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vom 30.04.2020, aktuelle Version,

Stammersdorfer Lokalbahn

Stammersdorf–Groß Schweinbarth
Streckennummer (ÖBB): 182 01
Kursbuchstrecke (ÖBB): ex 912
Streckenlänge: 29,196 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: B2 (Obersdorf – Groß Schweinbarth)
Maximale Neigung: 10 
Minimaler Radius: 173 m
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
0,000 Stammersdorf Übergang zur Straßenbahn
3,500 Hagenbrunn
5,900 Enzersfeld
7,900 Großebersdorf
9,900 Eibesbrunn
Obersdorf Laaer Ostbahn
11,942 Obersdorf
Rußbach
13,536 Pillichsdorf
15,985 Groß Engersdorf
18,577 Bockfließ
21,812 Auersthal
25,680 Raggendorf Markt
Weidenbach
von Gänserndorf
29,196 Groß Schweinbarth
nach Mistelbach

Die Stammersdorfer Lokalbahn, heute auch als Weinviertel-Landesbahn bezeichnet, war eine eingleisige, 29,196 Kilometer lange und nicht elektrifizierte Nebenbahn im niederösterreichischen Weinviertel. Die als Lokalbahn konzessionierte Strecke wurde zuletzt von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betrieben und verband Stammersdorf mit Groß-Schweinbarth. Personenzüge verkehrten noch bis 14. Dezember 2019 auf dem Abschnitt Obersdorf–Groß-Schweinbarth.

Geschichte

Aktie über 200 Kronen der Lokalbahn Stammersdorf-Auersthal vom 18. Juni 1903
ÖBB 2143 mit Spantenwagen im Bahnhof Stammersdorf, März 1988
Aufgelassener Bahndamm nördlich von Stammersdorf

Am 7. Juni 1884 wurde, gemeinsam mit der Linie FloridsdorfGroß Enzersdorf, die Dampftramwaystrecke Stephaniebrücke–Stammersdorf eröffnet. Zwei Jahre später, am 15. Juni 1886, nahm die Dampftramway Krauss & Comp. Güterverkehr auf der Gesamtstrecke auf. Am 2. Dezember 1897 empfahl erstmals der niederösterreichische Landesausschuss dem Landtag den Bau einer Lokalbahn von Stammersdorf nach Auersthal. Knapp ein Jahr später, am 4. September 1898, lag der Technische Bericht für das Projekt einer normalspurigen Lokalbahn Stammersdorf–Auersthal vor. Neben Stammersdorf wurden die Stationen Eibesbrunn H, Pillichsdorf, Groß Engersdorf HL und Bockflüss vorgesehen.[1]

Gestützt auf die Konzessionsurkunde vom 16. November 1901[2] begann im August 1902, in Regie des niederösterreichischen Landeseisenbahnamtes[1], die Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp.[Anm. 1] mit dem Bau der Lokalbahn Stammersdorf – Auersthal. Die technisch-polizeiliche Abnahme der Strecke erfolgte am 15. April 1903[1], ihre Eröffnung am 26. April 1903[3].

Formalrechtlich wurde die Strecke, die für die Versorgung Wiens mit Lebensmitteln (insbesondere Milch[4]) von Bedeutung war[3], am 1. Jänner 1907 von der Stadt Wien übernommen, als diese das Unternehmen Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp. durch Kauf an sich brachte (mit eingeschlossen 229 Bedienstete). Wegen mancherlei aufgetauchter Schwierigkeiten erfolgte die Betriebsübernahme jedoch erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1907. (Die Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp. wurde mit 3. Jänner 1908 aufgelöst und am 29. Dezember 1914 aus dem Handelsregister gelöscht.)[Anm. 2]

Mit Urkunde vom 6. Jänner 1908 wurde der Aktiengesellschaft Lokalbahn Stammersdorf—Auersthal die Konzession zum Bau und Betrieb einer Lokalbahn zwischen Auersthal und Schweinbarth erteilt.[5] Am 9. August 1909 wurde die Strecke nach Groß Schweinbarth eröffnet.[6] Am 1. Mai 1913 übernahmen die Niederösterreichischen Landesbahnen die Strecke, rückwirkend mit 1. Jänner 1921 schließlich die Bundesbahnen Österreichs.

Im Mai 1988 wurde, einschließlich mehrerer anderer Lokalbahnen im Weinviertel, der Abschnitt Stammersdorf–Obersdorf eingestellt und 1995 die Gleise abgetragen.

2011 legte die Österreichische Post als Teil einer Sonderpostmarkenserie das 90-Cent-Wertzeichen 100 Jahre Stammersdorfer Lokalbahn auf. [7]

Schweinbarther Kreuz

5047 060 passiert die Pfarrkirche Pillichsdorf

Infolge der Aufgabe des Abschnitts Stammersdorf–Obersdorf wurde die verbleibende Strecke verkehrlich mit der Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach kombiniert, Anschluss zur Wiener S-Bahn bestand in Obersdorf (S 2 und S 7) und in Gänserndorf (S 1). Diese beiden Strecken bildeten einst zusammen mit der Bahnstrecke Bad Pirawarth–Dobermannsdorf das Schweinbarther Kreuz. Als die beiden Abschnitte Obersdorf–Groß Schweinbarth und Gänserndorf–Groß Schweinbarth miteinander kombiniert wurden, ging diese Bezeichnung als Spitzname auf die neue Verbindung über, nicht zuletzt wegen ihres kuriosen Verlaufs: von Obersdorf über Auersthal ging die Strecke westlich an Raggendorf vorbei, stichbahnartig nach Groß-Schweinbarth und Groß-Pirawarth, dort wieder in die Gegenrichtung und östlich an Raggendorf vorbei bis Gänserndorf.[8]

Diese Streckenkombination wurde von den ÖBB betrieben. Es wurden die Dieseltriebwagen der Reihe ÖBB 5047 eingesetzt, auch mit Desiro-Triebwagen wurden Probefahrten durchgeführt.

Die Strecke Obersdorf–Groß Schweinbarth–Gänserndorf wurde an Werktagen in der Regel im Stundentakt befahren. An Wochenenden verkehrten die Züge nur im Zweistundentakt. Die Strecke Obersdorf–Groß Schweinbarth–Bad Pirawarth wurde in der Regel ebenfalls im Stundentakt befahren, wodurch sich im Abschnitt Obersdorf–Groß Schweinbarth ein annähernder Halbstundentakt mit Zugkreuzung in Bockfließ ergab.

Der Zugverkehr wurde mit Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 eingestellt.[9]

Diverse Pläne sehen eine Weiterführung der Strecke vor, so beispielsweise eine Übernahme durch die GKB. Dies würde aber nur dann gelingen, wenn das Land Niederösterreich diese Verkehre bestellt.[10] Die ÖBB planen die Strecke derweilen im Bestand zu lassen.

Radweg Dampfross und Drahtesel

Zwischen 2002 und 2005 wurde auf der Trasse der ehemaligen Lokalbahn von Stammersdorf nach Pillichsdorf der Radweg Dampfross und Drahtesel angelegt und am 10. September 2005 seiner Bestimmung übergeben. Über weite Teile verläuft auch der Radweg EuroVelo 9 über diese Trasse.[11] 2010 wurde der Radweg über Großengersdorf, Bockfließ, Strasshof bis Deutsch-Wagram verlängert. Die Streckenlänge beträgt 39,2 Kilometer und verläuft großteils auf asphaltiertem Radweg.

Literatur

  • Alfred Laula, Hans Sternhart: Dampftramway Krauss & Comp. in Wien. 97 Fotos, 180 Zeichnungen. Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte, Band 20. Slezak, Wien 1974, ISBN 3-900134-15-4.
  • Robert Wiche, Erwin Parfy: Stammersdorfer Lokalbahn. Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte, Band 31. Verlag Slezak, Wien 1982, ISBN 3-85416-074-7.
  • Wolfdieter Hufnagl: Die Niederösterreichischen Landesbahnen. 1. Auflage. Transpress-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71214-8.

Anmerkungen

  1. Mit 27. August 1888 hatte die Gesellschaft Dampftramway Krauss & Comp. neue Statuten erhalten, verbunden mit einer Namensänderung. – Hufnagl: Landesbahnen, S. 182.
  2. Zufolge Vereinbarung mit dem n. ö. Landesausschuss als Konzessionär wurde von der Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp. der Betrieb ab Eröffnungstag, 26. April 1903, gegen feste Vergütung geführt, ab 1. Jänner 1907 bis Betriebsübergabe für Rechnung der Stadt Wien. – Laula: Dampftramway Krauss, S. 57–59.
  3. Fahrplan grafisch bereinigt um die Auersthal bzw. Stammersdorf nicht anlaufenden Tagesverbindungen. Inset: Billett Eibesbrunn–Floridsdorf, abgefahren am 11. April 1908.
  4. Lokalbahnlokomotive Nr. 32 (150 PS; Kupplung für Dampftramwaywagen; Zug- und Stoßvorrichtungen gemäß Vollbahnnormalien), ausgeliefert von Krauss & Comp., Linz, 1904.
    Bei der am 16. April 1904 mit der baugleichen Lokomotive Nr. 31, „Stammersdorf“ (Abbildung), unternommenen Probefahrt wurden in a) richtiger und b) verkehrter Stellung auf der 9,7 km langen Strecke Stammersdorf–Eibesbrunn und zurück als maximal/mittlere Geschwindigkeit a) 55/39 und b) 55/36 km/h gemessen. – Hufnagl: Landesbahnen, S. 184.
Commons: Stammersdorfer Lokalbahn  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Hufnagl: Landesbahnen, S. 182 f.
  2. RGBl. 1901/196.
  3. 1 2 Volkswirthschaftliche Zeitung. Eröffnung der Localbahnlinie Stammersdorf-Auersthal. In: Das Vaterland, Morgenblatt (Nr. 114/1903), 26. April 1903, S. 10 Mitte. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vtl.
  4. Laula: Dampftramway Krauss, S. 120.
  5. RGBl. 1908/15.
  6. Lokalbahneröffnung. In: Wiener Zeitung, 8. August 1909, S. 10, unten links. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  7. Eisenbahnen – 100 Jahre Stammersdorfer Lokalbahn. Sonderpostmarkenserie. In: austria-lexikon.at, 12. Juli 2011, abgerufen am 8. September 2011.
  8. https://www.vor.at/fileadmin/CONTENT/Downloads/Folder/Fahrplanfolder/Mobil_in_der_Region_Schweinbarther_Kreuz.pdf Infofolder des VOR bei Einstellung der Strecke, PDF-Datei
  9. Theresa Bittermann: ÖBB: Weinviertler Linie Schweinbarther Kreuz wird eingestellt. In: kurier.at. 28. März 2019, abgerufen am 28. März 2019.
  10. kevin.kada: Schweinbarther Kreuz: Rettungsplan durch Privatbahnbetreiber. Abgerufen am 14. Dezember 2019.
  11. virtuelle Radtour zu Dampfross und Drahtesel, Abruf am 23. Juli 2011