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vom 25.06.2020, aktuelle Version,

Per-Albin-Hansson-Siedlung

Mehrfamilienhäuser am Stockholmer Platz, Bauteil West

Per-Albin-Hansson-Siedlung ist der Name einer von der Stadtverwaltung im 10. Bezirk, Wien, Favoriten, auf dem Südhang des Laaer Berges angelegten Stadtrandsiedlung, die aus drei Teilen besteht. Heute leben in der Siedlung 14.000 Einwohner.[1]

Sie ist nach dem 1932–1946 amtierenden schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson benannt, zum Dank für die nach dem Zweiten Weltkrieg von Schweden geleistete Hilfe.[2] An ihn erinnert eine Büste von Emil Näsvall, die 1951 auf dem Stockholmer Platz westlich der Favoritenstraße im Rahmen der Eröffnung der Siedlung enthüllt wurde.

Olof Palme Hof, Westansicht (von der Favoritenstraße aus betrachtet)

Zum 70-jährigen Bestehen der Siedlung gab es 2019 eine Ausstellung in den Durchgängen der Häuser in Verbindung mit dem Bezirksmuseum Favoriten. Hier wurde die Geschichte aufgearbeitet und ein mehrerer hundert Seiten dicker Katalog[3] über die Per-Albin-Hansson-Siedlung herausgegeben.

Bauteil West

Die 1947–1951 und 1954–1955 errichtete städtische Wohnhausanlage war der erste große Wohnbau Wiens nach dem Zweiten Weltkrieg und ist heute durch die Südosttangente im Osten und der Favoritenstraße im Westen begrenzt.

Die Pläne erstellten Friedrich Pangratz, Franz Schuster, Stephan Simony und Eugen Wörle, die anschließend in mehreren kommunalen Wohnbauprojekten für Wien arbeiteten.[4]

Die Anlage wurde nach der Idee einer Gartenstadt aus den 1920-30ern angelegt.[5] Auf einer Gesamtfläche von ca. 300.000 m2 wurden sowohl einstöckige Reihenhäuser mit angrenzenden Gärten als auch 22 Mehr-Familien-Häuser errichtet, die insgesamt 854 neue Wohnungseinheiten schufen.[6]

Nur 10 % des Areals sind verbaut, die restliche Fläche wurde in jeweils 250 m² große Gärten für die Reihenhäuser aufgeteilt. Diese wurden in ihrer Dimensionierung so gewählt, dass sich eine Familie zwar selbst mit dem Anbau von Obst & Gemüse versorgen, jedoch nicht Profit daraus schlagen konnte.[7]

In den Jahren 1991–1994 kam es zu weitreichenden Sanierungsmaßnahmen an und in den Mehr-Familien-Häusern. Es wurden Dachbodenausbauten durchgeführt und so 70 neue Wohnungen geschaffen. 200 Wohnungen wurden erstmals mit einem Bad und einer Zentralheizung ausgestattet. Im Zuge der Sanierung wurde der Siedlung auch ein neuer Farbanstrich gegeben.[8]

Die Straßen und Gassen der Siedlung sind nach schwedischen Persönlichkeiten und Städten wie Bernadotte, Selma Lagerlöf, Malmö und Göteborg benannt. Zur Unterscheidung von den späteren Bauteilen wird die Siedlung auch als Per-Albin-Hansson-Siedlung West bezeichnet.

Das Areal rund um den Stockholmer Platz steht unter Denkmalschutz.

Bauteil Nord

Nördlich des ersten Bauteils entstand westlich der Favoritenstraße zwischen Saligergasse und Jenny-Lind-Gasse 1969–1971 der zweite Teil der Siedlung, die kleinere Per-Albin-Hansson-Siedlung Nord. Hierbei handelt es sich um einen der ersten „Plattenbauten“ Wiens.[9] Insgesamt wurden 17 dreigeschossige Mehr-Familien-Häuser errichtet.

ArchitektInnen dieser Siedlung waren Anny Beranek, Johannes (Hannes) Lintl, Otto Nobis, Anton Siegl, Josef Wenz, Franz Wosatka.[10]

Bauteil Ost

1970–1974 wurde östlich der Favoritenstraße in wesentlich dichterer Verbauung eine weitere Siedlung mit circa 5000 Wohnungen in insgesamt 62 Wohnbauten errichtet und bildet somit eine der größten Siedlungen Wiens. Sie erhielt den Namen Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost (von den Einheimischen als PAHO abgekürzt).[11] Der Wohnungsmangel dieser Zeit veranlasste die Stadt Wien in den 1970ern solche großen Massensiedlungen zu verwirklichen.

Für den ersten Teil 1971–1972 wurden die Architekten Oskar und Peter Payer engagiert. Der zweite Teil wurde von Hermann Kutschera geplant und 1972–1974 umgesetzt.[11]

Die Bauten sind entweder parallel zueinander oder versetzt in Gruppen ausgerichtet. Man findet vier- bis neungeschossige Wohnblöcke in der Siedlung, die aus Betonfertigbauteilen errichtet wurden. Die Fassaden sind flach und schmucklos und werden durch gleichmäßig angeordnete Loggien unterbrochen.

Trotz dieser hohen Gebäude- und Wohnungsanzahl weist die PAHO viele Grünflächen auf.

Olof-Palme-Hof

Der Olof-Palme-Hof, errichtet in den Jahren 1972–1976, bildete den Abschluss der Großraumsiedlung. Er wurde von den Architekten Carl Auböck und Wilhelm Kleyhons geplant.[12]

Hierbei handelt es sich um einen markanten zusammenhängenden Superblock, der aus vier unregelmäßig wabenförmig gruppierten Einheiten besteht, die nach Süd-Osten hin geöffnet sind. Verbunden sind die einzelnen Wohnblöcke durch dreieckige Stiegenhaustürme. Jeder Stock ist ein wenig zurückversetzt gebaut worden, sodass alle Wohnungen, unabhängig davon, in welchem der 9–12 Stöcke sie sich befinden, einen Balkon mit Sonneneinstrahlung aufweisen. Diese süd-östlich ausgerichteten Balkone nehmen die auch schon bei den Stiegenhaustürmen aufzufindende dreieckige Form wieder auf. Der Olof-Palme-Hof grenzt direkt östlich an die Favoritenstraße an und bietet Raum für 400 Wohnungen.[12]

Kunst in der Siedlung

Alfred Kurz, Liegende, Steinskulptur 1974, Ost-Teil

In allen drei Teilen der Siedlung befindet sich Kunst im öffentlichen Raum. Während in der Ost-Siedlung lediglich eine Büste von Per Albin Hansson zu finden ist, gibt es im Nord-Teil sowie im Ost-Teil (PAHO) bereits mehrere Skulpturen.[13] Im Bauteil-Ost findet man auch Wandmalereien, die 2018 im Zuge des Streetart-Festivals 3 weeks, 3 walls in Zusammenarbeit mit europäischen Künstlern entstanden sind.[14]

Cane, Gemeindebaukatze, 2018, Ost-Teil

Infrastruktur

Es gibt kleine Geschäftsräumlichkeiten im West-Teil der Siedlung. Zwischen dem West- und dem Nord-Bauteil befinden sowohl die 1962 fertiggestellte und 1963 eingeweihte katholische Pfarrkirche zum Heiligen Franz von Sales als auch die evangelische Thomaskirche. Im Bauteil-Ost gibt es mehrere Bildungseinrichtungen, Kirchen, ein Fitnessstudio, Spiel- und Sportplätze, eine Sporthalle, eine Bücherei, das Bezirksmuseum Favoriten, ein Pflegeheim und diverse Ärzte. Angrenzend an die Favoritenstraße und westlich des Olof-Palme-Hofs befindet sich auch das Hanssonzentrum, ein Einkaufzentrum mit 47 Shops.[15]

Zu den Bildungseinrichtungen der Siedlung zählen unter anderem eine Musikschule, eine zweisprachige Volksschule, Kindergärten sowie ein Gymnasium.

Mit dem Bau des FH Campus Wien 2008 nördlich der Per-Albin-Hansson-Siedlung Nord erfuhr die Gegend eine zusätzliche Aufwertung.

Verkehrsanbindung

Die Siedlung ist auf der Favoritenstraße, einer Hauptverkehrsstraße in Nord-Süd-Richtung erreichbar.

Mit der Verlängerung der U-Bahn-Linie U1, die am 2. September 2017 erfolgte, ist nun die Siedlung mit den Stationen U-Bahn-Stationen Alaudagasse und Neulaa unmittelbar an die U-Bahn angeschlossen, die Fahrzeit zum Stephansplatz beträgt von Neulaa nun 13 Minuten.[16] Die Straßenbahnlinie 67 auf dem Ast zwischen Reumannplatz und Oberlaa wurde im Zuge des genannten U-Bahn-Ausbaus eingestellt.[17]

In West-Ost-Richtung quert die Autobuslinie 17A den Bauteil West, die Linie 19A den Bauteil Ost.

Etwa 800 m nördlich der Siedlung befindet sich der Verteilerkreis Favoriten an der stärkst befahrenen Autobahn Österreichs, der Stadtautobahn Südosttangente. Diese Autobahn verläuft in einigem Abstand westlich hinter den Bauteilen Nord und West der Siedlung. Südlich der Bauteile West und Ost verkehrt die Donauländebahn (Güterverkehr zum Zentralverschiebebahnhof Wien-Kledering und zur Donauuferbahn).

Literatur

Commons: Per-Albin-Hansson-Siedlung West  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Per-Albin-Hansson-Siedlung Nord  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Natasa Konopitzky: Per-Albin-Hansson-Siedlung. Wien. Beitrag der Ö1-Sendungsreihe: 100 Häuser. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  2. Apaydin Bilgin/Bernadette Karner/u.a.: Die gute Siedlung. ZeitzeugInnen erzählen ihre Geschichte der Per-Albin-Hansson-Siedlung. Wien 19, ISBN 978-3-9503996-3-9, S. 13.
  3. Apaydin Bilgin/Bernadette Karner/u.a.: Die gute Siedlung. ZeitzeugInnen erzählen ihre Geschichte der Per-Albin-Hansson-Siedlung. Wien 2019, ISBN 3-9503996-3-1.
  4. Wiener Wohnen - Gemeindewohnungen: Per-Albin-Hansson-Siedlung West. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  5. Natasa Konopitzky: Per-Albin-Hansson-Siedlung. Wien. Beitrag der Ö1-Sendungsreihe: 100 Häuser. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  6. Presse-Service: 23.8.1947: Die Per-Albin-Hansson-Siedlung. - Grundsteinlegung auf dem Wiener Feld. 24. September 1994, abgerufen am 24. Juni 2020.
  7. Alexandra Laubner: Paradoxes Paradies. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  8. Presse-Service: Archivmeldung: Sanierung der Per-Albin-Hansson-Siedlung/West abgeschlossen. 24. September 1994, abgerufen am 24. Juni 2020.
  9. Natasa Konopitzky: Per-Albin-Hansson-Siedlung. Wien. Beitrag der Ö1-Sendungsreihe: 100 Häuser. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  10. Wiener Wohnen - Gemeindewohnungen: Per-Albin-Hansson-Siedlung Nord. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  11. 1 2 Wiener Wohnen - Gemeindewohnungen: Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  12. 1 2 Wiener Wohnen - Gemeindewohnungen: Olof-Palme-Hof. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  13. Per-Albin-Hansson-Siedlung | IBA_Wien - Neues soziales Wohnen. Abgerufen am 24. Juni 2020 (deutsch).
  14. Wiener Wohnen - Gemeindewohnungen: Streetart in der Per-Albin-Hansson-Siedlung. Abgerufen am 24. Juni 2020.
  15. Presse-Service: Archivmeldung: Ludwig/Franz: IBA_Wien: Modernisierungsoffensive Per-Albin-Hansson-Stadtteil. 8. November 2017, abgerufen am 24. Juni 2020.
  16. Abfrage unter http://fahrplan.oebb.at/ am 4. September 2017 um 14.42
  17. https://www.wienerlinien.at/eportal3/ep/contentView.do/pageTypeId/66526/programId/74577/contentTypeId/1001/channelId/-47186/contentId/1000052 abgerufen am 4. September 2017 um 14:44