Konferenz in Permanenz: 04/10/26#
(Der Eberstaller)#
von Martin Krusche„Seit 2014 laufen die Bemühungen für die lebensgroße Friedensinstallation: Ausstellungen, Performances, Kunstwerke: Tausende Stunden, graue bzw. immer weniger Haare, Verzweiflung, Hoffnung und immer wieder spannende Begegnungen.“
So Nikolaus Eberstaller zu seinem Projekt „BATTLEFIELD LOVE MEMORIAL“ (Eine Großinstallation als Aufruf für eine bessere Zukunft. Work in progress since 2014). Das ist sehr nach meinem Geschmack. Nämlich prozeßhaft an diesem wuchtigen Thema zu arbeiten. Ein aktuelles Arbeitsgespräch führte an die Option heran, mit diesem Vorhaben im kommenden „Lagerhaus“ einen Akzent zu setzen. (Welcher Art, das wird zu klären sein.)
Für das „Lagerhaus“ war der Projektleiter Winfried Lechner am Tisch, für den „Archipel“ die Vorstandsmitglieder Richard Mayr, Martina Brandl und Martin Krusche. Ich bin, wie eben betont, ein Freund kollektiver und prozeßhafter Kulturarbeit. Was nun eine mögliche Eberstaller-Session im „Lagerhaus“ angeht, interessiert mich genau das, was mich vor etwa zwei Jahren schon zu am Beginn unserer gemeinsamen archipelischen Vorhaben beschäftigt hat.
Erste Überlegungen zum Regionalen#
So ein Projekt soll nicht für sich in der Gegend stehen, wie das Opernhaus von Fitzcarraldo. Es bedarf der Schnittstellen für seine Umgebung. Und inhaltlich? Wenn es einen großen Akzent an jenem Altarm der Raab gegeben kann, betrifft mein Interesse jenes Kräftespiel, das uns von der Archäologie über zwei wesentlichen Daten mitgeteilt wurde. Erstens die immer noch rätselhaften neolithischen Massaker, von denen eines auf heute österreichischem Boden stattgefunden hat.Die Fundstelle befinden sich bei Asparn an der Zayer, wurde als das „Massaker von Schletz“ notiert. Das geschah in der Ära der prägnanten Linienbandkeramischen Kultur. Zweitens die ebenso nach wie vor rätselhafte Schlacht im Tollensetal, heute Deutschland, welche der Bronzezeit zugeschrieben wird. Das ist jene Ära, während der durch diesen technischen Fortschritt in der Metallurgie (Kupfer und Zink) erstmals markante Kleinserien von Objekten hergestellt werden konnten, was freilich auch eine Waffenproduktion auf neuen Niveau ergab.
All diese Kriege#
Wir dürfen annehmen, das waren Prozesse im Neolithikum, mit denen angreifenden Banden oder Horden sich effizienter bewaffnen und organisieren lernten, sich schrittweise hochgerüstet haben. Gewisser Maßen die Anfänge dessen, was wir heute als „konventionelle Kriegsführung“ verstehen. Eine der langfristigen Konsequenzen solcher Prozesse manifestierte sich im 19. Jahrhundert als das Ideal „der soldatische Mann“, wobei das Heer als „Schule der Gesellschaft“ gedeutet wurde.Damit gab es gewissermaßen die ideologische und konzeptionelle Voraussetzung für den Faschismus, den wir jüngst noch – wie auch den Stalinismus – als ein großes Narrativ verstanden, das sich historisch erledigt hatte. Offenbar ein Irrtum, denn wir sehen gerade zeitgemäße Varianten solcher Narrative.
Ich folge in zwei sehr verschiedenen Diskursen der Debatte darüber, daß wir uns weltweit in einer Zeitwenden befinden. Für den einen Diskurs steht Historiker Christopher Clark, dessen Arbeit über den Großen Krieg eine bedeutende Markierung gesetzt hat: „Die Schlafwandler“. Für die andere Debatte steht Neurobiologe Gerald Hüther.
Um zu verdeutlichen, aus welcher Position ich am Thema arbeite und argumentiere, noch zwei für mich prägende Einflüsse. Aktuell kommen die von Neurologin Leor Zmigrod und ihrer Arbeit über „Das ideologische Gehirn“. Bezügliche der soziologischen Zusammenhänge bin ich von Gunnar Heinsohn beeinflußt, der den Zusammenhang zwischen Youth Bulge und Kriegsausbrüchen bearbeitet hat. (Nein, Krieg bricht nicht aus wie ein Naturereignis, er wird begründet und organsiert.)
- Konferenz in Permanenz (Laufende Diskurse)



