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Notiz 045: Augen#

(Über die Albumblätter)#

von Martin Krusche

Ich hab vor einer Weile diese Sammlung aufgemacht: „Tesserakt Board“ (Visuelle Notizen, einige Worte). Künstlerische Arbeit hat Bedingungen und Grundlagen, wozu in meinem Fall auch ein beständiges Üben der nötigen Fertigkeiten gehört. Man könnte sagen, das ist ein Fluß. Mein etwas in die Jahre gekommene Vorstellung besagt, unsere Augen seien der Beweis daß es Licht gibt. Nichts ist schneller als das Licht und nichts erlaubt uns besser, an Dingen Maß zu nehmen. In solche flüchtigen Gedanken paßt auch, daß Schwarz vermutlich keine Farbe ist, sondern die pure Abwesenheit von Licht. (Es geht mir um tausend Details.)

Farben anzuwenden ist ein orchestriertes Verwalten von Licht. (Foto: Martin Krusche)
Farben anzuwenden ist ein orchestriertes Verwalten von Licht. (Foto: Martin Krusche)

Wäre ich ein Maler, müßte ich über all das weit mehr wissen, denn Farben anzuwenden ist ein orchestriertes Verwalten von Licht, braucht ein enormes Kompetenzniveau, wenn die Arbeit was taugen soll. In meinem Fall genügt sich das Sehen als Ereignis wacher Sinne. Das absichtslose Schauen und der gezielte Blick…

Ich bin blicksüchtig. Vor Jahrzehnten habe ich mich mit einer Spiegelreflexkamera abgeschleppt, um Momente jederzeit dingfest machen zu können. Inzwischen habe ich mich für Komfort entschieden, auch wenn die leichte, kompakte Digitalkamera nicht einen Bruchteil der Bildinformationen festhält, die ein Profi-Equipment verarbeitet.

Nun trage ich zwar praktisch täglich Bilder nach Hause, aber ich bin kein Fotograf. Dazu müßte ich mein Handwerk beherrschen, mein Werkzeug im Griff haben. Das ist aber nicht der Fall. Die kleine Digitalkamera ist quasi eine Art Stift zum Notieren einiger Teile meines Denkens.

Da liegt der Angelpunkt. Ich bin überzeugt, wir denken in Worten, Bildern und Emotionen. Das meint: wahrnehmen, reflektieren und antworten mit eben diesen Mitteln. Mein Körper kann keine Bilder produzieren, nur Worte und Emotionen. (Die Emotionen sind Mittel körperlicher Teilnahme an den Kognitionsakten.)

Bilder kann ich, wie angedeutet, zwar rezipieren, aber nicht produzieren. Dazu bedarf es der Medien, verschiedener Werkzeuge. So kommt es, daß ich auch auf visueller Ebene Chronist bin, meine Journale führe. Die Albumblätter sind ein Beispiel dafür.