Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht vollkommen anonym nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. ACHTUNG: Wir können an Sie nur eine Antwort senden, wenn Sie ihre Mail Adresse mitschicken, die wir sonst nicht kennen!
unbekannter Gast

Von links: Richard Mayr, Jürgen Kapeller und Bernhard Weber.
Von links: Richard Mayr, Jürgen Kapeller und Bernhard Weber.

Wirtschaftliche Belange#

(Konferenz in Permanenz)#

von Martin Krusche

Jürgen Kapeller ist Techniker. Das lebt er als Science Fiction-Autor auch jenseits vertrauter Verhältnisse. Diesseits literarischer Gefilde ist er als IT-Fachmann erfahren und mit Fragen des Marketings vertraut. Außerdem besteht in Sachen KI eine Kooperation zwischen dem „Archipel“ und Kapellers Plattform „Art Challenge“.

Bernhard Weber ist mit Wissens- und Innovationstransfer befaßt, wofür er sich zwischen Forschung und Wirtschaft aufstellt. Weber ist Geschäftsführer des Unicorn Start-up & Innovation Hub. Sie ahnen, weshalb ich mich bemüht habe, daß die beiden mit an den Tisch kommen?

Vor allem im Reich der Voluntary Arts („Hobbykunst“) herrschen stellenweise kühne Privatmythologien über die Kunst und ein Leben in der Kunst. Im realen Betrieb gibt es eine Vielzahl an Lebenskonzepten, wobei der eher geringe Teil von Freelancers handelt, also von freischaffenden Leuten, die auf dem Markt überleben.

Da Broterwerb keine Kategorie der Kunst ist, sollte man uns Freelancers als EPU verstehen. Das sind – gegenüber den KMU und den großen Tankern – die Ein-Personen-Unternehmen. Da muß entweder betriebswirtschaftlich gedacht und gehandelt werden, oder man hat in der Kunst einen hinreichenden Marktwert, daß einem diese Aufgaben von einer Agentur, wahlweise Galerie, abgenommen werden.

Ich erlebe regelmäßig Begegnungen mit Leuten aus der Voodoo-Fraktion, die sich künstlerisch betätigen und mir allerhand erzählen, was der Wert von Kunst für die Gesellschaft sei, weshalb die Gesellschaft den Kunstschaffenden dies und das schulde. En kulturpolitisches Nebengleis in den Debatten, das nirgends hinführt. (Wir sind keine quasi Priesterschaft, die von der Dorfgemeinschaft erhalten wird.)

Wenn die KI beuyselt: Von der Voodoo-Fraktion wird das populärste Beuys-Zitat gerne etwas verkürzt.
Wenn die KI beuyselt: Von der Voodoo-Fraktion wird das populärste Beuys-Zitat gerne etwas verkürzt.

Kapeller sagte an einem Punkt unserer Debatte treffend: „Unsere Gesamtkultur ist ein Klischee.“ Er empfiehlt, in den Vorhaben sehr viel klarer zu werden. Zitat: „Mit einer thematischen Festlegung erreicht man Sichtbarkeit.“ Was meint er? Kapeller: „Es geht um Aufmerksamkeit. Die kriegt man nicht, wenn man sich im Mainstream bewegt. Die Frage lautet: Worin möchte man gut sein? Worin möchte Gleisdorf gut sein?“

Dazu paßt besonders, was Weber an einer Stelle von seinem Metier erzählte, denn er befaßt sich unter anderem mit der Frage „Wie entstehen Unternehmen, die Erfolg haben?“. Diese Frage kann ich als Künstler eventuell vermeiden, falls mich jemand freundlicherweise durchfüttert. Für eine Kulturinitiative oder eine Kommune ist das aber eine unvermeidliche Aufgabenstellung.

Lassen wir hier noch die Frage nach einem möglicherweise bedingungslosen Grundeinkommen für Kunstschaffende beiseite, denn dafür müßte politisch fundiert, konzentriert und längerfristig gearbeitet werden. Das sehe ich derzeit in meinem Metier nicht einmal ansatzweise. Dazu fehlen vorerst noch alle Grundlagen.

Nun aber Weber: „Wir befinden uns in einem ständigen Ressourcen-Verteilungskampf. Warum wird wo öffentliches und privates Geld investiert?“ Sein aktuelles Fazit: „Wir gewöhnen uns inzwischen die anerzogene Attitüde nach Förderung zu schreien mühsam ab. Das ist ein langsamer und schmerzlicher Prozeß.“

Wo geht diese Reise nun hin? Ich frage dazu weder die Kulturpessimisten noch die verzagten Geister, deren Denken aus dem vorigen Jahrhundert noch nicht herausgefunden hat. Wie sich die Welt im Augenblick zeigt, braucht es dazu neue Ansätze, vielleicht auch den Mut, auf etwas zuzugehen, das derzeit noch nicht gedacht werden kann.



Weiterführend#