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vom 11.02.2018, aktuelle Version,

Olympische Winterspiele 1964/Bob

Olympische Ringe

Bei den IX. Olympischen Spielen 1964 in Innsbruck fanden zwei Wettbewerbe im Bobfahren statt. Austragungsort war die Olympia-Bobbahn Igls.

Vorschau

Zur Ausgangslage im Bobsleigh erklärte der »Sport-Zürich« in seiner Ausgabe vom 29. Januar 1964, dass zwar acht Jahre seit den letzten olympischen Bewerben vergangen seien, sich aber die Kräfteverhältnisse an der Spitze der Weltelite nicht wesentlich verschoben hätten. Die Italiener seien dank ihrer ausgezeichneten Bob-Fabrikaten nach wie vor führend. Mit Eugenio Monti, Sergio Zardini und Rinaldo Ruatti wurden im Zweierbob fünf Doppelsiege herausgefahren, dazu die Titel im Viererbob „en masse“ nach dem Süden entführt. Nur der Schweizer Hans Zoller (1957), die Deutschen Hans Rösch (1958) und Franz Schelle (1962) sowie der Amerikaner Arthur Tyler (1959) hätten die italienische Siegesserie im Vierer zu unterbrechen vermocht. Die Trainings hätten bestätigt, dass die Azzuri die ersten Favoriten für die anstehenden olympischen Konkurrenzen seien. Chancen auf einen Medaillengewinn könnten dem Deutschen Fürhalter (?), Erwin Thaler, Anthony Nash und Hans Zoller zugesprochen werden.

Die Bobbahn wurde mit einer Länge von 1.506,35 m, einem Höhenunterschied von 138 m, mit 13 Kurven bis zum Ziel und einer Auslaufkurve nach dem Ziel angegeben (es gab drei Kehren mit 20-m-Radius und zwei S-Kurven). Das Durchschnittsgefälle betrug 9,20 %, das größte 14,04, das kleinste 3,8 %. Die Maße der Start- und Zielkote betrugen 1.133,43 bzw. 995,43 m.

Zweierbob

Platz Land Sportler Zeit (min)
1 Vereinigtes Konigreich  GBR I Anthony Nash
Robin Dixon
4:21,90
2 Italien  ITA II Sergio Zardini
Romano Bonagura
4:22,02
3 Italien  ITA I Eugenio Monti
Sergio Siorpaes
4:22,63
4 Kanada  CAN II Victor Emery
Peter Kirby
4:23,49
5 Vereinigte Staaten  USA I Lawrence McKillip
James Lamy
4:24,60
6 Deutschland Mannschaft Gesamtdeutsch  EUA I Franz Wörmann
Hubert Braun
4:24,70

Keine Austragung Olympische Spiele 1960; Olympiasieger 1956: ITA I (Lamberto Dalla Costa, Giacomo Conti (beide Karriere beendet)) / Weltmeister 1963: Italien I (Eugenio Monti / Sergio Siorpaes).

Datum: 31, Januar/1, Februar
Laufzeiten/Endzeit/Rückstand:
GBR I Anthony Nash / Robert Dixon (1:05,53,1:05,10 1:05,39 1:05,88) 4:21,90
ITA II Sergio Zardini/Romano Bonagura (1:05,63 1:05,13 1:05,21 1:06,05) 4:22,02 +0,12
ITA I Eugenio Monti/Sergio Siorpaes (1:05,94 1:04,90 1:05,41 1:06,38) 4:22,63 +0,73
4 CAN II Vic Emery/Peter Kirby (1:05,15 1:05,93 1:05,96 1:06,45) 4:23,49 +1,59
5 USA I Larry McKillip/Jim Lamy (1:06,17 1:06,34 1:05,84 1:06,25) 4:24,60 +2,70
6 EUA I Franz Wörmann/Hubert Braun (1:06,87 1:06,42 1:05,17 1:06,24) 4:24,70 +2,80
weiters: 7. USA II Charlie McDonald / Chuck Pandolph (1:05,97 1:05,85 1:06,16 1:07,02) 4:25,00 +3,10; 8. AUT I Erwin Thaler / Josef Nairz (1:05,72 1:06,98 1:06,48 1:06,33) 4:25,51 +3,61; 9. AUT II Franz Isser / Reinhold Durnthaler (1:06,94 1:06,71 1:07,40 1:07,04) 4:28,09 +6,19; 10. SUI I Hans Zoller / Robert Zimmermann (1:06,97 1:06,20 1:07,60 1:07,38) 4:28,15 +6,25; 14. EUA II Hans Maurer / Rupert Grasegger (1:06,72 1:07,76 1:06,92 1:08,37) 4:29,77 +7,87; 17. SUI II Herbert Kiesel / Oskar Lory (1:07,33 1:07,70 1:07,92 1:08,25) 4:31,20 +9,30; 19. und Letzter ARG II Roberto José Bordeu / Hernán Agote (1:10,15 1:08,45 1:11,33 1:10,26) 4:40,19 +18,29
Nicht gestartet: Belgien I, Schweden II

Die Überraschung lieferten Nash/Dixon (wenngleich diese hier in Igls Weltmeisterschafts-Dritte 1963 gewesen waren), die sich gegen die favorisierten italienischen Bobs durchsetzten, wenngleich Monti (nach dem ersten Lauf nur Fünfter) im 2. Lauf in 1:04,90 ein neuer Bahnrekord gelang (allerdings war der bisherige Rekord erst wenige Tage zuvor durch Anthony Nash nur um eine Hundertstel Sekunde schlechter gewesen). Auch die Kanadier Emery/Kirby, 1963 überhaupt nicht im Blickfeld gewesen, hatten sich enorm verbessert. Österreich II entging im Vorlauf einem schlimmen Unfall, allerdings musste Steuermann Heini Isser mit Schulter- und Oberschenkelverletzungen in die Klinik gebracht werden – Franz Isser musste auf einen Ersatzschlitten und den Ersatzsteuermann Reinhold Durnthaler ausweichen. Belgien I konnte nicht antreten, da Bremser Claude Englebert bei einem Autounfall in der Nähe des Olympischen Dorfes Verletzungen erlitten hatte.

Es hatte am ersten Tag ideale Bahnverhältnisse gegeben. Nach zwei Läufen war das Endklassement bis Rang 4 bereits gegeben. Danach folgten USA II in 2:11,82, USA I in 2:12,51, AUT I in 2:12,70, SUI I in 2:13,17, EUA I in 2:13,29 und AUT II (im zweiten Lauf nur elfte Zeit) in 2:13,65; auf Rang 12 EUA II in 2:14,48 und Rang 14 SUI II in 2:15,03 – Schweden II war auf Rang 21 und damit Letzter in 2:19,62.[1][2]

Viererbob

Platz Land Sportler Zeit (min)
1 Kanada  CAN I Victor Emery
Peter Kirby
Douglas Anakin
John Emery
4:14,46
2 Osterreich  AUT I Erwin Thaler
Adolf Koxeder
Josef Nairz
Reinhold Durnthaler
4:15,48
3 Italien  ITA II Eugenio Monti
Sergio Siorpaes
Benito Rigoni
Gildo Siorpaes
4:15,60
4 Italien  ITA I Sergio Zardini
Romano Bonagura
Sergio Mocellini
Ferruccio Della Torre
4:15,89
5 Deutschland Mannschaft Gesamtdeutsch  EUA I Franz Schelle
Otto Goebl
Ludwig Siebert
Josef Sterff
4:16,19
6 Vereinigte Staaten  USA I William Hickey
Charles Randolph
Reginald Benham
William Dundon
4:17,23

Keine Austragung Olympische Spiele 1960; Olympische Spiele 1956: SUI I; Weltmeister 1963: Italien I (Sergio Zardini, Ferruccio Dalla Torre,
Renato Mocellini, Romano Bonagura)

Datum: 05. Februar: 2 Läufe; 6. Februar: 3. Lauf; 7. Februar: 4. Lauf
Laufzeiten/Endzeit/Rückstand:
CAN I Victor Emery / Peter Kirby / Douglas Anakin / John Emery (1:02,99 1:03,82 1:03,64 1:04,01) 4:14,46
AUT I Erwin Thaler / Adolf Koxeder / Josef Nairz / Reinhold Durnthaler (1:03,67 1:03,94 1:03,74 1:04,13) 4:15,48 +1,02
ITA II Eugenio Monti / Sergio Siorpaes / Benito Rigoni / Gildo Siorpaes (1:03,43 1:04,07 1:04,02 1:04,08) 4:15,60 +1,14
4 ITA I Sergio Zardini / Sergio Mocellini / Ferruccio Dalla Torre / Romano Bonagura (1:03,95 1:04,10 1:03,59 1:04,25) 4:15,89 +1,43
5 EUA I Franz Schelle / Ludwig Siebert / Josef Sterff / Otto Göbl (1:04,21 1:03,50 1:04,15 1:04,33) 4:16,19 +1,73
6 USA I Bill Hickey / Reg Benham / Bill Dundon / Chuck Pandolph (1:03,90 1:04,11 1:04,43 1:04,79) 4:17,23 +2,77
weiters: 7. AUT II Paul Aste / Herbert Gruber / Andreas Arnold / Hans Stoll (1:04,65 1:04,40 1:04,43 1:04,25) 4:17,73 +3,27; 8. SUI II Herbert Kiesel / Bernhard Wild / Hansruedi Beugger / Oskar Lory (1:04,33 1:04,54 1:04,65 1:04,60) 4:18,12 +3,66; 9. EUA II Franz Wörmann / Anton Wackerle / Rupert Grasegger / Hubert Braun (1:04,47 1:04,42 1:05,25 1:04,54) 4:18,68 +4,22; 10. SUI I Hans Zoller / Hans Kleinpeter / Fritz Lüdi / Robert Zimmermann (1:04,83 1:04,52 1:04,97 1:04,73) 4:19,05 +4,59; 17. und Letzter BEL I Jean de Crawhez / Charly Bouvy / Thierry De Borchgrave / Camille Liénard / Jean-Marie Buisset (1:07,46 1:05,56 1:06,51 1:06,31) 4:25,84 +11,38,
Ab dem 3. Lauf nicht mehr angetreten: USA II
Der Sieg von Kanada I kam überraschend. Victor Emery fuhr mit seinem Team im ersten Lauf in 1:02,99 min Bahnrekord.

Der Viererbob-Bewerb hätte schon am 4. Februar starten sollen, jedoch hatte das Tauwetter den Zeitplan durcheinander gebracht. Nun war die Bahn aber wieder in ausgezeichnetem Zustand, es war zur „Entschärfung“ Schnee eingestreut worden, trotzdem erzielten einige Schlitten in den ersten beiden Trainingsläufen schnelle Zeiten – in einer Gesamtwertung lagen Monti vor Zardini und Thaler voran, gefolgt von Emery, Wörmann, Schelle – und auf Rang 8 Ing. Aste.[3]

Nach den ersten beiden Durchgängen lag Emery in 2:06,81 vor Monti (2:07,56), Thaler (2:07,61), Schelle (2:07,71), Hickey (2:08,01), Zardini (2:08,05), Lary McKillip von USA II (2:08,14), Kjell Holmström von SWE I (2:08,30), Kiesel (2:08,87), Wörmann (2:08,89), Ing. Aste (2:09.05) und Monty Gordon von CAN II (2:09,06) voran. - Im ersten Lauf hatte Aste, der sowohl im „Fuchsloch“ als auch „Nadelöhr-S“ angeschert hatte, nur die 14. Zeit gefahren, im zweiten Lauf erreichte Franz Schelle die beste Zeit, demgegenüber versteuerte Sergio Zardini im „Fuchsloch“. Die gute Leistung des österreichischen Einserbobs war auf den ausgezeichneten Steuermann Thaler und der Startleistung von Nairz (ein ehemaliger österreichischer Vizemeister im Amateurboxen aus Innsbruck, geb. 5. November 1936) zurückzuführen.[4][5]

Am 6. Februar (ab 9.30 Uhr) wurde nur der dritte Lauf gefahren, vorerst war zwar auch der vierte Lauf programmiert gewesen, dann aber noch vor Rennbeginn auf den 7. Februar ab 9 Uhr verschoben worden.

Thaler konnte sich auf Rang 2 verbessern, während Monti die Einfahrt in den „Hexenkessel“ schlecht erwischt hatte. Da Zardini die Tagesbestzeit aufstellte, hatte er auch noch berechtigte Chancen auf Silber oder Bronze. Der letztplatzierte belgische Bob schlug nach dem „Hexenkessel“ ein Loch in die Bahn, so dass auf einer Länge von ca. zwei Metern der Beton zum Vorschein kam, trotzdem wurden die restlichen fünf Bobs vom Start gelassen; dadurch wurde die Beschädigung zwar größer, doch resultierte daraus glücklicherweise kein Unfall.[6]

Wahrscheinlich war die Chance auf Silber für die österreichische Crew ausschlaggebend, dass zum abschließenden Lauf über 20.000 Besucher kamen (andere Angaben lauteten sogar 35.000). Als erste der Medaillenanwärter war «AUT I» mit Start-Nr. 6 ins Rennen geschickt worden, die 1:04,13 schienen zu langsam gewesen zu sein. Schon wurden Fehler (Startzeit 5,62 sec. statt ansonsten 5,50 sec.) gesucht, wobei auch Neuschnee auf der Bahn gelegen war. Emery konnte sich dann schon als Sieger feiern lassen. Auch Zardini wurde vom Schnee gehemmt, und ausgerechnet Monti war als Letzter an der Reihe. Startzeit in 5,59 sec. - man hätte eine Stecknadel fallen hören können, bis die Endzeit bekanntgegeben wurde.

Der Sieg der Kanadier musste auch unter dem Aspekt gesehen werden, dass sie erst dieses Jahr in dieser Besetzung fuhren und es in ihrer Heimat keine Bobbahn gab – sie hatten nur geringe Trainingsmöglichkeiten in Lake Placid und in Cortina d'Ampezzo.[7][8]

Einzelnachweise

  1. «Halbzeit im Zweierbob: Schlecht für uns . Thaler von Rang 4 auf 7 – H. Isser verletzt» sowie Untertitel «Bobbremser: Verkehrunfall»; «Kurier Wien» vom 1. Februar 1964, Seite 9
  2. «Monti fuhr wie der Teufel»; «Kronen-Zeitung» vom 1. Februar 1964, Seite 15, Spalte 1, unten
  3. «Bobtraining: Thaler erreichte in zwei Läufen den dritten Rang»; «Kurier Wien» vom 5. Februar 1964, Seite 8
  4. «Bob: Hoffnungen auf Bronze»; «Kurier Wien» vom 6. Februar 1964, Seite 8
  5. «„Wunderstarter“ Nairz in Aktion: Toller dritter Platz des Viererbobs»; «Kronen-Zeitung» vom 6. Februar 1964, Seite 19
  6. „Sternstunde“: Unser Bob auf Rang 2. Heute wird Silbermedaille anvisiert! in Kurier Wien vom 7. Februar 1964, Seite 10
  7. «Bob „Österreich I“ hinter Kanadiern Zweite»; «Kurier Wien» vom 8. Februar 1964, Seite 7
  8. «Erst Nervenkitzel, dann „Silber“: Viererbob hat es geschafft!»; «Kronen-Zeitung» vom 8. Februar 1964, Seite 17