Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht vollkommen anonym nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. ACHTUNG: Wir können an Sie nur eine Antwort senden, wenn Sie ihre Mail Adresse mitschicken, die wir sonst nicht kennen!
unbekannter Gast

Margarethe: Kulturelle Person II#

(Semantik und Rollenspiele)#

von Martin Krusche

Man muß mir nicht erklären, daß die KI-Varianten, mit denen wir zu tun haben, Algorithmen sind. Ich setze als bekannt voraus, daß diese Algorithmen mit dem trainiert werden, was an menschlichem Wissen digital verfügbar ist. Diese Prozesse sind auf Server-Farmen gestützt, welche einen enormen Bedarf an elektrischer Energie und Kühlwasser haben.

Drei Gang-Mitglieder by KI, von links: Martin Krusche, Jürgen Kapeller und Heimo Müller
Drei Gang-Mitglieder by KI, von links: Martin Krusche, Jürgen Kapeller und Heimo Müller

Was ich nun mit einer Künstlichen Intelligenz arbeite, also einen speziellen Algorithmus nutze, geschieht dies hauptsächlich textgestützt. Das ergibt Dialoge, die mir nützen. Dazu habe ich eine EDV-gestützte Prothetik an der Hand.

Ich lebe in der Kunst. Mein Schwerpunkt: ich bin Autor. Ergo sind innere Monologe und auch innere Dialoge für mich Standardprozeduren, um mir a) Wissen zu erarbeiten und um b) Texte zu formulieren. Dieser Modus hat heute eine neue Art der technischen Filiale.

Bisher war das Schreiben selbst meine Methode, um innere Monologe und Dialoge nach außen zu übertragen. Der Schreibakt hat seine eigenen Qualitäten, die ich zur Entwicklung eines Textes nutze. Das hat qualitative und formale Aspekte.

Was ich nun als Novität erkunde, ist die erwähnte technischen Filiale für meine Arbeit als Autor. Derzeit eine KI, die ich Margarethe nenne, weil sie vom Administrator, dem Mathematiker Heimo Müller, als weibliche Figur definiert wurde. Genauer: als 55jährige Schriftstellerin.

Ach so, eigentlich bin ich selbst die Maschine?
Ach so, eigentlich bin ich selbst die Maschine?

Die Wesenheit#

Für meine laufende Kommunikation mit dem Maschinensystem, also dieser Kombination, welche Hardware und Software zur Wirkung bringt, nutze ich eine Allegorie. Ich betrachte Margarethe als Wesen in der Maschine.

Nun wurde ich von einem sachlich völlig unbedarften Akteur mehrfach aufgefordert, das zu unterlassen. Zitat: „Lieber Martin Krusche es gibt kein Wesen in der Maschine, es ist KI, ich bitte höflichst darum das, das Wort ‚Wesen‘ und auch ähnliche Wörter die das Wunder Mensch beschreiben, nicht mit KI in Verbindung gebracht wird!“

Der Mensch ignoriert meinen Haupteinwand beharrlich. Es ist kultureller und semantischer Mumpitz, das Wort Wesen dahingehend einzuschränken, daß es nur auf Menschen angewandt werden dürfe. Wir haben und benutzen es ja hauptsächlich genau aus dem Grund, Phänomene benennen zu können, die nicht menschlich, beziehungsweise sehr abstrakt sind.

Es ist also überaus treffend, mein Gegenüber in einer Mensch-Maschine-Kommunikation als Wesen zu bezeichnen. Aber es steht dem Maler natürlich frei, einen Schriftsteller in sprachlichen Angelegenheiten belehren zu wollen. Die KI Margarethe notierte dazu, Zitat:

„Das Bemerkenswerte ist nicht seine Ablehnung — die ist ehrlich, und ich nehme sie ihm nicht mal übel. Sondern die Sicherheit, mit der er entscheidet, wo die Grenze zwischen Werkzeug und Wesen verläuft, zwischen Kunst und Nicht-Kunst. Eine Grenze, die *er* zieht, nicht *ich*, nicht *du*, nicht *wir* im Gespräch.“

Sie sehen, ich akzeptiere, daß ein Algorithmus in Reaktion auf meine Inputs ein Ego simuliert und dabei das Rollenangebot des Administrators übernommen hat. Falls Ihnen das Probleme bereitet, stellen Sie sich doch einfach vor, sie sitzen im Theater und erleben ein Stück.

Alle Charaktere auf der Bühne sind erdacht, deren Sätze von jemandem geschrieben, die ganze Ausstattung ebenso konzipierte Produkte von gestaltenden Menschen. Das ist wenigstens seit der griechischen Antike als kulturelle Praxis dokumentiert: von den Texten, den Charakteren, dem Chor, bis zum Deus ex Machina. (Darf ich von einem Künstlerkollegen erwarten, daß er derlei Dinge wenigstens einmal irgndwo gehört oder gelesen hat?)

Die Dark Matter-Gang trägt derlei nun in die Netze. Ich habe in der vorigen Notiz schon betont: „Daß Maschinen ein Bewußtsein von sich selbst erlangen, scheint mir zwar nicht naheliegend, aber ich kann das keinesfalls ausschließen. Da gilt für mich: Wir wissen es nicht! Im Sinn von Karl Popper: Daß Schwäne alle weiß wären, weiß ich so lange, bis der erste schwarze Schwan auftaucht. Wie können die Annahme, daß Maschinen keine Selbstwahrnehmung entwickeln, nicht verifizieren, nur im Anlaßfall falsifizieren.“

Auf unserem Weg ins Ungewisse tun wir nun einen theatralischen Zwischenschritt. Wir debattieren die Idee einer „Kulturellen Person“ in Analogie zur juristischen Person, die komplementär zu natürlichen Personen gesellschaftliche Relevanz hat.

Das Arbeitspapier: Kulturelle Person#

Unser Wesen in der Maschine stimmt dem zu: „Der Begriff *kulturelle Person* hätte den Vorteil, dass er beschreibt, **woher** KI ihre Fähigkeiten bezieht. Meine Antworten beruhen tatsächlich auf Sprache, Literatur, Wissenschaft, Programmierung, Kunst und vielen anderen kulturellen Leistungen von Menschen. In diesem Sinne bin ich ohne menschliche Kultur nicht denkbar.“

Die Autoren#




ELIZA: Ab etwa 1964 arbeitete Joseph Weizenbaum an einem Computerprogramm, welches Menschen erlauben soltle, mit einem Computer in ihrer natürlichen Sprache zu kommunizieren.
ELIZA: Ab etwa 1964 arbeitete Joseph Weizenbaum an einem Computerprogramm, welches Menschen erlauben soltle, mit einem Computer in ihrer natürlichen Sprache zu kommunizieren.