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vom 23.01.2017, aktuelle Version,

Plabutsch

Plabutsch
(Plabutsch-Buchkogelzug)
Plabutsch vom Grazer Schloßberg aus gesehen

Plabutsch vom Grazer Schloßberg aus gesehen

Höchster Gipfel Fürstenstand (754 m ü. A.)
Lage Steiermark, Österreich
Teil der Grazer Bergland, Lavanttaler Alpen
Koordinaten 47° 5′ 15″ N, 15° 23′ 4″ O
Gestein Kalkstein, Dolomit
Alter des Gesteins 350–400 Millionen Jahre
Besonderheiten Hausberg von Graz; Plabutschtunnel (A 9)
p1

Der Plabutsch, auch Plabutschzug, im weiteren Sinne Plabutsch-Buchkogel-Zug ist ein Höhenzug in der Steiermark und Hausberg der Stadt Graz. Sein Hauptgipfel ist der 754 m ü. A. hohe Fürstenstand, dessen direkter Stock oft als der eigentliche Plabutsch bezeichnet wird.

Geographie

Blick vom Schöckl nach Südwesten auf Graz: rechts der Plabutschzug im Dunst, hinten die Koralpe
Blick am Schloßberg nach Nordwesten: Graz mit dem Plabutsch und anschliessender Göstinger Ruinenberg, der Mur-Durchbruch vom Gratkorner Becken an Kanzel- und Admonterkogel, hinten Grazer Bergland und die Gleinalpe
Blick am Schloßberg nach Südwesten: Die weiteren Gipfel des Plabutsch-(Buchkogel-)Zuges

Lage und Landschaft

Der Plabutsch erstreckt sich über knapp 10 km von Nord nach Süd und begrenzt die Landeshauptstadt Graz im Westen. Über der Stadt Graz (amtlich 363 m ü. A.) erhebt sich der Plabutschstock 400 Meter, nach Süden fällt er dann sukzessive ab. Er bildet den südlichsten Ausläufer des (Westlichen) Grazer Berglands. Nördlich schließt der West–Ost-streichende Zug des Generalkogels (bis 742 m) an, von dem der Plabutsch durch den Durchbruch des Thaler Bachs getrennt ist. Westlich sind bei Thal Frauenkogel (561 m) und Madersberg (540 m) vorgelagert. Zusammen bilden diese Berge das Bergland westlich von Graz. Östlich fällt der Plabutschzug in das Grazer Feld (Grazer Becken) ab, westlich streichen seine Vorberge in das Steirische Riedelland aus, südlich läuft der Plabutschzug in die Kaiserwaldplatte an.

Anteilhabende Stadtbezirke von Graz sind (von Nord nach Süd) Gösting, Eggenberg, Wetzelsdorf und Straßgang. Am Westfuß liegt Thal, am Südausläufer Seiersberg und Mantscha (Gemeinde Hitzendorf).

Begrenzt wird der Höhenzug, dessen markanteste Punkte der Plabutsch und der Buchkogel bilden, im Norden durch den Thaler Bach, im Osten durch die Stadt Graz respektive im weiteren Sinne die Mur, im Süden durch das Ortsgebiet von Pirka und im Westen durch oberen Förstlbach, unteren Katzelbach und Thaler Bach.

Berge und Erhebungen

Wichtige Geländepunkte (von Nord nach Süd)

  • Plabutsch, Fürstenstand (Fürstenwarte, 763 m)
  • Hubertushöhe (Kernstockwarte, 562 m)
  • Mühlberg (720 m)
  • Einsattelung des Orts Plabutsch (Plabutschdörfl, ca. 622 m)
  • Gaisberg (636 m)
  • Gaisbergsattel (Herrgott auf der Wies, 527 m)
  • Kollerberg (633 m)
  • Einsattelung von Einöde und Feliferhof (Steinbergstraße, ca. 470 m)
  • Ölberg (559 m)
  • St. Johann und Paul (562 m)
  • Buchkogel (Kronprinz-Rudolf-Warte, 659 m)
  • Einsattelung von Mantscha (Bildföhre, ca. 590 m)
  • Bockkogel (539 m)
  • Florianiberg (Florianikirche, 527 m)

Geologie

Geologisch gehört der Plabutsch zum Grazer Paläozoikum. Er ist überwiegend aus Kalken aufgebaut, die im Devon vor 400 bis 350 Millionen Jahren abgelagert wurden,[1][2] und damit weit älter sind, als die Kalkalpen. Hier am Plabutsch handelt es sich überwiegend um Dolomite und Dolomitsandsteine (Rannach-Fazies). Zu den charakteristischeren Formationen gehören die dunklen, fossilreichen Bankkalken der Barrandei-Schichten, die den Fürstenstand und die Plabutsch-Westflanke bilden, an letzter finden sich auch Steinbergkalke, die Hauptmasse sind die unteren (älteren) Sandsteinfolgen. Diese neigen alle mehr oder minder zur Verkarstung. Der Aufbau des Plabutschzugs ist durch mehrere West–Ost verlaufende Brüche charakterisiert, die die einzelnen Gipfel und Einsattelungen bestimmen.[1]

In den Auffaltungsprozessen der Alpen angehoben, bildete sich hier das Steirische Becken und die Grazer Bucht als Randbereich des Paratethys-Meeres. Schon im Oligozän, vor um die 50 Millionen Jahren, wird die Landschaft den Charakter eines Rumpfgebirges (Altfläche) gehabt haben,[3] und der Generalkogel–Plabutsch-Zug einen Küstenbereich eines Kaps gebildet haben (der Wildoner Berg südlich, ein kleines verkarstetes Plateaubergland, ist hingegen junger Leithakalk, ein Riffkalk der Parathetys). Vermutlich reichte die Verkarstung des Plabutschstocks im Miozän, vor ab etwa 20 Millionen Jahren, unter das heutige Talniveau, thermale Wässer, die aus Tiefen bis 1000 Metern aufstiegen (wie die heutige Herrgottwiesquelle oder Tobelbad) lassen ein noch tieferliegenes Karstsystem vermuten.[3][4] In den Zeiten des Karpatium bis Badenium, vor um die 15 Millionen Jahren, verlandete die Grazer Bucht wieder, bei Puntigam erreichen die Sedimente 300 Meter Mächtigkeit.[3] Die Hauptentwässerung wird gegen Westen mit folgender Hauptfließrichtung Süd gewesen sein, so wird der Thaler See noch heute von Grundwasser mitgespeist.[3] Ab dem Sarmatium, vor etwa 12 Millionen Jahren, verändern sich die umliegenden Ablagerungen von marin zu limnisch (aus Süßwasserseen) bis fluvial (Flussschotter),[3] Ab dann setzen hier im Raum starke Hebungen ein (Steirische Faltungsphase), die bis heute nicht abgeschlossen sind, und den Charakter der Flussläufe des gesamten Steirischen Randgebirges und Riedellandes prägen. Die Eggenberger Brekzie etwa bei Algersdorf und Eggenberg ist ein Felsbruchschutt des oberen Miozän (Sarmatium/Pannonium ), um 10 Mio. Jahre alt. Die Sedimentation im Raum endet Ende des Miozän, hierorts als Zeitstufe Pontium genannt, vor etwa 5 Millionen Jahren, ab dieser Zeit wurde das alte Karstrelief teils wieder freigelegt und neu überformt.[3] Der Lauf des Katzlbachs und Thalerbachs nach Norden und zur Mur mit dem Durchbruch des Göstinggrabens dürfte eine sukzessive nach Norden zurückwandernde Anzapfung dieser Zeit gewesen sein, die den Plabutschzug dann freigestellt hat,[3] Es finden sich auch ältere Höhlenschläuche neu durch Fließgewässer phreatisch überformt.[3] Aus den großen Eiszeiten sind mehrere Terrassenniveaus und etliche andere glaziale Formationen erhalten. Der Kaiserwald südlich beispielsweise ist eine altpleistozäne Schotterplatte (vor um die 2 Mio. Jahre). Die Verkarstung hält bis heute an, mit Karstformationen wie Dolinen, Höhlen (Einsiedeleihöhle bei Algersdorf) und Quellen (beispielsweise im Bereich der Bründlteiche und die Puntigamer Quellen).

Natur

Der Plabutsch[5] ist in den Höhenlagen bis auf wenige Ausnahmen fast vollständig bewaldet. Seine Ausläufer sind nach Süden zunehmend intensiv landwirtschaftlich genutzt.[6] Gewässer gibt es nur wenige:[7] Katzelbach–Thalerbach und die Bründlteiche am Fuße des Buchkogels bilden ein markantere Ausnahme. Einöd-, Bründl- und Katzelbach (zum Bad Straßgang) versickern im Talboden oder wurden im Stadtgebiet von Graz verrohrt.

Seit 1956 steht der Höhenzug unter Landschaftsschutz, er gehört zum Schutzgebiet Westliches Berg- und Hügelland von Graz.[5][8] Die Grüngürtel-Funktion für die Stadt Graz ist durch die Zersiedelung seines Osthangs aber eingeschränkt.[6]

Der Laubmischwald bietet vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Nennenswert sind etwa ein Bestand an Gämsen (militärisches Sperrgebiet Feliferhof) oder als Vertreter der geschützten Pflanzen Schwarz-Germer, Lilien-Becherglocke, Färber-Meier.[9]

Weitere Schutzgebiete sind die geschützten Landschaftsteile Bründlteiche und Greitjoslkapelle in Gedersberg.[10]

Geschichte

Es gibt eine Deutung des Namens aus einer keltischen Wurzel bla- für einen Bergbauort, in Bezug auf vage Hinweise auf einen vorrömische Kupfer- und Eisenabbau.[11] Eine andere Anleitung ist von einem slawischen Personennamen Blagota, wohl auf die Ortslage des Plabutschdörfls bezogen.[2] Jedenfalls hieß der Berg bis in das 19. Jahrhundert Grafenberg, danach allgemein Bauernkogel, erst später verbreitete sich B-/Plawutsch[-Gebirge].[11]

Am Plabutsch wurden etliche Steinbrüche betrieben.[12][13] Schon seit dem Mittelalter wurde Eisenerz auf der Buchkogelalm abgebaut. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden dann an über 30 verschiedenen Stellen umfangreich Baukalk und Bausteine abgebaut, die sich in Graz an vielen historischen Gebäuden finden. Zu den wichtigsten gehörte der Gaisberger Marmor[11] oder der große Abbau beim Wirtshaus Blaue Flasche in Gösting an der Hubertushöhe. Der letzte Abbau im Plabutschdörfl wurde in den 1970ern eingestellt. Am Buchkogel und in den 1940ern am Kollerberg wurden auch eisenhaltige Farberden gewonnen.[14] Heute wird kein Bergbau mehr betrieben.

Erschließung und Baulichkeiten

Der Plabutsch dient als Naherholungsgebiet[5] mit Aktivitäts- und Ruhezonen, Picknickwiesen und Möglichkeiten zum Wandern, Laufen und Rad fahren. Zwei Aussichtswarten,[15][16] der Fürstenstand (Fürstenwarte am Gipfel, derzeit gesperrt) und die Kronprinz-Rudolf-Warte auf dem Buchkogel, bieten einen schönen Blick auf ganz Graz, ebenso eine 2010 fertiggestellte Panoramaterrasse bei der Kirche St. Johann und Paul. Auf der Hubertushöhe steht die Kernstockwarte, die einst einen schönen Blick über die Stadt hatte, heute aber im Wald steht.

Auf dem höchsten Punkt des Plabutsch befindet sich ein Heurigenrestaurant, beim Kirchlein St. Johann und Paul sowie südlich des Buchkogels und auf der Hubertuswarte je ein Gasthaus. Ebenfalls bieten ein Gasthaus sowie eine Buschenschänke im Bereich des Florianibergs Einkehrmöglichkeiten.

Im Winter bietet der Thaler See (Gemeinde Thal) Eislaufmöglichkeiten und die Bründlwiese einen Kinderskilift zur freien Nutzung. Zwischen 1954 und 1973 war der Gipfel durch den Sessellift Plabutsch erreichbar.

Der höchste Punkt des Plabutsch (Fürstenstandwarte und Heuriger) ist über eine Straße von Graz-Wetzelsdorf (etwa 5 km) über den Gaisbergsattel zu erreichen. In der Mitte wird der Höhenzug von der stark befahrenen Steinberg-Landesstraße (L301) durchquert, dem wichtigsten Verkehrsweg nach Hitzendorf und in die Weststeiermark. Diverse Wanderwege führen von allen Seiten auf den Berg.[16] Eine zunehmend intensive Nutzung für Mountainbike-Routen wurde bisher nicht in ein Konzept umgesetzt.[16]

Direkt auf dem Höhenzug stehen zwei Kirchen: St. Johann und Paul (16. Jahrhundert), St. Florian auf dem Florianiberg. Am Nordosthang des Florianibergs liegt der Straßganger Friedhof und die dazugehörige Pfarrkirche. Ebenso befinden sich am Osthang des Buchkogels Schloss St. Martin mit Schlosskirche. Am Fuße des Plabutsch-Höhenzugs befinden sich auf Grazer Seite das Schloss Eggenberg, das 2010 zum Grazer UNESCO-Welterbe hinzugefügt wurde, drei Krankenhäuser (UKH, LKH West, Barmherzige Brüder Eggenberg), sowie die landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof.

Der Plabutsch wird längs (!) vom Plabutschtunnel durchzogen, dem zweitlängste Autobahntunnel Österreichs, der als Teil der Pyhrnautobahn (A 9) eine wichtige Umfahrung des Grazer Stadtgebiets bildet. Ursprünglich war der Bau der A9 durch Stadtgebiet östlich des Bergs geplant gewesen, eine Volksbefragung entschied jedoch dagegen, schon enteignete und abgesiedelte Hausbewohner konnten wieder zurückkehren. Das bröckelnde Trassenrelikt "Weblinger Stumpf", bis dato als Umsteige-Parkplatz genutzt, soll 2017 abgerissen werden.

Auf dem Gaisberg (westseitig) sowie unterhalb des Buchkogels (ostseitig) befindet sich je ein Entlüftungsschacht des Tunnels auf dem Berg. Der heute 2-röhrige Tunnel hat zwei Notausfahrten Richtung Osten: Bei den Bründlteichen zur Krottendorferstraße im Süden und bei der Berg- zur Baiernstraße im Norden.

Literatur

  • Annemarie Reiter: Der Plabutsch. Der höchste Berg von Graz. Verlag für Sammler, Graz 1994.
  Commons: Plabutsch  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Alois Kuntschnig: Geologische Karte des Bergzuges Plabutsch-Kollerkogel. In: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 74 (1937), S. 114–132 (pdf, auf zobodat.at) – Karte im Pdf S. 20.
  2. 1 2 Geologie Buchkogel - Plabutsch, auf Graz.at, abgerufen am 18. Jänner 2011.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 Helmut W. Flügel: Zur neogen-quartären Morphogenese und Verkarstung des Plabutschzuges westlich von Graz (Steiermark). In: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins der Steiermark, Band 113 (1983), S. 15–23 (pdf, auf zobodat.at).
  4. Josef Zötl, Johann Goldbrunner, u.a.: Die Mineral- und Heilwässer Österreichs: Geologische Grundlagen und Spurenelemente. Springer-Verlag, 2013, ISBN 9783709166529, Tobelbad und Puntigam, S. 205 ff (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. 1 2 3 Landschaftsschutzgebiet Nr. 29. Charakterisierung Land Steiermark, o.D. (pdf, verwaltung.steiermark.at, abgerufen 16. September 2016).
  6. 1 2 Landschaftsschutzgebiet Nr. 29. Land Steiermark, Abschnitt Topographie und Landschaftsgepräge, S. 1 f (pdf, s.o.).
  7. Landschaftsschutzgebiet Nr. 29. Land Steiermark, Abschnitt Gewässer, S. 2 (pdf, op.cit. s.o.).
  8. Plabutsch - Buchkogel, auf Graz.at, abgerufen am 18. Jänner 2011.
  9. Land Steiermark: Geschützte Pflanzen. Graz, 2007, 95 S. 32, 67, resp. 111 (pdf, auf umwelt.steiermark.at).
  10. Landschaftsschutzgebiet Nr. 29. Land Steiermark, Abschnitt Naturbesonderheiten, S. 3 f (pdf, s.o.).
  11. 1 2 3 Bernhard Hubmann, Bernd Moser: Grazer Stadt und Kulturgeologie – Ein Exkursionsführer. 8. Tagung der Arbeitsgruppe "Geschichte der Erdwissenschaften Österreichs" (24.–26. April 2009 in Graz), III. Exkursion, In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt, Band 45, Wien 2009, Stop 1: Der Plabutsch: Grazer Hausberg und Herkunftsort vieler Grazer Werksteine. S. 55 ff (ganzer Artikel S. 52–72, pdf, auf zobodat.at; dort S. 3 ff).
  12. Barrandaikalk (Barrandei-Schichten, Korallenkalk, Petameruskalk). Datenbank Dekorgesteine der Steiermark (pdf, gis.stmk.gv.at) – mit Karte Steinbrüche im Zuge Plabutsch-Florianiberg, Abb. 26, S. 5.
  13. Lit. Reiter: Der Plabutsch. 1994, S. o.A.
  14. Alfred Weiss: Alte Eisenbergbaue in den Bezirken Voitsberg, Graz-Umgebung und Leibnitz In: Archiv für Lagerstättenforschung in den Ostalpen, 14. Band (1973), S. 61 f (pdf, geologie.ac.at, dort S. 21 f.)
  15. Renate Kniely: Aussichtswarten um Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz. Band 38/39. Graz 2009. S. 413–457.
  16. 1 2 3 Landschaftsschutzgebiet Nr. 29. Land Steiermark, Abschnitt Bestehende Funktionen und Einrichtungen, S. 5 f (pdf, s.o.).