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Moped 006: Design und Flachware#

von Martin Krusche

Design soll einem beim Benutzen von Gegenständen hilfreich sein, soll aber auch dem Aussehen von Dingen nützen. Sehen Sie sich in Supermärkten oder Baumärkten um. Oft muß uns die Aufschrift „Design“ einen höheren Preis für unerhebliche Ware schmackhaft machen, ist bloß hohle Phrase. Umgekehrt wird vorzügliches Design schnell abgekupfert, geklaut, verramscht. Sessel, Lampen, Wecker, Handtaschen, Turnschuhe…

Die Stangl-Puch in der „Motorwelt-Revue“, Heft 1/2 1956. (Foto: Martin Krusche)
Die Stangl-Puch in der „Motorwelt-Revue“, Heft 1/2 1956. (Foto: Martin Krusche)
Die Bughaube aus Kunststoff war ein Modul aus einem Baukastensystems. (Foto: Martin Krusche)
Die Bughaube aus Kunststoff war ein Modul aus einem Baukastensystems. (Foto: Martin Krusche)

Design heißt nicht zwingend auch „Schönheit“. So würde ich unter den Mopeds die legendäre Stangl-Puch keinesfalls zur Schönheitskönigin ihrer Klasse küren. Aber es ist wunderbar, wie sich an der MS 50 ein technisches Konzept erstklassig wiedererkennbar in einer bestimmten Form ausdrückt, dabei auch noch hochgradig den Anforderung zur preiswerten Massenproduktion entspricht.

Das ist eine eigene Qualität, sich vortrefflich für hohe Stückzahlen zu eignen, die bei günstigem Preis auch noch erfreuliche Qualität liefern. Definitiv eine Eigenschaft der Puch MS 50, aber genau nicht das, womit die Lohner Sissy punkten könnte. Sie sticht weder durch großen praktischen Nutzen, noch durch Langlebigkeit hervor, weshalb sie heute zu den Moped-Raritäten zählt. Aber oh! Dieser Vorbau! Diese Form! Ich kenne kein Moped, das man mit dieser bauchigen Sissy verwechseln könnte.

Eine Ikone der Nachkriegszeit, sozusagen das rollende Accessoire, passend zum Petticoat und zu den wohlgeformten Flaschen der Libella Limonade. Das fand man offenbar auch bei der österreichischen Post. Dort gibt es zwar noch immer keine offizielle Briefmarke mit der Stangl-Puch, doch nach dem 125er Roller von Lohner nun eben auch die 50er Sissy. Nehmen wir einfach an, das sei Ausdruck oder spätes Echo der Pop-Kultur, nun als Flachware preiswert im nächsten Postamt. Siehe zu diesem Thema auch den kleinen Essay: "Markenware" (Das flache Museum)