaßnahmen – der Minister war etwa Vorsitzender der 1850 gegründeten Donauregulierungskommission, die die große Wiener Donauregulierung in den 1870er Jahren bearbeitet hatte – fielen auch Talsperren und Hafenbauten in seinen Aufgabenbereich. 1909 organisierte die von Ernst Ritter von Lauda geleitete Wasserbausektion des Ministeriums den Aufbau des österreichischen Wasserkraftkatasters und die Errichtung der staatlichen Versuchsanstalt für Wasserbau.[5]

Das Ministerium war in Zusammenarbeit mit dem k.k. Eisenbahnministerium für den Verkehrswegebau mitverantwortlich,[6] unterstellt waren ihm auch das Bergamt,[7] das Normungswesen und das k.k. Ärar. Auch das Museum für Kunst und Industrie (das heutige MAK) in Wien wurde 1908 in das Ministerium eingegliedert.

Minister

Minister (Liste in Arbeit):

Staatssekretär (= Minister):

Archivalien

Das Archiv des Ministeriums für öffentliche Arbeiten ging in die Bestände des Österreichischen Staatsarchivs ein; böhmische, mährische oder schlesische Angelegenheiten betreffende Akten wurden 1920 an das Tschechische Nationalarchiv (Národní Archiv) übergeben. Der letzte Abgleich von Beständen wurde 2013 feierlich vollzogen.[9]

Einzelnachweise

  1. Andreas von Baumgartner, books.google.at/books?isbn=320577762X
  2. RGBl. Nr. 123. Gesetz vom 27. Juni 1908, RGBl. Nr. 123, womit anläßlich der Errichtung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten gesetzliche Bestimmungen über den Wirkungskreis einzelner Ministerien abgeändert werden. In: Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder, Jahrgang 1908, S. 501. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/rgb;
    RGBl. Nr. 124. Kundmachung des Gesamtministeriums vom 6. Juli 1908, betreffend die Errichtung eines Ministeriums für öffentliche Arbeiten für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. In: Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder, Jahrgang 1908, S. 501–505. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/rgb.
  3. Siehe: Kleine Chronik. (…) Bauliche Veränderungen im Arbeitsministerium. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 16584/1910, 23. Oktober 1910, S. 10, oben rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  4. StGBl. Nr. 1. Beschluß der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich vom 30. Oktober 1918 über die grundlegenden Einrichtungen der Staatsgewalt. (…) § 13.. In: Staatsgesetzblatt für den Staat Deutschösterreich, Jahrgang 1918, S. 2. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/sgb.
  5. E. Offenthaler: Lauda, Ernst Ritter von, auf www.epub.oeaw.ac.at, abgerufen 11. November 2011
  6. herausgegeben wurde etwa mit dem K.k. Eisenbahnministerium das Verkehrsbuch Österreichischer Eisenbahnen
  7. herausgegeben wurde vom k.k. Ministerium bzw. Staatsamt für Öffentliche Arbeiten etwa 1915–1920 die Zeitschrift Bergbau und Hütte
  8. Trnka von Laberon, Ottokar (Otakar) Frh. (1871–1919), Politiker, Beamter und Techniker. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 14, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012–, ISBN 978-3-7001-7312-0, S. 466 f. (Direktlinks auf S. 466, S. 467).
  9. Aktenaustausch Österreich-Tschechien, Österreichisches Staatsarchiv
Vorgänger k.k. Ministerium für öffentliche Arbeiten
Ressorts:
Nachfolger
Österreichisches Bautenministerium
27. Juni 1908 – 15. März 1919
(Staatsamt ab 30. Oktober 1918)
Bundesministerium für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten
BMHGIB
Tschechisches Ministerium für öffentliche Arbeiten
27. Juni 1908 – 28. Oktober/14. November 1918
Ministerium für öffentliche Arbeiten