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Notiz 048: Zeit und Raum#

(Öffentlicher Raum und geistiges Leben)#

von Martin Krusche

Mehr als ein Jahr Pandemie-Erfahrungen liegt hinter uns. Es wird Zeit, gewonnenes Wissen in eine Kulturpraxis zu übersetzen, die wieder stärker nach draußen geht und mit den nach wie vor bestehenden Einschränkungen durch die Behörde kompatibel sind. Ich schlage mich nicht mit unbewältigten Autoritätskonflikten herum. Daher fehlt mit die Laune, über behördliche Maßnahmen zu streiten. Ich gehe lieber mit inspirierten Menschen in die Praxis. So schaffen wir Faktenlagen, die im Bedarfsfall mit behördlichen Organen verhandelt werden können.

2009: Katharina Mayr als Salondame in unserer Innenstadt-Session.
2009: Katharina Mayr als Salondame in unserer Innenstadt-Session.

Es gab schon einige Vorgespräche. Wir werden nun dem Vorschlag von Unternehmerin Barbara Lukas folgen und den Begriff „Zeitraum“ in die physische Realität der Gleisdorfer Innenstadt übertragen. Das bedeutet zweierlei.

  • Das ist im Augenblick ein zartes „Wir“ einzelner Personen, die sich in der Sache eben zu verständigen beginnen.
  • Es gibt einen Raum in der Gleisdorfer Bürgergasse. Der hat zwei große Fenster zur Straße hin. Die sind zugleich Screen und Surface, also einerseits ein „Bildschirm“, der bespielt werden kann, andrerseits Oberfläche der Außenhaut der Innenstadt.

Kontinuität#

Diese Wortwahl knüpft an Schritte an, die wir über Jahre gesetzt haben; in unterschiedlichen Kooperationsmomenten. In meinen Journalen ist zum Samstag, dem 16. Mai 2009, „der erste kunst O.ST-Kultur-Salon“ vermerkt. Wir hatten vor dem Rathaus eine Sitzgarnitur mit Tischchen aufgestellt.

Das war Teil meiner Konzeption von „Gleisdorf: ein L für die Kunst“ gemäß dem Anliegen, die schon erwähnte Außenhaut der Innenstadt kontinuierlich mit künstlerischen Inhalten zu bespielen. Dazu waren Vereinbarungen mit Geschäftsleuten bezüglich ihrer Räume zu treffen, was eine Art der Street Gallery in L-Form ergab: Die Bühne. Mir war es wichtig, den „Kultur-Salon“ zu einem Teil des öffentlichen Lebens im öffentlichen Raum zu machen. Sichtbarkeit. Diskursmöglichkeit. Niedrigschwelliger Zugang. Inhaltlich war ich damals schon auf die Schnittpunkte zwischen Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst konzentriert.

Volkskultur in der technishen Welt: Hot Rod von Roman Hold.
Volkskultur in der technishen Welt: Hot Rod von Roman Hold.
Barbara Lukas bei einer Salonplauderei mit Extrem-Schrauber Roman Hold.
Barbara Lukas bei einer Salonplauderei mit Extrem-Schrauber Roman Hold.

Ich hab das eben in meinem Archiv nachgeschlagen, weil schon damals zwei Frauen in diese Vorhaben verstrickt waren, aktive Rollen spielten, die ich nun wieder treffe, um ein paar Ideen zu erörtern. Barbara Lukas und Katharina Mayr. Zitat:

„Die Basis-Crew für diese Geschichte ist ein Quartett. Auf diese Geschichte lassen sich mit mir zwei Gleisdorfer Geschäftsfrauen ein, Katharina Mayr (links) und Barbara Lukas. Mayr steht quasi am süd-östlichen Ende des "L", Lukas am westlichen Ende.“ (Quelle)

Drei Sektoren#

Dort findet sich auch ein Passage zum Denkmodell der drei Sektoren: „Ich habe nun einige Jahre Erfahrung damit, was in einer Stadt - Gleisdorf - möglich wird, wenn inspirierte Personen aus drei Sektoren sich verständigen und gelegentlich zusammengreifen. Die Drei Sektoren sind ein Denkmodell, kein reales Abbild gesellschaftlichen Lebens. Aber dieses Denkmodell hilft uns, manche Aspekte zu ordnen. Staat, Markt und Zivilgesellschaft, das meint:
Das ist Geschichte: Ein Ort für die Kunst: der „Einraum“ von Barbara Lukas.
Das ist Geschichte: Ein Ort für die Kunst: der „Einraum“ von Barbara Lukas.
  • 1) Politik und Verwaltung,
  • 2) Wirtschaftstreibende und
  • 3) Privatpersonen.“

Bei Durchsicht meiner Archivbestände fand ich außerdem, daß auch Designerin Barbara Baumgartner in unsere damaligen Erörterungen einbezogen war. Ich will damit deutlich machen, daß im Sinne einer zeitgemäßen Kulturpolitik in Prozessen gedacht werden soll, denn unser geistiges Leben ist kein Springen von Event zu Event. Nun werden wir erst einmal Gespräche führen, um zu erkunden, wer von uns sich derzeit zu welchen Themen ein paar gemeinsame Schritte vorstellen kann.

2009er L-Besprechung: Barbara Baumgartner (links) und Barbara Lukas.
2009er L-Besprechung: Barbara Baumgartner (links) und Barbara Lukas.
Die Vereinbarungen mit den Geschäftsleuten ergab einen L-förmigen Weg.
Die Vereinbarungen mit den Geschäftsleuten ergab einen L-förmigen Weg.

Aus solcher Klärung läßt sich ableiten, was a) das Komplementäre an ganz eigenständigen Schritten sei und b) der mögliche Inhalt einer Kooperation. Das Eigenständige und die Kooperation… zwei Optionen, nicht hierarchisch, sondern komplementär zueinander angeordnet.

Ich denke, das ist ein vielversprechender Ausgangpunkt, für eine Wissens- und Kulturarbeit, die sich einigermaßen entspannt entfalten darf. Wir werden übrigens nichts gründen, denn alles, was man gründen sollte, wurde schon gegründet. Oder wie auch immer… Für uns mag vorerst gelten: adäquate Kommunikation und aktive Anwesenheit regeln den Zugang.

Krusche anno 2009 bei der Kulturarbeit: Wein zu Studienzwecken.
Krusche anno 2009 bei der Kulturarbeit: Wein zu Studienzwecken.