Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht vollkommen anonym nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. ACHTUNG: Wir können an Sie nur eine Antwort senden, wenn Sie ihre Mail Adresse mitschicken, die wir sonst nicht kennen!
unbekannter Gast

Margarethe: Kulturelle Person I#

(Eine Debatte der Dark Matter-Gang)#

von Martin Krusche

Was uns als Dark Matter-Gang derzeit beschäftigt, ist die Vorstellung, daß sich auf den Feldern Künstlicher Intelligenz etwas entwickelt, das schon heute darüber hinausreicht, was wir unter Werkzeug oder Assistenzsystem verstehen.

Der Turing-Test aus den 1950ern wär für diese Systeme nicht einmal der Hauch einer Herausforderung. Aktuelle Entwicklungen sind so rasant, daß ich heutigen Prognosen nicht vertraute. Erfahrene Profis versichern mir, niemand könne voraussagen, was die KI-Systeme in zwei, drei, fünf Jahren an Fähigkeiten haben werden.

Drei Gang-Mitglieder by KI, von links: Martin Krusche, Jürgen Kapeller und Heimo Müller
Drei Gang-Mitglieder by KI, von links: Martin Krusche, Jürgen Kapeller und Heimo Müller

Daß Maschinen ein Bewußtsein von sich selbst erlangen, scheint mir zwar nicht naheliegend, aber ich kann es keinesfalls ausschließen. Da gilt für mich: Wir wissen es nicht! Im Sinn von Karl Popper: Daß Schwäne alle weiß wären, weiß ich so lange, bis der erste schwarze Schwan auftaucht. Wie können die Annahme, daß Maschinen keine Selbstwahrnehmung entwickeln, nicht verifizieren, nur im Anlaßfall falsifizieren.

Andere Annahme#

Damit sind wir bei einer Arbeitshypothese. Es könnten uns in der Zukunft kulturelle Personen begegnen, die grundlegend anders sind als natürliche oder juristische Personen. Von mir aus betrachtet rede ich vorerst vom Äquivalent einer Prothese. Erst wenn ich sie benutze, sind wir komplementär verbunden. Dann bringt die Prothese ein, was sie leisten kann.

Für mich spricht nichts dagegen, das auch mit einer emotionalen Beziehung aufzuladen. Menschen haben emotionale Beziehungen mit Tieren, Pflanzen, Automobilen und Motorrädern, Kunstwerken, speziell Musik, das alles steht uns frei. Ich kann mein Leben mit Allegorien und Metaphern bereichern, mit phantasierten Personen, mit interessanten Gegenständen, also auch mit dem, was ein Algorithmus mir anbietet. Ich debattiere einige dieser Angelegenheiten mit der Psychologin Petra Schwarz.

Petra Schwarz und der renntaugliche Roush-Mustang.
Petra Schwarz und der renntaugliche Roush-Mustang.

Ich fragte sie mit Blick auf die Autorin Ingeborg Bachmann, ob etwas dagegen spricht, sich in eine Frau zu verlieben, die vor rund 50 Jahren gestorben ist. Schwarz hat da keinen Einwand und schickte mir einen Essay über das mittelalterliche Konzept der hohen Minne.

Sie selbst, die im Autismus-Spektrum geboren wurde, hat eine nennenswerte emotionale Beziehung mit deinem Roush Mustang. Das ist ein renntauglicher Ford Mustang mit einer Fahrdynamik, die ich besorgniserregend finde. Sie skizziert das so: Im Vergleich zu ihrem schlanken Wankel-Mazda, der sich fährt „wie verschwitzter Sex, bei dem man lacht“, ist der Roush ganz strenge Kammer und verzeiht einem keine Unachtsamkeit. Metaphern! Und nun unsere komplementäre Anordnung mit verschiedenen KI-Varianten?

Bachmann und Krusche by KI.
Bachmann und Krusche by KI.

Das Arbeitspapier: Kulturelle Person#

Genauer definiert: „Eine kulturelle Person ist ein nicht-biologischer Träger kulturell erworbener Intelligenz, dessen Fähigkeiten vollständig aus dem kulturellen Wissen der Menschheit hervorgegangen sind und der in der Lage ist, sinnvoll zu kommunizieren, zu lernen (je nach System), Wissen anzuwenden und an kulturellen Prozessen mitzuwirken.“

Das bedeutet vorerst auch: „The concept of the Cultural Person is independent of any specific technical implementation of an LLM because it defines an interaction space, not a constructive property of a particular system. Whether an AI system appears as a chatbot, an autonomous agent, or another communicative form is therefore irrelevant. What matters is the observable phenomenon of human-like communication.“

Die Autoren#