Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast

Peter Wegenstein: Wege aus Eisen in der Steiermark#

Bild 'Wegenstein'

Peter Wegenstein: Wege aus Eisen in der Steiermark. Zur Geschichte der Eisenbahn in der grünen Mark. Edition Winkler-Hermaden Schleinbach 2019. 132 Seiten, ill., € 21,90

Die berühmteste Eisenbahnstrecke Österreichs führt durch die Steiermark. 1998 erklärte die UNESCO die Semmeringbahn zum Weltkulturerbe, mit der Begründung, dass sie eine herausragende technische Lösung eines großen physikalischen Problems in der Konstruktion früherer Eisenbahnen repräsentiere. Über rund 117 km führt diese Südbahnstrecke von Wien über Niederösterreich nach Mürzzuschlag in der Steiermark.

Den "Wegen aus Eisen in der Steiermark" hat Peter Wegenstein das jüngste seiner reich illustrierten Fachbücher gewidmet. Der Ingenieur war lange Zeit bei den ÖBB beschäftigt und kann auf zahlreiche Publikationen auf dem Gebiet der Eisenbahngeschichte verweisen, wie Wege aus Eisen im Waldviertel (2014), Eisenbahnen in Wien (2017) oder Wiener Straßenbahnen (2018). Zur Geschichte der Eisenbahn in der grünen Mark schreibt er einleitend. " Die Südbahn erreicht im Semmering-Tunnel bei Kilometer 104,015 in 898,056 Meter Seehöhe die Steiermark. …Aus dem Jahr 1829 stammen die ersten Pläne einer Eisenbahn von Ostgalizien über Wien nach Triest … Das Land Steiermark erkannte die wirtschaftliche Bedeutung mit einer Streckenführung durch die Steiermark und setzte sie schließlich durch. … Mit dem Bau unter der Leitung von Carl Ghega begann man im August 1842. … Nach Aufstellung einiger Varianten über den Berg und eines Basistunnels fiel die Entscheidung für die heute noch bestehende Trasse, deren Bau 1848 in Angriff genommen wurde. … 1854 war die Bahn fertig."

Das Buch erscheint zu einem 175-Jahr-Jubiläum. 1844 gilt als Geburtsjahr der Eisenbahn in der Steiermark, als die Strecke Mürzzuschlag–Graz eröffnet wurde. Es folgten weitere Hauptstrecken wie die Verlängerung der Südbahn über die Untersteiermark bis Triest und die Eröffnung der Kronprinz Rudolf-Bahn von der Westbahn über die Steiermark nach Kärnten. Wichtig war die Erschließung des Erzberggebietes, zur regionalen Versorgung entstanden zahlreiche Nebenbahnen. Bei den Streckenbeschreibungen hat der Autor alle Bahnhöfe angeführt. Zur Illustration dienen 100 historische und zeitgenössische Fotos sowie Dokumente, etwa "Juxta zur Schuldverschreibung der k. k. priv. Kronprinz Rudolf-Bahn" und Fahrkarten. Der erste Teil beschreibt die Hauptbahnen. Während sich Fachleute über technische Details freuen dürfen, werden sich Passagiere eher an die eindrucksvollen Landschaftspanoramen erinnern. Hier sieht man sie mit den Zügen im Vordergrund: Bei Admont prägen der große Buchstein und der Himberstein das Bild. Mit dem Hochschwab im Hintergrund zeigt ein Farbfoto aus den 1970er Jahren zwei Dampfloks bei der Haltestelle Feistawiese. Für den Materialtransport vom Erzberg waren kräftiger Vorspann und wohlüberlegte Verschubarbeiten nötig. Bei Vordernberg wurden die Garnituren von Zahnradbahnlokomotiven bergwärts geschoben. Obwohl es weltweit die stärksten waren, bewährten sie sich nicht und waren nur selten im Einsatz.

Ende des 19 Jahrhunderts versprach ein Bahnanschluss den Gemeinden wirtschaftlichen Aufschwung. Daher förderte das Land Steiermark solche Projekte und es entstanden viele Lokalbahnen. Bis zum Ersten Weltkrieg war ihr Betrieb für die Aktiengesellschaften lukrativ. Heute sind Nebenstrecken als Defizitbringer verrufen. So wurden auf der Strecke von der Landesgrenze bis Fehring einige Bahnhöfe aufgelassen, doch auch die erste Fernsteuerung einer Nebenstrecke in Österreich etabliert. "Diese moderne Betriebsführung ermöglicht ihr Überleben auch in der Zukunft." Zur Eröffnung dieser Strecke schenkte der Prinz von Bourbon-Parma dem Vorstand des Bahnhofs Tauchen-Schaueregg einen kleinen Mammutbaum. Längst überragt die Sequoia, inzwischen ein Naturdenkmal, das Aufnahmsgebäude. Nicht nur der weltberühmte "20-Schilling-Blick" vom Wolfsbergkogel auf die Semmeringbahn ist für Technikhistoriker etwas Besonderes. Auch die Nebenbahnen können mit interessanten Brückenkonstruktionen aufwarten: Die Zeilbrücke über das Lafnitztal in Rohrbach ist ein 220 Meter langes und 40 Meter hohes Eisenbahnviadukt der Bahnlinie zwischen Friedberg und Hartberg. 1905 erbaut, besteht sie aus drei Fischbauchträgern, die von gemauerten Pfeilern getragen werden. Die Murbrücke bei Übelbach aus dem Jahr 1862 ist das älteste in Verwendung stehende Brückentragwerk Österreichs. Die im Wald versteckte Brücke über den Rittelmühlgraben vor Waisenegg ist eine der vier Trestleworkbrücken in Österreich. Drei Tragwerke mit 8, 13 und 8 m Länge, ruhen auf zwei 6 m hohen Gitterpfeilern.

Das letzte Kapitel ist den Straßenbahnen gewidmet. In Graz bestanden seit 1878 Pläne dafür, bis zu Elektrifizierung 1899 verkehrte auf mehr als 10 km eine Pferdetramway. 1954 erreichte das Streckennetz mit 41,9 km seine größte Ausdehnung, derzeit sind in der Landeshauptstadt 2,9 km im Bau. Eine eigene Schmalspurbahn führt vom Zentrum zum Wallfahrtsort Mariatrost. In Mariazell verkehrt seit den 1980er Jahren eine Museumsbahn. Ihre Strecke zum Erlaufsee wurde eigens angelegt. Hier verkehren die zuvor im Straßenbahnmuseum St. Pölten untergebrachten Garnituren, u. a. der Wiener Tramway und der Preßburgerbahn. Schließlich wird noch die 1,9 m lange "gleislose Bahn" - elektrisch betriebene Autobusse - von Judenburg erwähnt. Sie stand 1910 bis 1914 in Betrieb. Streckenskizzen, Register von Orten und Lokomotiven ergänzen den detailreichen Bild-Text-Band.

hmw