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Notiz 043: Landkarten der Bedeutung#

(Wissenschafter Hermann Maurer wurde ausgezeichnet)#

von Martin Krusche

Es hat sich so entwickelt, daß ich quer durchs Jahr gut monatlich ein Arbeitsessen mit dem Wissenschafter Hermann Maurer hab. Dabei geht es um Gespräche über das Leben, über die Welt, über aktuelle Vorhaben. Wissenschafter Maurer ist Informatiker, also seit Jahrzehnten mit technischen und konzeptionellen Grundlagen befaßt, die unsere heutige Info-Sphäre ausmachen. Er hat die Beschäftigung mit dieser Materie aber nie als eine bloß technischen Aufgabenstellung verstanden.

Hermann Maurer bei einem unserer Arbeitsessen. (Foto: Martin Krusche)
Hermann Maurer bei einem unserer Arbeitsessen. (Foto: Martin Krusche)

Es gilt vieles für die gesamte menschliche Gemeinschaft, was wir auch in überschaubaren Communities, im kleinen Kreis stets neu klären müssen. Etwa: Wie können wir den Zugang zu Informationen offen und zugleich niedrigschwellig halten? Wie können wir die Fülle der Informationen ordnen, strukturieren? Wie läßt sich aus dieser grenzenlosen Fülle dann Wissen ableiten? Welche Werkzeuge sind uns dabei nützlich und wie können wir so verfügbares Wissen auf Stichhaltigkeit überprüfen? Wie wollen wir all das dokumentieren, erhalten?

Das ist nun bloß ein Bruchteil der stets neu aufgeworfenen Fragen. Die haben aktuell besondere Brisanz, da uns etwa die Politik gelegentlich „Alternative Facts“ zumutet, da auch der Wissenschaftsbetrieb an manchen Ecken Probleme mit der Einhaltung seiner Kriterien hat, weil manche Stimmen ein „postfaktisches Zeitalter“ ausrufen.

Bild 'maurer04'

So hat Maurer tausend gute Gründe, an Bedingungen von Kontrasten zu arbeiten und deren praktische Umsetzung zu verfolgen, um solchen Verhältnissen etwas gegenüberzustellen, das tiefer wurzelt und mehr Aussicht auf Bestand hat.

So wurde unter anderem das von ihm gegründete Austria-Forum als Wissensplattform im Web zum Ausdruck solcher Bemühungen. Der Aufbau dieses Portals zielt auf einen Kontrast zu Wikipedia. Beiträge sollten nicht anonym ins Web, sondern in Autorenschaft und Quellenlage überprüfbar sein.

Nun kam eben eine Pressemeldung daher, in der es unter anderem heißt: „Sonderpreis für das Lebenswerk: Prof. Hermann Maurer“. Der Kontext: Wikimedia Österreich vergab heuer zum ersten Mal den Österreichischen Preis für Freies Wissen.

Es dreht sich natürlich auch stets um praktische Zugänge: Hermann Maurer demonstriert den Beko Gehschweber. (Foto: Martin Krusche)
Es dreht sich natürlich auch stets um praktische Zugänge: Hermann Maurer demonstriert den Beko Gehschweber. (Foto: Martin Krusche)

Die Presseinformation besagt unter anderem: „In Anwesenheit der Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie, Leonore Gewessler und Bürgermeister Michael Ludwig, vergab Wikimedia Österreich heuer zum ersten Mal den Österreichischen Preis für Freies Wissen. Der Preis würdigt Menschen und Organisationen, die Wissen unter einer freien Lizenz vermitteln. Die Preisverleihung fand am 25. Jänner 2020 am Wiener Ball der Wissenschaften statt.“

Die Jurybegründung: „Seit 1996 arbeitet Maurer daran, ein frei zugängliches und zu großen Teilen offen lizenziertes, digitales Lexikon für Österreich zu schaffen.“

1996! Österreich wurde etwa 1992 an das TCP/IP angeschlossen, ist damals also in jenes Internetprotokoll einbezogen worden, mit dem ein weltweites Netz der Netze möglich wurde. Zu der Zeit war Maurer längst ein erfahrener Routinier auf diesem Gebiet.

Er hatte als junger Wissenschafter zum Team von Heinz Zemanek gehört, dem wir das „Mailüfterl“ verdanken, den ersten vollständig mit Transistoren arbeitenden Computer auf dem Festland. Mit dem System MUPID hatte Maurer in den 1980ern ein System eingeführt, das TV-Geräte und das BTX-Netz (Bildschirmtext) verband, in mancher Hinsicht die Personal Computers vorwegnahm: „Mehrzweck Universell Programmierbarer Intelligenter Decoder“. (Siehe zum Thema MUPID auch: Sehr persönliche Ergänzung.)

Leonore Gewessler, Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie. (Foto: Manfred Werner, CC BY-SA 4.0)
Leonore Gewessler, Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie. (Foto: Manfred Werner, CC BY-SA 4.0)

Maurer hat einen wesentlichen Teil seines aktiven Berufslebens auf mehreren Kontinenten verbracht, ist als Emeritus an der Technischen Universität Graz ruhelos geblieben.

Seine Themen gehen eben weit über jede einzelne Existenz hinaus, ergeben einen mächtigen Fluß an Fragen und Aufgabenstellungen, der niemals schmäler wurde, seit die thrakische Magd über Thales von Milet gelacht hat, als der, den Himmel betrachtend, in einen Brunnen gefallen ist.

Die Jurymitglieder#

  • Ulli Zeller – Vorstand Wikimedia Österreich
  • Arno Grumbeck – Vorstand Wikimedia Österreich
  • Friedrich Schipper – Vorstand Wikimedia Österreich
  • Leonhard Dobusch – Professor an der Universität Innsbruck, Verein Wien Wissen
  • Barbara Wimmer – Journalistin Futurezone

Diese Preisverleihung ist in den Public Domain Month eingebunden, eine internationale Kampagne, welche die wichtige Rolle freier Inhalte noch mehr in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern möchte.

Zahlreiche Veranstaltungen auf der ganzen Welt sollen das Potential freier Inhalte und ihren Beitrag zu einer modernen Informationsgesellschaft sichtbar machen: „Seit Jahrhunderten beflügeln gemeinfreie Werke wie Märchen und Volkslieder die Kreativität von Kunstschaffenden und tragen zur Allgemeinbildung bei.“

Dazu heißt es in einer der Aussendungen zu diesem Preis auch: „Ohne einen Pool an freien Ideen und Werken wäre unsere Kultur- und Wissenslandschaft um ein Vielfaches ärmer und eintöniger.“ Das ist ein bedeutender Teil aktueller Netzkultur, der von Entwicklungen wie „Haß im Netz“ und allerhand Boulevard-Phänomenen stellenweise überschattet wird, was einschlägiges Engagement für Wissenserwerb und dessen positives Image derzeit recht brisant macht.


gratulation!

-- gamauf gerald antal, Mittwoch, 29. Januar 2020, 02:58