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vom 14.10.2016, aktuelle Version,

Schloss Schiltern

Schloss Schiltern
Schloss Schiltern

Schloss Schiltern

Entstehungszeit: 16. bis 18. Jahrhundert
Erhaltungszustand: Erhalten
Ständische Stellung: Ministerialen
Ort: Schiltern
Geographische Lage 48° 31′ 6,3″ N, 15° 37′ 0,2″ O
Schloss Schiltern (Niederösterreich)
Schloss Schiltern

Das Schloss Schiltern ist eine mächtige, im 16. bis 18. Jahrhundert errichtete Dreiflügelanlage mit vier Rundtürmen. Es steht in Schiltern, einer Katastralgemeinde von Langenlois in Niederösterreich und steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

1180 wurde Heinrich de Schiltarn, ein Gefolgsmann der Kuenringer, als erster bekannter Burgherr von Schiltern urkundlich erwähnt. Ob die Burg selbst, die sich nicht an der Stelle des jetzigen Schlosses, sondern neben der heutigen Pfarrkirche befand, je den Kuenringern gehörte, ist nicht bekannt. Jedenfalls war sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts landesfürstliches Lehen. Von ihr sind heute nur noch Reste eines Wallgrabens und Mauerreste erhalten, die als Zorimauer bezeichnet werden und unter Denkmalschutz stehen.

Nach einem Ruger von Schiltern, der 1377 als Kämmerer der Herzogin Beatrix genannt wurde, gelangten Teile der Herrschaft 1386 an Konrad und Hermann von Schad und dürften sich 1402 zur Gänze als Lehen im Besitz von Georg Schad befunden haben. Gemeinsam mit den anderen Besitzungen der Linie Kuenring-Seefeld war Schiltern im späteren 14. Jahrhundert als Heiratsgut an die Markgrafen von Brandenburg-Hohenzollern gekommen und stellte damit bis 1783 eine ausländische Enklave im Hoheitsgebiet der Habsburger dar, ehe es wieder landesfürstlich wurde.

Die Familie Schad machte die benachbarte Burg Kronsegg zu ihrem Herrschaftssitz und überließ die Burg Schiltern dem Verfall. Als Kronsegg nicht mehr den gestiegenen Wohnbedürfnissen genügte, kehrte Karl Freiherr von Hackelberg, der inzwischen Herrschaftsinhaber war, nach Schiltern zurück und bezog das neu erbaute Schloss, das kurz nach der Fertigstellung 1645 von schwedischen Truppen geplündert und verwüstet wurde. 1663 ging das Lehen an die Brüder Johann, Ehrenreich und Ferdinand von Geymann, welche die Schäden aus dem Dreißigjährigen Krieg behoben.

Das Schloss wurde um 1740 weitgehend barockisiert. Nachdem Schiltern wieder landesfürstlich wurde, scheint Johann Graf Fuchs als Besitzer auf und 1856 kaufte Karl Wolfgang Graf Aichelburg die Herrschaft als freies Eigen.

Die Stadtgemeinde Langenlois kaufte 1928 das Schloss, nachdem das letzte Mitglied der Linie der Familie Aichelburg verstorben war, gab es aber bereits ein Jahr später an das Kremser Institut der Englischen Fräulein weiter, das eine Schule samt Internat in dem Gebäude einrichtete.

Das Deutsche Reich beschlagnahmte 1938 das Gebäude und übergab es zwei Jahre später an die SA. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss nur kurz von sowjetischen Truppen besetzt, sodass der Orden den Schulunterricht bereits 1947 wieder aufnehmen konnte. Das Schloss befand sich jedoch in einer schlechten Verfassung, womit eine umfassende Renovierung erforderlich war. John Schleifer, der nach dem Ersten Weltkrieg als Arbeitsloser aus dem Waldviertel nach Amerika ausgewandert war und dort Karriere als Direktor der Chrysler-Werke gemacht hatte, übernahm die beträchtlichen Kosten der Renovierung.[1]

Das Schloss gehört seit 1987 der Psychosozialen Zentrum Schiltern GmbH, die psychisch beeinträchtigte Menschen betreut und Teile an die Caritas St. Pölten und den Verein Arche Noah vermietet hat.[2]

Baubeschreibung

Der am westlichen Ortsrand liegende stattliche zweigeschossige Dreiflügelbau aus dem 16. Jahrhundert wurde später mehrfach verändert. So wurden etwa beim Umbau von 1989/90 einige Bauten abgerissen. Die beiden markanten runden Ecktürme, die das Firstneveau der Dächer nur wenig überragen, haben barocke Zwiebelhelme, die mit Schindeln gedeckt sind. Die neunachsige zur Ortsstraße ausgerichtete Nordfassade wird durch barocke Fensterverdachungen, Füllfelder und ein umlaufendes Konsolgesims gegliedert. Über der Mittelachse erhebt sich ein Dachreiter mit mehrfach gebrochenem Helm aus dem 19. Jahrhundert.

Hofseitiges Portal zum Westtrakt

Das repräsentative aus dem frühen 18. Jahrhundert stammende Hauptportal wird von ionischen Pilastern flankiert. Auf dem verkröpften Gebälk stehen zwei große steinerne Schmuckvasen. Auf dem Portalbogen ist das Wappen der Familie Aichelburg aus dem 19. Jahrhundert angebracht. Über das darüber befindliche Fenster ziehen sich Stuckgirlanden empor.

Die Hoffassaden sind schlicht gehalten, nur ein Portal an der Westseite wurde im 18. Jahrhundert reichlich mit Stuck verziert. Auf der Portalverdachung steht zwischen zwei Blumenvasen eine Soldatenbüste. Dieses Portal erschließt den Westtrakt mit seinen venezianischen Schornsteinen und der quadratischen kreuzgratgewölbten Kapelle. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in der Kapelle Fresken aus der Zeit um 1760 freigelegt und restauriert, die in der Art des Johann Leopold Daysinger ausgeführt sind und unter anderem die christlichen Tugenden und die vier Evangelisten darstellen. Die Baldachinbekrönung des Altares trägt das Allianzwappen der freiherrlichen Familien Moser und Suttnert. Im Erdgeschoss ist ein Saal, dessen Stichkappengewölbe auf einem achteckigen Mittelpfeiler ruht.

Venezianischer Schornstein auf dem Westtrakt

Die Einrichtung ist modern-zweckmäßig, von der Gemälde- und Skulpturensammlung der Familie Aichelburg, die sich im Schloss befunden hat, ist nichts mehr erhalten.

Der auf der anderen Seite der Straße liegende Schlosspark wird durch ein repräsentatives Rokoko-Schmiedeeisentor erschlossen. Auf einer kleinen Anhöhe steht hier ein reich stuckierter zierlicher Gartenpavillon. Dieser war im Inneren mit illusionistischen Architektur- und Landschaftsmalereien ausgestattet war, von denen nur mehr Reste erhalten sind.[1]

Literatur

  Commons: Schloss Schiltern  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Schloss Schiltern auf der Website der Katastralgemeinde Schiltern, abgerufen am 13. Oktober 2016
  2. Website der Psychosozialen Zentrum Schiltern GmbH, abgerufen am 13. Oktober 2016