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vom 09.06.2014, aktuelle Version,

Volkshochschule Wien Nordwest

Volkshochschule Alsergrund Döbling Währing
Daten
Gegründet: 1934
Anschrift: Galileigasse 8
A-1090 Wien
Website: http://www.alsergrund.vhs.at/

Die Volkshochschule Wien Nordwest mit ihren Häusern in Wien-Alsergrund, Döbling und Währing, bietet je Semester mehr als 1000 Kurse an.

Geschichte

1934, die Jahreszahl der Gründung der Volkshochschule Alsergrund, verweist auf einen dunklen Abschnitt der österreichischen Geschichte: Heer und bewaffnete Einheiten der Heimwehr zerschlugen den verzweifelten Widerstand eines Teils der Arbeiterschaft, die die Auflösung ihrer Vereine und Organisationen nicht hinnehmen wollte. Kein gutes Jahr für Bildung, und trotzdem wurde die Volkshochschule Alsergrund gegründet. Die Vorgaben waren damals klar: Diese ständestaatliche Volkshochschule sollte einen Gegenpol zu arbeiterorientierten Volksbildungseinrichtungen schaffen und ein bürgerliches Publikum ansprechen.

Unter den Nationalsozialisten wurden 1938 die damals bestehenden Volkshochschulvereine in Wien vollends aufgelöst und der Deutschen Arbeitsfront angegliedert, die für die Betreuung des Volksbildungswesens das Deutsche Volksbildungswerk schuf. Der gesamte Betrieb wurde zentral geleitet und ideologisch ausgerichtete Kurse und Vorträge geplant und überwacht.

1945 hat die Wiener Volksbildung und somit auch die Volkshochschule Alsergrund mit ihrer Zweigstelle Währing den Betrieb wieder aufgenommen. Im Wintersemester 1945/46 wurden bereits 188 Kurse angeboten, die von ca. 5.800 Hörern besucht wurden.

Zu Beginn der 70er-Jahre entstand nach der Fusion der Volkshochschule Alsergrund mit dem Volksbildungsverein Döbling die regionale Volkshochschule Wien Nordwest.

Haus Galileigasse 8

Die Volkshochschule in der Galileigasse

Im Jahre 1861 beschloss der Gemeinderat der Stadt Wien die Neuorganisation des Waisenerziehungswesens. Es wurden zwei Musterwaisenkolonien in Schottenfeld und Matzleinsdorf errichtet (auch genannt: Waisenhaus I und II). Nachdem am 22. Dezember 1871 vom Gemeinderat der Bau eines III. Waisenhauses beschlossen worden war, begannen am 19. Mai 1873 die Bauarbeiten auf der Liegenschaft Galileigasse 8.[1] Am 7. Oktober 1874 wurde das in allen seinen Einrichtungen mustergültige Waisenhaus (im Beisein des Statthalters von Niederösterreich, Sigmund Conrad von Eybesfelds) eröffnet[2] und aus diesem Anlass eine sich auf die Kommune sowie Bürgermeister Cajetan Felder beziehende Marmortafel freigegeben.[Anm. 1]

Das Institut war für 100 sogenannte Zöglinge eingerichtet. (Unter ihnen befand sich 1880–1883 der Halbwaise Karl Seitz, später, 1923–1934, Bürgermeister von Wien.)[3] Die Waisenkinder lebten bis zum 14. Lebensjahr dort, dann sorgte die Direktion für die Unterbringung an einer Arbeitsstelle.

1920–1923 wurde das Gebäude als städtisches Versorgungshaus (für erwerbsunfähige, pflegebedürftige Personen) genutzt, 1924–1929 erneut als Waisenhaus (für ca. 80 hilfsschulbedürftige, schwer erziehbare Knaben), 1929–1934 als Verwaltungsakademie der Stadt Wien (Fortbildungsstätte für Magistratsbeamte), ab 1934 als Volkshochschule Alsergrund im Haus Galileigasse.[4]

Das Haus wurde ab 1962 generalsaniert und am 25. Oktober 1963 vom Stadtrat für Kultur, Volksbildung und Schulverwaltung, Vizebürgermeister Hans Mandl feierlich neu eröffnet.[5]

Literatur

  • Erika Swoboda: Vom Waisenhaus zur Volkshochschule. Die Entwicklung des Hauses Galileigasse 8 in Wien. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2012. – Volltext online (PDF; 11 MB).

Einzelnachweise

  1. Swoboda: Vom Waisenhaus zur Volkshochschule, S. 13.
  2. Kleine Chronik. (…) Eröffnung des dritten Waisenhauses. In: Wiener Zeitung, Wiener Abendpost, Nr. 229/1874, 7. Oktober 1874, S. 1826, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  3. Swoboda: Vom Waisenhaus zur Volkshochschule, S. 15.
  4. Swoboda: Vom Waisenhaus zur Volkshochschule, S. 13–41.
  5. Swoboda: Vom Waisenhaus zur Volkshochschule, S. 45.

Anmerkungen

  1. Am Tag der Eröffnung machte das Haus auf alle Besucher einen sehr günstigen Eindruck. Jedoch wurden die Waschzimmer wegen des pestilenzialischen Geruchs der Aborte kritisiert. – Siehe: Kleine Chronik. (…) Eröffnung des dritten städtischen Waisenhauses. In: Die Presse, Abendblatt, Nr. 275/1874 (XXVII. Jahrgang), 7. Oktober 1874, S. 2, unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.