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Archiv externer Beiträge, Blatt #20#

von Martin Krusche

Ich mag dieses Stück Erinnerung sehr. In der gesamten Menschheitsgeschichte hatte keine einzige Generation vor uns 1950er Jahrgängen im Aufwachsen ein vergleichbares Maß an Sicherheit, Freiheit und Wohlstand.

Hoffentlich nicht das letzte Hemd! (Foto: Martin Krusche)
Hoffentlich nicht das letzte Hemd! (Foto: Martin Krusche)

Daran ändert auch die Overkill-Kapazität des Kalten Krieges nichts, weil sie nicht schlagend wurde. Was unter unseren so günstigen Lebensbedingungen im westlich geprägten Europa alles entstehen konnte, brachte Ende der 1970er Jahre hervor, was wir heute noch freie oder autonome Initiativenszene nennen.

Unser Leben in einem sicherheitspolitischen Protektorat der USA, begünstigt durch einen aggressiven Kapitalismus, bot uns Anlässe zur Auseinandersetzung mit Faschismus und kolonialen Raubzügen.

Das hatte innerhalb der Initiativenszene einen merkwürdigen Effekt. Kooperationen in einer Praxis des Kontrastes haben einerseits das kulturelle Leben des Landes verändert. Andrerseits wurde „Solidarität“ zu einem Schmuckstück, das man sich heute als Accessoire ansteckt.

Wenigstens seit dem Jahr 2000 wurde das in meiner Region zunehmend zu einer Pose, zu einer leeren Geste; mehr noch: zu einem Topos der PR-Arbeit. Parallel dazu fehlen mir mindestens seit dem Jahr 2000 relevante kulturpolitische Diskurse, wo insgesamt weite Bereiche der Politik zu Public Relations verkommen sind.

Sowas klappt natürlich nur, solange man Depots plündern kann, solange die Ressourcen dafür reichen. Mir scheint, dieser dumme Spuk hat eben geendet. Mit dem Lockdown beginnt eine Ära, in der sich nun schneller zeigen wird, ob jemand auch kann, was er oder sie sagt.

Erstmals publiziert in der KW 17/2020 im „Logbuch