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Notiz 013: Der radikale Umbruch#

von Martin Krusche

Um aus der agrarischen Welt heraus eine Industrienation zu werden, vollzog sich in unserer Gesellschaft ein radikaler Umbruch, der in seinem Tempo vollkommen neu war. Die waldreiche Steiermark mit ihrer unerschöpflichen Wasserkraft und dem Erzberg hatte übrigens schon seit der Antike dazu vorzügliche Grundlagen. Und sie hatte in Erzherzog Johann von Österreich einen untypischen Aristokraten, der im 19. Jahrhundert seine enorme Wißbegier und seinen Tatendrang beiden Themen widmete, der Landwirtschaft und der Industrialisierung des Landes.

Es gibt in der Region noch Vollerwerbsbauern, von links: Franz, Matthias, Paula und Getrude Pauline Lang (Foto: Martin Krusche)
Es gibt in der Region noch Vollerwerbsbauern, von links: Franz, Matthias, Paula und Getrude Pauline Lang (Foto: Martin Krusche)

In den rund zweihundert Jahren einer permanenten technischen Revolution hat die Steiermark dank ihrer Talente eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. In den Projektschritten von „Dorf 4.0“, die Sie im vorigen Eintrag skizziert finden, haben wir ein Stück weit erkundet, wo unser konkreter Lebensraum (als Teil der Steiermark) in seinen diesbezüglichen Bedingungen angekommen ist; und zwar genau im Sinn so eines geschichtlichen Hintergrundes.

Die drei Dörfer zeigen nach wie vor ihre vitalen Anteile an der agrarischen Welt. Sie sind in nennenswerten Teilen mit industriellen Bezügen versehen und haben dabei Nischen eines urbanen Lebens entwickelt. Auch das ist in genau so einer Mischung sozialgeschichtlich sehr jung, hat entscheidende Entwicklungsschübe erst nach dem Zweiten Weltkrieg vollzogen.

Über Verkehrsverbindungen und Kommunikationssysteme sind die Menschen heute in jeder Hinsicht sehr mobil, was weite Horizonte eröffnet hat. Dabei war es für uns interessant, einige regionale Aspekte der Mobilitätsgeschichte zu erkunden.

Industrialisierung und Volksmotorisierung bilden sich in der Regionalgeschichte ab. (Foto: Martin Krusche)
Industrialisierung und Volksmotorisierung bilden sich in der Regionalgeschichte ab. (Foto: Martin Krusche)
Ein Klassiker österreichischer Mobilitätsgeschichte: das Puch-Schammerl. (Foto: Martin Krusche)
Ein Klassiker österreichischer Mobilitätsgeschichte: das Puch-Schammerl. (Foto: Martin Krusche)

Diese Mobilitätsgeschichte ist mit einem kontrastreichen Setting unterschiedlicher Hightech-Betriebe verzahnt, die über Jahre in der Region ansässig wurden. Davon wurde wiederum die Mobilitätsbranche der Oststeiermark stark, das gesamte Transportwesen.

Aber wie angedeutet, zu all dem gibt es auch noch eine aktive Bauernschaft. Und es gibt inzwischen mehr als eine Generation begabter junger Menschen, die einerseits in die Welt hinausgingen, andererseits die Welt in die Region brachten.

Nah dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges hat sich Europa massiv gewandelt und über einige interessante Krisen begonnen, den Menschen ein neues Selbstverständnis abzuverlangen. Was immer draußen in der Welt geschieht, berührt auch das Leben im Dorf. Daraus ergeben sich spannende kulturpolitische Herausforderungen für jedes Gemeinwesen. Das Projekt „Dorf 4.0“ ist solche Fragen prozeßhaft gewidmet.

Hier sind einige Booklets gelistet, die jüngst aus dieser Arbeit hevorgingen, regional gewichtet sind und auch online verfügbar gemacht wurden: