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vom 28.05.2017, aktuelle Version,

Walter Raffeiner

Walter Raffeiner (* 8. April 1947 in Wolfsberg, Kärnten; † 25. Dezember 2009) war ein österreichischer Opernsänger in der Stimmlage Tenor.

Leben und Wirken

Walter Raffeiner studierte von 1966 bis 1971 Gesang an der Musikhochschule Wien und wurde unter anderem von dem Gesangspädagogen Alexander Kolo ausgebildet. Seine Sängerkarriere begann er zunächst als Bariton. Es folgten erste Engagements als Bariton am Opernstudio der Kölner Oper (1972), am Stadttheater Hagen (1973–1976) und am Staatstheater Darmstadt (1976–1979). Raffeiner sang in dieser Zeit hauptsächlich das lyrische Bariton-Fach wie den Papageno in Die Zauberflöte, den Figaro in Der Barbier von Sevilla, aber auch die dramatischere Titelrolle der Oper Eugen Onegin. Im Mai 1977 sang er am Staatstheater Darmstadt die männliche Titelrolle bei der westdeutschen Erstaufführung der Oper Der Schuhu und die fliegende Prinzessin.

Am Ende seines Engagements in Darmstadt vollzog Raffeiner einen Fachwechsel vom hohen Bariton zum Heldentenor. Seine erste Tenorpartie war 1979, noch im Darmstädter Engagement, der Pedro in Tiefland von Eugen d’Albert. Mit Beginn der Saison 1979/80 ging Raffeiner als jugendlicher Heldentenor und Heldentenor an die Oper Frankfurt. Er blieb dort bis 1987 festes Ensemblemitglied.[1] Raffeiner gehörte in der Direktion von Michael Gielen zu den herausragenden Protagonisten der Frankfurter Oper.[2] Raffeiner sang in Frankfurt unter anderem Max in Der Freischütz (Neuinszenierung, Spielzeit 1983/84), Florestan in Fidelio und die Titelrolle in Richard Wagners Parsifal in einer Inszenierung von Ruth Berghaus (Spielzeit 1982/83; Premiere: November 1982, Dirigent: Michael Gielen); den Parsifal sang er auch in den folgenden Spielzeiten immer wieder, so u.a. bei Aufführungen im April 1985 und im Juni 1987. In Berghaus’ Frankfurter Ring-Inszenierung übernahm er den Siegmund in der Walküre (Spielzeit 1985/86, Premiere: Mai 1986); diese Partie sang er später auch im Juni 1987 im Rahmen der Wiederholung des Ring-Zyklus. Im Januar 1982 gastierte er, von seinem Frankfurter Festengagement aus, am Nationaltheater Mannheim in der Reihe „Festliche Opernabende“ neben Gwyneth Jones (als Leonore) als Florestan in Fidelio.

Raffeiner sang auch an der Wiener Staatsoper. Er debütierte dort 1981 mit der Titelrolle in Richard Wagners Oper Lohengrin. Ab 1986 hatte er dort einen festen Gastvertrag. Zu seinen Rollen an der Staatsoper gehörten ebenfalls der Max, außerdem Herodes in Salome von Richard Strauss und der Tambourmajor in Wozzeck von Alban Berg.[3]

Raffeiner gastierte auch bei den Salzburger Festspielen. Dort sang er 1984 den Gran Sacerdote in der Oper Idomeneo von Wolfgang Amadeus Mozart. 1986 war er der Silvanus Schuller in der Uraufführung der Oper Die schwarze Maske von Krzysztof Penderecki.[4] Mehrfach gastierte er auch am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, u.a. in der Spielzeit 1986/87 als Amme Arnalta und Hofdichter Lucano in L’incoronazione di Poppea und in der Spielzeit 1987/88 als Pasqua in Il campiello von Ermanno Wolf-Ferrari. Im Juli 1989 sang er beim „Gustav-Mahler-Fest Kassel ’89“ den Mahlers-Zyklus Lieder eines fahrenden Gesellen in der Klavierfassung.

Regelmäßig gastierte Raffeiner auch an der Hamburgischen Staatsoper. In der Spielzeit 1984/85 sang er den Schiuskij in Boris Godunow in einer Neuinszenierung (Regie: Kurt Horres); im November 1984 sang er in Hamburg den Parsifal. In der Spielzeit 1985/86 übernahm er in Hamburg den Tichon in der Neuinszenierung der Oper Katja Kabanowa (Premiere: November 1985, Regie: Peter Ustinov).

Raffeiner gastierte außerdem am Opernhaus von Rouen (1982 als Siegmund), an der Grand Opéra in Paris (1982 als Lohengrin), am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel (1983 als Max; 1989 als Tambourmajor in Wozzeck; 1992 als Herodes), am Staatstheater Kassel (Spielzeit 1984/85 als Siegmund; Spielzeit 1988/89 als Parsifal), am Badischen Staatstheater Karlsruhe (im April 1985 als Parsifal, als Einspringer für Siegfried Jerusalem), an der Bayerischen Staatsoper in München (1987–1988 als Herodes; 1990 als Max in der Freischütz-Neuinszenierung, Regie: Niels-Peter Rudolph), an der Oper Köln (1984 als Parsifal; 1988 als Tambourmajor), am Theater Basel (1989 als Herodes in Salome), in Rotterdam (1988 als Siegmund; beim Ring-Gastspiel des Staatstheaters Kassel anlässlich der Eröffnung des neuerbauten Stadttheaters Rotterdam) und in Amsterdam (1990, 1991 und 1994 als Eisenstein).

In der Spielzeit 1991/92 sang er am Opernhaus Graz die Bariton-Rolle des Königs Froila in der szenischen Uraufführung der Originalfassung der Oper Alfonso und Estrella von Franz Schubert. 1994 verkörperte er in der Bundeskunsthalle in Bonn die Rolle von Michail Gorbatschow in der Uraufführung der satirischen Kammeroper Gorbatschow von Franz Hummel.[5] Im Juli 1993 sang er bei den 200. Rudolstädter Festspielen in der szenischen Erstaufführung der Oper Schwarzschwanenreich von Siegfried Wagner die Rolle des Ludwig; diese Rolle wiederholte er dort im Juni 1994. In der Spielzeit 1997/98 gastierte er an der Berliner Volksbühne als Baron Gondremarck in der Operette Pariser Leben, in einer Inszenierung von Christoph Marthaler, die auch bei den Wiener Festwochen 1998 zu sehen war.[6] 1999 gastierte Raffeiner bei den Wiener Festwochen in einer Produktion der satirischen Kurzoper Bählamms Fest von Olga Neuwirth, bei der ebenfalls Christoph Marthaler wieder Regie führte.[7]

Ab Ende der 1990er Jahre beschäftigte sich Raffeiner intensiv mit dem Musikschaffen von Kurt Weill. Er trat in mehreren Bühnenwerken Weills auf und spielte CDs mit dessen Musik ein. Raffeiner trat häufig auch bei experimentellen Produktionen auf, beispielsweise im Rahmen des Klangforum Wien.[8] 2001 trat er dort mit seinem Konzertprogramm Gefälschte Wienerlieder auf.[9] 2002 trat er in einer Produktion der Neuen Oper Wien als Tambourmajor in einer Wozzeck-Bearbeitung für Kammerorchester auf.[10] 2003 wirkte er im Rahmen Wiener Festwochen bei einer weiteren Produktion der Neuen Oper Wien mit, als Sprecher in der Opernhandlung Das Mädchen mit den Schwefelhölzern von Helmut Lachenmann.[11]

Seit 2007 war Raffeiner offiziell in Pension, trat aber weiterhin noch bei Bühnenproduktionen auf. 2008 sang er im MuseumsQuartier Wien erneut in einer Opernproduktion der Neuen Oper Wien, diesmal in Eine Marathon-Familie von Isidora Žebeljan.[12] 2009 sang er in Baden bei Wien bei den Operettenfestspielen des Stadttheaters Baden in der Sommerarena den Schweinezüchter Zsupán in der Operette Der Zigeunerbaron von Johann Strauß.[13]

Literatur

  • Karl J. Kutsch und Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Dritte, erweiterte Auflage. München 1999. Band 4: Moffo–Seidel, S. 2838. ISBN 3-598-11419-2

Einzelnachweise

  1. Walter Raffeiner ist tot. In: Frankfurter Rundschau, 7. Januar 2010
  2. Walter Raffeiner verstorben. Klassik.com, 8. Januar 2010
  3. Rollenverzeichnis von Walter Raffeiner in: Chronik der Wiener Staatsoper 1945–2005. Löcker Verlag, Wien 2006, ISBN 3-85409-449-3, S. 679
  4. Rollenverzeichnis Walter Raffeiner. offizielle Internetpräsenz der Salzburger Festspiele (mit Suchfunktion)
  5. Großer Häuptling Domingo und Tenor Gorbi. In: Berliner Zeitung, 10. Juni 1994
  6. Alles futsch, jetzt hat man Ruhe. In: Berliner Zeitung, 23. Mai 1998
  7. Vieldeutigkeit und Naivität. Aufführungskritik vom 21. Juni 1999
  8. „Mann des Theaters“. Walter Raffeiner verstorben. HR online, 7. Januar 2010
  9. Ganz schön vielseitig. In: Neue Zürcher Zeitung, 3. Dezember 2001
  10. „Roter Faden“ gesucht. Aufführungskritik vom 31. Oktober 2002, Internetpräsenz Neue Oper Wien
  11. Schlacht der Geräusche. In: Die Welt, 4. Juni 2003; Michael Holliday
  12. Gerhard Persché: Aufführungskritik. In: Opernwelt, 22. Oktober 2008
  13. Vita Walter Raffeiner. Internetauftritt der Bühne Baden.