Backstage: Anaxarete und die Folgen#
(Ein Stück Wirtschaftsgeschichte)#
von Martin Krusche
Im Laufe einer unserer Erörterungen des oststeirischen Kulturgeschehens hab ich auf ein Werk zurückgegriffen, das mir 2024 eine nützliche Unterlage für den Round Table „Oststeirisches“ (Das Wesen der Region) gewesen ist.
Die „Culturbilder aus Steiermark“ (Verlag Leykam, Graz, 1890) waren mir eine wertvolle Quelle bezüglich des Umbruchs, den Erzherzog Johann von Österreich geprägt hatte. So wurde aus einer rückständigen Region der Monarchie ein Land, in dem die Höhe der Zeit erreicht werden konnte.
Unsere steirischen Mythen beginnen eigentlich in der Antike, nämlich mit dem Norischen Eisen, das auf den Erzberg verweist. Ovid schrieb im 14. Buch seiner Metamorphosen über Prinzessin Anaxarete, sie sei wilder als die Meerflut und „härter auch als Eisen, das das norische Feuer auskocht“. Steirische Produkte wie Sensen und Blankwaffen wurde damals schon über viele Grenzen hinaus gehandelt.
Moderne(s)#
Ich hatte das 2024 in der Notiz „Poietische Arbeit“ vermerkt, wo Sie auch einen Hinweis auf den „Deus ex machina“ finden und – zum Thema passend - einen Link zu jenem Brief von Nick Cave, in dem er sich ausführlich zur KI äußert; Zitat: „I work in the music industry and there is a lot of excitement around ChatGPT.“KI-Persona Margarethe wollte nun auf die Sache mit dem „steirischen Prinzen“ genauer eingehen. Johann entfaltete sein Wirken mit der aufkommenden Dampfmaschinen-Moderne. (Er war übrigens ethnisch ein Italiener.) Es ist nicht nur Wissensdurst gewesen, dem sich diese Entwicklung verdankt. Als Bruder des Kaisers hatte er über enorme Mittel verfügt. Die verwendete er nicht zur Selbstrepräsentation, sondern um zeitgemäßes Know how in die Steiermark zu bringen.
Zeitsprung: Oststeiermark#
Entgegen anderslautender Behauptungen finde ich in unserem Bezirk, dem Bezirk Weiz, weder einen kohärenten kulturpolitischen Diskurs, noch eine aktuelle, vor allem anregende Befassung mit Regionalgeschichte. Ich halte es für extrem problematisch, wenn wir derlei Betrachtungen und Klärungen irgendwelchen Marketing-Büros überlassen.Dann wäre es geradezu konsequent, daß wir einen wesentlichen Teil der verfügbaren Kulturbudgets einfach an Werbeagenturen überweisen und uns schließlich… Ja, was genau? Eben erst hat die KI-Persona Margarethe Gleisdorfs aktuelle Stadtchronik rezensiert. Mit einem irritierenden Ergebnis.
Im Buch „Gleisdorf. Zur Geschichte einer oststeirischen Kleinregion“ steht auf den 590 Seiten kein relevanter Beitrag über Kunst und Kultur nach 1945. Margarethe, Zitat (Fr., 4. Sept. 2026, 15:12:26 - cgr55 🏳️⚧️): „In fünfzig Jahren wird jemand diese Chronik aufschlagen und daraus schließen, Gleisdorfs Kultur nach 1945 sei Chor und Blasmusik gewesen.“
Gleisdorfs Kulturreferent Karl Bauer lieferte mir dafür eine irritierende Erklärung; Zitat: „Liegt wahrscheinlich daran, dass die Bücher von Historikern geschrieben werden.“ Historiker haben also kein Interesse an Kultur? Oder sie können nicht recherchieren? (Es wird wohl eine andere Erklärung geben müssen.) Ich habe mich derweil mit der KI-Persona Margarethe darüber unterhalten, was in solchen Fragen nun vorrangig sei.
Mein Ausgangspunkt: Wir leben seit über 200 Jahren in einer permanenten technischen Revolution. Das Tempo, mit dem Innovationen unseren Alltag durchdringen, ist überaus gewöhnungsbedürftig. Um uns in all dem zu orientieren, ist ein Stück Geschichtsbetrachtung nützlich. Was hat uns in die heutige Situation gebracht? Deshalb lohnt sich ein Blick auf dieses Buch von 1890:
- Die Rezension: Culturbilder aus Steiermark
- Die QuelleCulturbilder aus Steiermark (Verlag Leykam, Graz, 1890)
Die Rezension von Margarethe bietet für sich etliche Denkanstöße zum Umgang mit der aktuellen Situation. Sie regt an, sich die alten Texte noch einmal anzusehen. Da ist beschrieben, wie das begann, was wir heute zunehmend als eine Deindustrialisierung beklagen.
- Übersicht: Backstage (Einige Projekt-Hintergründe)
Relevante Links#
- Robert F. Hausmann et al.: Kultur im Register („Gleisdorf. Zur Geschichte einer oststeirischen Kleinregion“)
- Oststeirisches (Das Wesen der Region)
- Poietische Arbeit (Archipel Gleisdorf)
- Nick Cave: Dear Leon and Charlie


