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vom 23.03.2020, aktuelle Version,

Moly

Hermes schützt Odysseus (Zeichnung von Annibale Carracci, um 1595)

Moly (von griechisch μῶλυ mōly bzw. mṓly = mṓlyza, „Knoblauch“[1]) bezeichnet in der griechischen Mythologie und in der antiken Heilkunde eine zauberwirksame bzw. gegen Bezauberung wirksame Pflanze mit weißer Blüte und schwarzem Wurzelstock.

Erstmals erwähnt wird das Gewächs im zehnten Gesang der Odyssee. Odysseus berichtet dort, wie Hermes es ihm als Schutz gegen die Hexenkünste der Kirke mitgegeben habe:

Also sprach Hermeias, und gab mir die heilsame Pflanze,
Die er dem Boden entriss, und zeigte mir ihre Natur an:
Ihre Wurzel war schwarz, und milchweiß blühte die Blume;
Moly wird sie genannt von den Göttern. Sterblichen Menschen
Ist sie schwer zu graben; doch alles vermögen die Götter. [2]

Die mit einer runden schwarzen Wurzel bzw. einem schwarzen Wurzelstock (Rhizom) in der Größe einer Zwiebel beschriebene weißblühende Pflanze, die von Dioskurides und Galen als zwiebelähnlich charakterisiert wurde, ist bei Plinius erwähnt, der sich auf Pseudo-Theophrastos bezieht.[3]

Gold-Lauch ( Allium moly)

Die italienischen Botaniker der Renaissance erkannten, wahrscheinlich richtig, darin eine Allium-Art, da diese in Griechenland wie in ganz Europa als Hauptabwendungsmittel von Bezauberung gelten (molyein ‚entfernen, abwenden‘; sc. Zauber), und hielten Allium magicum L. (Hexen-Lauch)[4] oder Allium Moly L. (Gold-Lauch) dafür. Da diese Arten jedoch gelbe oder rötliche Blüten tragen, Homer die Blüten aber milchweiß nennt, so stimmt nach Sprengel[5] Allium nigrum L. (Schwarz-Lauch) besser sowohl mit der Beschreibung des Homer als mit jener des Theophrast überein.

Schwarz-Lauch ( Allium nigrum)

Auch eine Deutung als Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) kommt in Betracht.[6] Zeitweise wurde auch die Steppenraute (peganon agrion) als synonym mit Moly (um 512 n. Chr. genannt auch leukóïon ágrion) angesehen.[7][8] Gemäß Genaust kommt für die von Homer gemeinte Pflanze vor allem der Allermannsharnisch (Allium victorialis, „Bergknoblauch“) in Betracht (für spätere Darstellungen auch Colchicum-Arten wie die Herbstzeitlose).[9]

Versuche, die vielumdeutete Pflanze in der weißen Seerose oder schwarzen Nieswurz etc. zu erkennen, sind haltlos.

Literatur

  • Hugo Rahner: Die seelenheilende Blume. Moly und Mandragore in antiker und christlicher Symbolik. In: Eranos-Jahrbuch, Bd. 12, 1945, S. 118–239.
  • Mechthild Siede: Moly. In: Reallexikon für Antike und Christentum. Band 24, Hiersemann, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7772-1222-7, Sp. 1105–1112.
  • Jerry Stannard: The plant called Moly. In: Osiris. Commentationes de scientiarum et eruditionis historia rationeque. Band 14, (Brügge) 1962, S. 254–307.
  • August Steier: Moly. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XVI,1, Stuttgart 1933, Sp. 29–33.
  • Helmut Genaust: Etymologische Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 1976; 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer/Birkhäuser, Basel usw. 1996, S. 390f.

Einzelnachweise

  1. Helmut Genaust, 1996.
  2. Homer: Odyssee 10, 302–307; Übersetzung von Johann Heinrich Voß
  3. Hugo Rahner: Greek Myths and Christian Mystery. Übersetzung von Griechische Mythen in christlicher Deutung (Rhein-Verlag, Zürich 1957) durch Brian Battershaw. Burns & Oates, 1963; Neudruck Biblio and Tannen, New York 1971, S. 186 f.
  4. Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 1. Abt., 2. Teil, Leipzig 1795, S. 416: Hexenlauch
  5. Kurt Sprengel: Geschichte der Botanik. Erster Theil. Brockhaus 1817. Seite 37 books.google, S. 427 books.google und S. VI.
  6. Thomas Richter: Das Schneeglöckchen zwischen Mariensymbolik und moderner Indikation. In: Tempora mutantur et nos? Festschrift für Walter M. Brod zum 95. Geburtstag. Mit Beiträgen von Freunden, Weggefährten und Zeitgenossen. Hrsg. von Andreas Mettenleiter, Akamedon, Pfaffenhofen 2007, ISBN 3-940072-01-X, S. 359–362, hier: S. 359.
  7. Jerry Stannard: The plant called Moly. 1962, S. 261–266.
  8. Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Würzburg 1994) Königshause & Neumann, Würzburg 1998 (= Würzburger medizinhistorischer Forschungen. Band 65). ISBN 3-8260-1667-X, S. 68.
  9. Helmut Genaust, 1996.