unbekannter Gast
vom 14.10.2016, aktuelle Version,

St. Jakobus der Ältere (Artstetten)

Luftbild von Schloss Artstetten mit der Pfarrkirche St. Jakobus

St. Jakobus der Ältere ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der niederösterreichischen Gemeinde Artstetten. Die denkmalgeschützte Kirche befindet sich an der Ostseite von Schloss Artstetten und gehört zum Dekanat Maria Taferl. Sie ist durch eine Treppe mit dem tiefer liegenden Markt verbunden. Im Bereich der Kirche befindet sich auch die Gruft der Familie Hohenberg.

Geschichte

Die ursprünglich frei stehende gotische Bau wurde im 14. Jahrhundert errichtet, 1691–1698 zu einem barocken Saalbau erweitert und im Westen bis zum Schloss verlängert.

1718 durch eine Stiftung von Anton Brauns von Rotenhaus, Besitzer der Herrschaft, indem er zum Unterhalt des Pfarrers ein Kapital von 6000 Gulden stiftete und dann den Pfarrhof und das Schulhaus errichten ließ, wurde Artstetten zur Pfarre erhoben. Von 1868 bis 1869 ließ Erzherzog Karl Ludwig die Kirche restaurieren und den Turm mit vier Quanten neu errichten und die großen Kirchenfenster errichten. 1870 erhielt sie vom selben Gönner das Kreuzweg.1913 erfolgten Umgestaltungen der Kirche im Stil des Historismus.

1909 erteilte Erzherzog Franz Ferdinand Eigentümer des Schlosses Artstetten den Auftrag zur Errichtung einer Grablege für sich und seine Familie. Die Gruft wurde unter der Kirche 1909 und 1010 nach den Plänen des Arch.Ludwig Baumann errichtet. Sie wurde 1956 für die Nachkommen des Thronfolgers erweitert und dient bis heute als Gruft der Familie Hohenberg. Genau unterhalb der Kirche befindet sich die Schlossherrengruft, welche von den Nachkommen der Ehe von Anna v. Hohenberg mit Graf Romée de La Poeze d´Harambure renoviert wurde.

Architektur

Äußeres

Das Langhaus ist etwa gleich hoch wie das Schloss und durch ein zum Chor abgewalmtes Satteldach gedeckt. Der Chor, mit gotischem Kern, ist dreiseitig geschlossen. Seine gotischen Strebepfeiler wurden beim barocken Umbau zu tiefen, rundbogigen Blendnischen mit vorgelegten Pilastern umgestaltet. Chor und Langhaus weisen eine einheitliche, späthistoristische Fassadengliederung mit einfachen und doppelten Pilastern und mit stark profiliertem Gesims auf. Der Bau ist im Süden durch ein barockes Portal mit Volutensturz zugänglich. Der zweigeschossige Turm im Südosten hat einen barocken Baukern und rundbogige Schallfenster. Seine Fassade und der bekrönende Zwiebelhelm wurden 1913 geschaffen. Die Kirche wurde 1985 durch die Pfarrgemeinde sowie dem Patronatsherren renoviert.

Inneres

Im Langhaus ruht ein zweijochiges Tonnengewölbe mit Stichkappen auf kräftigen Wandpfeilern mit vorgelegten Pilastern und verkröpftem Kämpfergesims. Darunter erhebt sich eine zweigeschossige, tonnenunterwölbte Westempore mit dreiteiliger Rundbogenöffnung und einer neobarocken Holzverkleidung von 1911. Hinter dem rundbogigen Triumphbogen liegt leicht erhöht der einjochige Chor, der in der Gliederung dem etwas breiteren Langhaus entspricht. An der Nordwand befindet sich eine bemerkenswert ausdrucksvolle Darstellung Schweißtuch der Veronika aus der Zeit um 1400. Auf einer historistischen Glasmalerei des Jahres 1913 sind die Hll. Josef und Karl abgebildet.

Ausstattung

Einrichtung

Frühbarocker Säulenaltar

Unter Erzherzog Franz Ferdinand wurden um 1911 die ursprünglichen Altäre entfernt und die Kirche wurde mit museal zusammengetragenen Kunstgegenständen verschiedener Herkunft neu eingerichtet:

  • Der frühbarocke Säulenaltar wurde 1659 von Benedikt Faistenberger gebaut und stand ursprünglich in der Katharinenkirche von Kitzbühel. Er hat einen Aufbau mit gesprengtem Giebel und reichem, spätmanieristischem Dekor. Am Altarblatt ist die Himmelfahrt Mariens mit den Heiligen Barbara, Leodegar und Kaiserin Helena abgebildet; am Oberbild Golgota, bekrönt von einer Dreifaltigkeitsgruppe. Seitenfiguren auf Konsolen an der Chorwand zeigen die Heiligen Katharina und Barbara.
  • Die neobarocke Marmormensa, das Tabernakel und das Speisegitter entstammen einem Entwurf von Julius Kubik und wurden 1915 geweiht.
  • Die zwei einander entsprechenden, frühbarocken Seitenaltäre sind bayerische Knorpelwerkaltäre mit gedrehten Säulen aus der Zeit um 1670 und wurden 1911 aufgestellt. Das linke Altarblatt zeigt eine spätmanieristische Darstellung der Beweinung und hat ein ovales Oberbild Heilung des Lahmen. Der Altar verfügt über Seitenfiguren der Hll. Leopold und Jakobus. Auf der Mensa steht die Kopie einer gotischen Madonnenfigur. Am rechten Altarblatt, bezeichnet mit „Johann Martin Schmidt“, ist die Kreuzigung Petri dargestellt. Das Oberbild stammt aus dem Jahr 1670 und zeigt die Epiphanie.
  • Die neobarocke Kanzel stammt aus 1911/1915. Die Orgel wurde 1911 von Franz Capek gebaut. Diese wurde Anfang des Jahrhunderts vollkommen erneuert. Aus der Zeit um 1700 stammen die frühbarocken Kirchenbänke und aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Taufbecken aus Marmor.
  • An der Nordseite des Langhauses ist ein barockes Marmorportal aus Istrien eingemauert. Dieses stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und hat im gesprengten Giebel ein von Putten getragenes Flammenherz.
  • In dem zu einer Vitrine umgestalteten Torbogen befindet sich eine Stola Papst Leos XIII.Diese Stola wird auf Grund von Schutzmaßnahmen im Pfarrhof aufbewahrt. Sie wurde durch eine Statue zur Erinnerung an den Orden der Salesianer ersetzt.
  • Die Kirche verfügt über mehrere Skulpturen aus unterschiedlichen Epochen. Dazu zählen eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes über dem Triumphbogen aus der Zeit um 1770, Darstellungen der Hll. Johannes und Sebastian am Chorbogen (1. Viertel 18. Jh.) sowie eine Herz-Jesu-Figur unter neubarockem Baldachin nach einem Entwurf von Franz Kubrik aus der Zeit um 1911.
  • Zu den zahlreichen Leinwandbildern gehören das ehemalige Hochaltarbild Hl. Jakobus in der Maurenschlacht (Johann Martin Schmidt, 1788), ehemalige Seitenaltarbild desselben Künstlers (1772), drei Darstellungen aus dem Leben Jesu aus dem 18. Jahrhundert, zwei flämische Ölbilder (Die Israeliten in der Wüste und Moses und Aaron) aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, zwei spätbarocke Ovalbilder (Antonius von Padua und Aloysius) aus dem 18. Jahrhundert, zwei Heiligenporträts in Kartuschenrahmung (Johannes Nepomuk und Florian) aus dem 18. Jahrhundert, Bilder der Hl. Familie und der hl. Katharina aus dem 18. Jahrhundert sowie zwei einander entsprechende Bruderschaftsbilder über dem Triumphbogen (Bürger und Adelige vor Christus und Kleriker vor Maria) aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Rokokorahmen.
  • Bemerkenswert ist eine barocke Vortragestange der Bäckerzunft. Sie weist eine kunstvolle Schnitzerei der Heiligen Maria und Elisabeth unter ornamentalem Baldachin auf. Zunftzeichen und Bandlwerkornament am Schaft sind vermutlich augsburgisch und stammen aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Zwei weitere Vortragestangen zeigen die Heiligen Eligius und Florian.
  • Zur weiteren Ausstattung zählen eine Grabplatte am Chor (Pfarrer Antonius Hofmann, † 1770) und zwei Glocken von Johann Georg Fielgrader aus dem Jahr 1792.

Orgel

Die erste Orgel stammte 1789 von der Kremser Firma Bürgl. 1897 wurde eine neue pneumatische Orgel von Franz Capek aus Krems eingebaut und 1911 im oberen Empore aufgestellt, umgebaut und verstärkt. Am 26. November 2000 wurde eine neue Orgel von Josef Diethard Pemmer aus Purk bei Kottes eingeweiht.

Gruft

Gruft mit Marmorsarkophagen von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie

Im Bereich der Kirche befindet sich die Gruft der Familie Hohenberg. 1909 erteilte Erzherzog Franz Ferdinand den Auftrag zur Errichtung einer Familiengruft für zwölf Särge unter dem Vorplatz der Pfarrkirche. Da seine Frau Sophie, Herzogin von Hohenberg, wegen ihrer aus der Sicht des Kaisers unstandesgemäßen Herkunft nicht in der Kapuzinergruft bestattet werden konnte, wurde eine Gruft unter der Schloss- und Pfarrkirche errichtet, wo sie auch bestattet wurde. Auch er verzichtete auf eine Beisetzung in Wien und wurde seinem Wunsch gemäß ebenfalls in der Artstettner Gruft bestattet. 1955/56 wurde die Gruft nach dem Tod von Ernst Hohenberg unter dem Kirchturm und der Schloss-Südterrasse erweitert. Heute sind neben den beiden Söhnen und ihren Frauen auch drei Enkel Erzherzog Franz Ferdinands hier beigesetzt.

Die ursprüngliche Schlossherrengruft, die sich ebenfalls unterhalb der Kirche befindet, wurde zur Jahrhundertwende (20./21. Jh.) durch die jetzigen Schlossherren und Nachkommen der Fürstin Anna von Hohenberg und Graf Romée de La Poëze d´Harambure übernommen.

Literatur

  • DEHIO Niederösterreich nördlich der Donau. Berger, Wien 2010, ISBN 978-3-85028-395-3, S. 48f.
  • Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns. Band 5., Wien 1840, S. 250