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Peter Wegenstein: Wien und seine Bahnhöfe#

Bild 'Wegenstein'

Peter Wegenstein: Wien und seine Bahnhöfe. Vom Nordbahnhof bis zum neuen Hauptbahnhof. Edition Winkler-Hermaden Schleinbach. 148 S., ill., € 28,90

187 Jahren Bahn(hofs)geschichte hat Peter Wegenstein sein jüngstes Buch gewidmet. Der produktive Fachautor hat in den letzten Jahren zahlreiche Bild-Text-Bände in der Edition Winkler-Hermaden publiziert, wie Wege aus Eisen im Waldviertel (2014), Eisenbahnen in Wien (2017), Wiener Straßenbahnen (2018) oder Wege aus Eisen in der Steiermark (2019). Es spricht für ihre Qualität und Beliebtheit, dass manche Bücher der Reihe bereits bis zu sechs Auflagen verzeichnen. Ing. Peter Wegenstein war langjähriger ÖBB- Mitarbeiter und ist ein anerkannter Autor der österreichischen Eisenbahngeschichte.

Auch sein neuestes Werk erzählt keine "Gschichterln", sondern fußt auf profundem Wissen und soliden Quellen. Einleitend schreibt er: Dieses Buch stützt sich in seinem Textteil auf die amtlichen Unterlagen über den Schienenverkehr und nicht auf Angaben aus dem Internet. Manche Details werden eher Bahn-Fans und -Fachleute ansprechen, bei Laien wecken die zahlreichen Fotos nostalgische Gefühle. Die erste Eisenbahn führte von Wien in den Norden der Monarchie. Ihr Ausgangsbahnhof … wurde 1838 in Betrieb genommen … 1841 folgten der Südbahnhof und 1846 der Ostbahnhof … danach wurde die Bahn von Wien in den Westen gebaut. Eine Verbindung zwischen Nord-, Süd-, Ost- und Westbahn wurde erst 1859/60 errichtet. Die privaten Gesellschaften verfolgten ihre eigenen kommerziellen Interessen, ein Zentralbahnhof war ihnen kein Anliegen. Darüber begann man erst nach der Verstaatlichung der Bahngesellschaften um die Jahrhundertwende nachzudenken. Doch bald vereitelte der Erste Weltkrieg solche Pläne. Danach änderten sich die Verkehrsströme: Der Verkehr nach Norden und Osten reduzierte sich, jener nach Westen und Süden stieg an. … In der Zeit zwischen 1938 und 1945 wurde viel geplant, nichts realisiert, aber zu Kriegsende viel zerstört. … 1989 öffnete sich der Osten. Da der Verkehr nun wieder stark anstieg, wurde ab 2007 der neue Hauptbahnhof gebaut und im Jahr 2014 eröffnet.

Von den zehn beschriebenen Anlagen wurden sechs aufgelassen. So auch der Erste, der Nordbahnhof. Er besaß sechs Gleise, ein Heizhaus, Werkstätten, 28 Drehscheiben und acht Weichen. Er reichte vom Rand des Pratersterns bis zur Taborstraße. Eine künstlerische Darstellung von Rudolf von Alt stellt das zweistöckige Aufnahmegebäude vor 1858 dar. Als Gegenüberstellung dient ein Foto aus der Zeit von 1865 bis 1871, das Abfahrts- und Ankunftsgebäude zeigt. In Formen des romantischen Historismus errichtet, galt der Nordbahnhof als prunkvollster Wiens und wichtigster und größter der Habsburgermonarchie. 1944 beschädigte ein Bombenangriff die Gleisanlagen, ein Brand zerstörte die Halle. Bis 1965 erfolgte der Abbruch der Gebäude, der Frachtenbahnhof blieb bis 2010 in Betrieb. Der neue Bahnhof am Praterstern wurde 2008 feierlich eröffnet.

Der Bankier Simon Georg Sina bemühte sich in den 1830er Jahren um die Errichtung von Bahnstrecken von Wien in den Süden und Osten der Monarchie. 1838 begann der Bau der k. k. privilegierten Wien-Raaber Eisenbahn. 1841 folgte die Eröffnung des Bahnhofs. Die Gesellschaft - ab 1842 k. k. priv. Wien-Gloggnitzer Bahn - wurde 1853 verstaatlicht und nach wenigen Jahren an die spätere Südbahngesellschaft verkauft. 1871 entstand der Bahnhof neu. Der im Zweiten Weltkrieg beschädigte Südbahnhof und der zerstörte Ostbahnhof wurden ab 1951 durch einen gemeinsamen Neubau ersetzt. 2009 verließ der letzte Zug den Südbahnhof. Der Ostbahnhof bestand etwas länger. Sein Betrieb endete 2012. Beide gingen im 2014 offiziell eröffneten Hauptbahnhof auf, zu dem die ÖBB auch die internationalen Züge des Westbahnhofs verlegten.

Der Westbahnhof wurde durch die k .k. priv. Kaiserin- Elisabeth-Bahn errichtet … 1858 ging das Aufnahmsgebäude in Wien in Betrieb - ohne Feierlichkeit, da vieles noch nicht fertig war. … Er hatte zwei Heizhäuser für je zehn Lokomotiven. Die Anlagen für den Frachtenverkehr befanden sich auf der Seite der Felberstraße. Da auch dieser Bahnhof zu klein wurde, erweiterte man ihn sukzessive und begann 1950 mit einem Neubau. Vor ihm leuchteten die ersten Neon-Straßenlampen, die Elektrifizierung der Bahn erreichte Wien und laufend gab es Modernisierungen. Heute ist der Westbahnhof ein wichtiger Bahnhof im Nahverkehr und wird auch in Zukunft weiter bestehen.

Wie die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und die Kaiserin-Elisabeth- (West-) Bahn wurde die Franz-Josefs-Bahn nach einem Kaiser benannt. Sie behielt als einzige den Namen des Monarchen. 1868 fiel die Entscheidung des Handelsgerichts über die Anlage des Bahnhofs innerhalb der Linie im Stadtgebiet von Wien. Die Bahngesellschaft hätte einen anderen Standort bevorzugt. Die Meinungsverschiedenheiten verzögerten den Bau, sodass man 1870 bei der Eröffnung der Strecke bis Eggenburg mit zwei provisorischen Hallen vorlieb nehmen musste. Zwei Jahre später war das nach Plänen der Prager Architekten Josef Ullmann und Anton Barvicius errichtete Aufnahmsgebäude fertig. Es wurde 1974-1977 demoliert. Beim Abbruch stellte sich heraus, dass der Großteil der Ziegel von der abgetragenen Wiener Stadtmauer stammten. … Am 16. September 1975 erfolgte die Grundsteinlegung des Hochschulzentrums, das im Zuge der Überbauung errichtet wurde … Neben der Überbauung fand auch ein Umbau des Bahnhofsbereichs statt … Der Franz-Josefs-Bahnhof ist heute ein wichtiger Bahnhof im Nahverkehr.

Nicht mehr existieren der Nordwestbahnhof, der Aspangbahnhof und der Bahnhof in Stammersdorf. Die - zunächst eingleisige - Nordwestbahn kam gerade rechtzeitig zur Wiener Weltausstellung 1873 im nahen Prater. 1924 - 1943 war der Personenbahnhof gesperrt, die Bahnhofshalle vermietete man zeitweise als Lagerhalle, zum Abstellen von Lokomotiven und sogar als Skihalle. Der Güterbahnhof war weiter in Betrieb, wobei vieles nicht mehr verwendet wurde. Seine endgültige Auflassung erfolgte 2022. Pläne für eine "k. k. priv. Eisenbahn Wien-Aspang" reichen bis 1877 zurück. Genau 100 Jahre später wurde das Aufnahmsgebäude abgebrochen. Seit 2002 läuft der Betrieb zum Flughafen Schwechat auf einer neuen Trasse.

Der Bahnhof Stammersdorf war der kleinste Kopfbahnhof in Wien und ursprünglich der Endbahnhof der Nordlinie der Kraus'schen Dampftramway. 1886 wurde er eröffnet und 1903 nach Verlängerung der Linie zum Durchgangsbahnhof. Bis 1925 verkehrten hier Straßenbahnfahrzeuge. Die Lokalbahn blieb mit dem Kopfbahnhof Stammersdorf bis 1. April 1988 weiter in Betrieb. Seit 2005 fehlt der Oberbau, derzeit bestehen vom Bahnhof noch das Aufnahmsgebäude und das Heizhaus. Mit diesen Worten schließt Peter Wegenstein seine fast zwei Jahrhunderte umfassende Bahnhofsgeschichte. Die letzten Bilder zeigen eine ländliche Nostalgie aus dem 1970er Jahren, als die Kreuzung der Dampflok-Strecke mit der Stammersdorfer Straße von einem Eisenbahner bewacht wurde. 2011 standen noch beide Aufnahmsgebäude, eines wurde mittlerweile abgebrochen. Der Zug der Zeit erfasste das Bahnwesen. Schade nur, dass neuere Entwicklungen wie der um 2010 modernisierte - zur "Bahnhofscity Wien West" mit Shoppingcenter und Bürotrakten erweiterte - Westbahnhof sowie die großen Stadtentwicklungsgebiete beim Franz-Josefs-Bahnhof, Nord- und Nordwestbahnhof keine Erwähnung finden.


hmw