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Notiz 003: Staunen und Fragen#

von Martin Krusche

Ich stelle es mir so vor: Wir sind eine Spezies, die mir Wißbegier geboren wird. Dazu kommt, daß die Natur Talente ganz beliebig ausstreut. In jedem Winkel, in jedem Milieu kann eine spezielle Begabung überraschend auftauchen. Anschließend hängt es von unzähligen Faktoren ab, ob sich so ein Talent weiterhin zeigen und entfalten darf.

Wissenschafter Hermann Maurer. (Foto: Martin Krusche)
Wissenschafter Hermann Maurer. (Foto: Martin Krusche)

Wissenschafter Hermann Maurer ist ein Beispiel für so ein Talent, das sich durchzusetzen vermochte. Durchsetzen habe ich hier nicht in dem Sinn gemeint, wie eine Heftigkeit durch geschlossene Türen donnert oder Breschen in Mauern schlägt. Das sind Posen für Abenteuer-Filme.

Durchsetzen meint in diesem Fall eine Zähigkeit und Konsequenz darin, seine Möglichkeiten stets neu auszuloten und sich dabei laufend Aufgaben zu suchen, auch neue Probleme aufzuspüren, die bewältigt werden sollen. Sie kennen diesen Unterschied vermutlich. Manche Menschen suchen sich Herausforderungen, andere verstecken sich davor. Das ist eben Geschmacksache.

Der Emeritus Maurer hat eine internationale Karriere absolviert und zeigt heute, daß ihm über all die Jahre der Arbeit auf verschiedenen Kontinenten weder die Wißbegier, noch der Tatendrang abhanden gekommen sind. In der nun schon längerfristigen Kooperation mit ihm fällt mir auf: wer so im Leben ist, verkommt nicht zum Zyniker, wie ich das bei anderen manchmal erlebe, denen man schließlich anmerkt, daß sie von ihren eigenen Talenten offenbar gelangweilt waren.

Der Wissensdurst und der Tatendrang ergeben einen markanten Unterschied zu jenen Früchtchen, die sich bloß dauernd danach umsehen, ob sie wo etwas abräumen können, statt selbst konsequent an interessanten Aufgaben zu arbeiten. Mir erscheint das gerade heute so gravierend, weil wir in großen Umbrüchen stecken, die zwangsläufig für viel Verunsicherung sorgen. Da hüpft man mit der Simulation von Kompetenz letztlich nicht gar so weit.

Ich hab für mich in den letzten Jahren manchmal gerne etwas ironisch behauptet: „Wo ich bin, ist vorne!“ Inzwischen ist mir klar geworden, dieses Sprüchlein muß anders formuliert werden: „Wo sich keiner auskennt, dort ist vorne!“

Wird die Pointe deutlich? Das ist kein Plädoyer für Konfusion. Das ist eine Verbeugung vor den interessanten Zonen, wo sich bestenfalls sanft abzeichnet, was augenblicklich noch nicht gedacht werden kann. Wie soll man sich vorbereiten, hinter diese Linie zu gelangen, bis zu der man gerade noch sieht? In welche Richtung führt ein sinnvoller Weg hinter den nächsten Horizont?

Was nun Hermann Maurer betrifft, wir treffen uns regelmäßig zu einem gemeinsamen Abendessen, um darüber zu reden, welche Themen uns gerade reizvoll erscheinen. Da geht es keineswegs bloß um Zukunftsfragen. Manchmal muß eine Vorstellung oder Anschauung Platz bekommen, indem man über die nahe Vergangenheit etwas mehr Klarheit gewinnt. Und immer bleibt die Frage offen: was gibt es noch auf der Welt?

Das ist übrigens auch eine wesentliche Wurzel der Philosophie: ein Staunen und Fragen. Dazu brauche ich inspirierte Gegenüber. Sonst lande ich immer wieder bloß bei dem, was ich ohnehin schon wußte. Das Jahr 2019 ist jung und wir haben einiges vor. (Der Kontext: Verzahnte Vorhaben)