Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht vollkommen anonym nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. ACHTUNG: Wir können an Sie nur eine Antwort senden, wenn Sie ihre Mail Adresse mitschicken, die wir sonst nicht kennen!
unbekannter Gast

Bild 'flocke081'

Flocke: Kunst, Kultur und Politik#

(Absage an Simulanten)#

von Martin Krusche

Das Wort Republik steht für Res publica, was „öffentliche Angelegenheit“ bedeutet. Die Verwendung öffentlicher Gelder verlangt Transparenz. Die Begründungen für ihren Einsatz sollten bekannt und nachvollziehbar ein.

In dem Zusammenhang sollten wir die Kategorien Kulturpolitik und Kunstförderung zu unterscheiden wissen. Seit ich aktiver Teil des steirischen Kulturbetriebs bin, was rund 50 Jahre ausmacht, war eines immer gleich: Werden Budgets allgemein knapp, geht ein Verdrängungswettbewerb los.

Der ist freilich verhüllt und verklausuliert, denn offiziell sind wir ja nicht so. Wir, das „Kulturvölkchen“. Mumpitz! Geld ist ein derart bewährtes Medium für diese und jene Arten von Leistungsaustausch, ein mächtige Konvergenzmittel, daß vielleicht eine neunzigjährige Nonne in einer Einsiedelei deshalb keine Augenbraue hebt. Aber bei Kunst und Kultur kann Geld in so viele wunderbare Möglichkeiten umgewechselt werden, da sind alle in unserer Branche sofort putzmunter, wenn sich Kursschwankungen zeigen.

Verdeckte Intentionen#

Weshalb sollten sich im Rennen um Kulturbudgets Simulanten hervortun? Erstens weiß jeder Mensch in unseren Breiten mit Geld etwas anzufangen, was einem selbst guttut. Zweitens haben die letzten Jahrzehnte deutlich gemacht, daß allerhand Leute, die in ihren Herkunftsbereichen eine Kompetenz-Decke erreicht haben, mit dem Gewinn an Sozialprestige rechnen, wenn sie sich im Kulturbereich etablieren.

Ich bin dann teilweise recht überrascht, mit welcher Chuzpe manche mäßig qualifizierte Leute ihre Ansprüche laut äußern. Darum empfehle ich gerne: Überprüfen wir unsere Begriffe und Kriterien, dann wissen wir, wovon die Rede ist. So läßt sich leichter klären, wer redliche Arbeit leisten kann/mag und wer dagegen einfach Kohle abgreifen will, um das eigene Sozialprestige einem Tuning zu unterziehen. (Der Unterschied macht den Unterschied!)

Einige Beispiele#

Wenn jemand in unserem Kulturbetrieb von Vernetzung spricht, möchte ich gerne wissen: Wer kooperiert da konkret mit wem auf welche Art? Mit welchen Ergebnissen? Wenn jemand das Wort Kunst raushängt, möchte ich gerne wissen, ob da von Gegenwartskunst die Rede ist oder von einem anderen Genre, etwa den Voluntary Arts, die sich oft als ein „kreatives Basteln“ etablierten Kunstformen annähern. Unterschieden wir außerdem zwischen Gegenwartskunst und Kunsthandwerk?

Wir wissen eine erfahrene Lyrikerin von einem selbstergriffenen Reimeschmied zu unterscheiden. Wer ist Literat von Relevanz und wer Behelfslyriker aus Passion? Vor allem Belesenheit schafft dabei Klarheiten. Wahrnehmunsgerfahrungen. Deshalb sehen wir auch, ob ein Werk sehr stark in einem Thema verwurzelt ist, in einer Aufgabenstellung, ob es aus inhaltlichen Fragen lebt, oder ob es eher der ästhetisch verbrämten Selbstrepräsentation dient.

Wer künstlerisch vor allem mit sich selbst befaßt ist. sollte in seinem/ihren Metier mindestens brillant sein. Ansonsten interessiert es mich nicht, wohin jemand das eigene Ego aufpoliert. Aber in der Kulturpolitik geht es keinesfalls bloß um die Kofinanzierung von Kunstschaffen.

Es geht darum, daß staatliche Institutionen das geistige Leben eines Gemeinwesens fördern, dabei zivilgesellschaftliche Kräfte zu begleiten, zu verstärken. Die Res publica hat ja auch inhaltliche Fragen in ihren Fundamenten. Ich meine, wir müssen stets neu debattieren, welche das sind und welche davon gerade Vorrang haben sollten.