Flocke: Der lyrische Türsteher VIII#
(Crossposting)#
von Martin KruscheDieser Modus boomt. Es ist eine Lästigkeit, die schon in den frühen Tagen der Netzkultur Thema war, da gab es das WWW noch gar nicht, in Österreich auch kein Internet.
Ich habe es jüngst vor allem im Lyrikbereich erlebt, gelegentlich im Kulturbereich generell. Es fängt zum Beispiel damit an, daß einer meiner Facebook-Kontakte Instagram ebenso bespielt wie ich. Dann sehe ich da (Facebook) wie dort (Insta) plötzlich die gleichen Inhalte, was mir den Blick unnötig verstellt.
Manche streuen sogar noch breiter. Also – mangels hinreichender Medienkompetenz - zurück zum Broadcasting des vorigen Jahrhunderts: Ein Sender, viele Empfänger, doppelt und dreifach gemoppelt. So gewinnt man Publikum? Sicher nicht!
Besonders stark fiel mir Crossposting eben im Lyrikbereich auf. Da fühlt jemand den Eifer, annähernd täglich Gedichte raufzuhauen. (Ich kenne kaum wen, der die Potenz hat, tagtäglich ein gutes Gedicht zu schreiben.) Der Text kommt dann nicht bloß in der Leiste, die ich abonniert hab, sondern wiederholt sich in wenigstens zehn anderen Lyrikgruppen, in welchen jene Person präsent ist. Und das bringt einen Publikumsgewinn? Glaube ich nicht.
Mittlerweile haut mir Facebook allerhand Content in meine Timeline, der von einem meiner FB-Kontakte in Gruppen publiziert wird, die ich gar nicht gebucht hab. Der ermüdende Effekt: Ich muß mir das gleiche Gedicht jetzt wenigstens fünf- bis achtmal ansehen. (Sowas mache ich nicht lange mit!)
Was kann ich tun, um lästiges Crossposting einzelner Leute loszuwerden? Wenn es einer meiner FB-Kontakte ist, „entfrienden“, rausschmeißen. Oder ich blockiere alle auftauchenden Lyrikgruppen, denen ich sowieso nicht folge. Wahlweise blockiere ich in einer von mir gebuchten Gruppe, die crosspostende Person, welche nicht zu meinen „Friends“ gehört, damit mir die Timeline etwas weniger mit Wiederholungen vollgeballert wird.
Ich wette, ich bin nicht der einzige Autor, dem so ein Gießkannen-Modus die Plomben lockert, was - meiner Überzeugung nach - die Literatur-Community gesamt beschädigt. Dazu kommen dann noch Eifrige, die schaufeln mir Fotoserien ohne jegliche Bildunterschriften wenigstens in fünf meiner eigenen Social Media-Leisten.
Das soll genau was und wem nützen? Der Informationswert solcher Schüttungen geht nahe Null und nährt meinen Unmut über dieser Geisterfahrerei. Gut, wenigstens weiß ich bei manchen genau, wie sie aussehen, denn ich hab allein die letzten sechs Wochen mindestens 20 Selfies von ihnen gesehen…
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