Puch 600-M: Imaginationen#
(Wo die KI mir nützt)#
von Martin KruscheDas Kübelwagen-Wrack braucht derzeit (April 26) noch reichlich Phantasie, um sich das Originalfahrzeug vorstellen zu können. Es ist ja aus den 1950ern kaum etwas an Fotos und Zeichnungen erhalten. Ich kenne überdies ein reales Multicar-Holzmodell und Modellfotos bei Fritz Ehn. Das war’s.
Da konnte ich mir nun mit einer künstlichen Intelligenz aushelfen, ließ mir den Puch Kübelwagen in verschiedenen Situationen anschaulich darstellen. Wie Piaggio seine Ape rund um die Welt vermarktet hat, hätte das ja auch mit dem Puch Multicar und dem Kübelwagen so kommen können. Hätte: es gibt eben kein Leben im Konjunktiv.
Heimische Allradgeschichte#
In der vorigen Glosse „Beginn der Entwicklungskurve“ habe ich schon notiert, daß ich mir von Fredi Thaler und Manfred Haslinger meine Deutung absegnen ließ, daß die österreichische Allradgeschichte während der Zweiten Republik im PKW-Bereich mit diesem Kübelwagen beginnt. LKW und Traktoren sind ein anderes Thema, zumal kein steirisches. Steyr Traktoren kamen aus dem Werk in St. Valentin in Niederösterreich, Steyr LKW aus dem Werk in Steyr (Oberösterreich).Meine Annahme bezüglich Kübel haben mir nicht bloß die beiden Altmeister bestätigt. Friedrich Ehn war ein Insider und hatte in Sachen Puch eine weitreichende Detailkenntnis. In seinem zweiten Buch (2019) über die Puch-Automobile findet man Fotos eines Holzmodells, das unverkennbar den Kübelwagen darstellt.

Ehns Kommentar: „Dieses Holzmodell einer Haflinger-Studie zeigt, wie der Haflinger aus einfachen abgekanteten Blechen vor allem in Entwicklungsländern hätte gefertigt werden können.“ Der Haflinger-Prototyp von 1957 war dann schon eine völlig andere Konstruktion. Eben jenes Konzept, das Hans Ledwinka am Tatra 11 von 1923 gezeigt hatte: Zentralrohrrahmen, Pendelachsen, luftgekühlter Zweizylinder-Motor. Keine (Kübel-) Karosserie, eine Plattform.
Die gute Idee mußte der besseren weichen#
Die einfachen abgekanteten Bleche bedeuten zweierlei. Es braucht für die Produktion keine großen Pressen, mit denen raffiniert geformte Karosserieteile hergestellt werden. Die Wartung ist damit ebenfalls einfacher. Viele anfallende Reparaturen könnte auch der Dorfschmied in entlegenen Gegenden hinbekommen.Die sehr puristische Konstruktion ist kein Phantasma. So war zum Beispiel der konzeptionell ebenso schlicht gehaltene Citroen 2CV von 1949 gedacht, die Leute in der agrarischen Welt und im Bereich kleiner Betrieb zum Umstieg vom Pferdefuhrwerk auf ein Kraftfahrzeug zu bewegen. (Dieser Cit, die „Ente“, wurde immerhin bis 1990 gebaut.)
Wir haben speziell in Italien mit der Ape (Vespacar) von Piaggio, aber auch in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern mit allerhand Marken gesehen, daß Lastendreiräder seit dem Zweiten Weltkrieg stehts nachgefragt und eingesetzt werden.
Das reicht bis in unsere Gegenwart, wo neuerdings vor allem chinesische Dreiradler längst auch durch Gleisdorf rollen. Aber die Puch-Leute haben damals wohl keine ausreichenden Marktchancen für den Kübelwagen gesehen. So kam es später auch mit einem ähnlich gedachten Puch Landwagen, der auf Haflinger-Technik beruhte.
- Home: Puch 600-M, Prototyp (Offener Personen Kleinwagen)
- Vorlauf: Entwicklungskurve (Der einstige Beginn von etwas)




