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Der überaus seltenen Steyr VII im Originalzustand.
Der überaus seltenen Steyr VII im Originalzustand.

Glanzstücke#

(Die fast vergessene Automobil-Marke Steyr)#

von Lisl Mesicek

Es gibt sie als „Baby“ als „Transporter“ oder in der Luxusversion; und sie haben einen gemeinsamen Adelstitel: Steyr, heißt die Automarke, die die Herzen der Menschen bereits vor 100 Jahren höher schlagen ließ. Legendäre historische Fahrzeuge, die zwischen 1922 und 1938 in der Stadt an der Enns produziert wurden, sind seit 4. November in der Sonderausstellung „Steyr Automobile aus den Jahren 1922 - 1938“ im Oldtimer-Museum der Familie Fehr, in Wiener Neustadt zu sehen. (Bis zum 27. März 2022.)

In der größten privat organisierten Sonderausstellung in Österreich werden zwölf historische Pkw und ein historischer Kleinlastwagen präsentiert. Jeder hat seine Geschichte. So etwa der Steyr 50 Spezial mit Stahlschiebedach, der liebevoll als „Baby“ bezeichnet wurde. Oder der Steyr 150, der in den Filmen „Der Bockerer“ zum Filmstar wurde. Für die Ausstellung konnte das Originalfahrzeug organisiert werden. Mit der Luxusvariante des Steyr 530 wird eine Wagentype gezeigt, die auch der letzte österreichische Bundeskanzler der Zwischenkriegszeit, Dr. Kurt Schuschnigg, 1934-38 als Dienstwagen nutzte.

Karl Jenschke pur: der Steyr 100 mit demn Portaltüren.
Karl Jenschke pur: der Steyr 100 mit demn Portaltüren.

Die Initiative zur Sonderausstellung ging von den Familien Mesicek und Fehr aus. Die aus der Österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft (ÖWG) hervorgegangene Steyr Werke AG, später Steyr-Daimler-Puch AG, war in den 1920/30er Jahren Österreichs größter Automobilproduzent. Die große Palette an unterschiedlichen Fahrzeugtypen – sowohl Pkw als auch Nutzfahrzeuge – deckte den Bedarf privater sowie auch kommerzieller Ansprüche ab. Heute ist die Marke Steyr als Pkw-Produzent kaum mehr bekannt.

Das hat die Familien Fehr und Mesicek auf den Plan gerufen, mit der Präsentation der Zeitzeugen dieser industriell-historischen Epoche im Museum der Familie Fehr einen wichtigen Akzent zu setzen. Alle ausgestellten historischen Kraftfahrzeuge sind Leihgaben begeisterter Sammler von Pkws der Marke Steyr. Ein Großteil der präsentierten Fahrzeuge mußte durch Privatinitiative restauriert werden. Heute strahlen sie wieder im alten Glanz und sind „back on the road“!

Zeitzeugen einer Ära#

Die ÖWG in Steyr erweiterte nachkriegsbedingt ihr Produktionsprogramm Anfang der 1920er-Jahre mit dem Bau von Automobilen. Die Fahrzeuge der ÖWG hießen „Waffenauto“. In der Sonderausstellung ist ein solches Waffenauto, der Steyr IV mit dem typischen Spitzkühler, zu sehen. Aus den späten 1920er-Jahren - das Unternehmen wurde inzwischen auf Steyr-Werke AG umbenannt - stammen Ausstellungsstücke wie der Steyr VII und den Steyr XII. (Der Steyr XII war der erste Wagen, der am Fließband in Steyr produziert wurde und die Stückzahl von etwa 13.000 Exemplaren erreicht hat.)
Links hinten das Steyr Baby, im Vordergrund die Transporter-Version: der Steyr 150.
Links hinten das Steyr Baby, im Vordergrund die Transporter-Version: der Steyr 150.

Als 1934/35 die Fusionierung zur Steyr-Daimler-Puch AG erfolgte, war das auch die Geburtsstunde der Stromlinienform der Karosserien. Repräsentanten der Karosserieform „Stromlinie“ sind der Vierzylinder Typ 100 sowie die Sechszylinder Typen 120 Super, 125 Gläser Cabrio und 220, die in der Sonderausstellung zu sehen sind.

Erwähnenswert ist, daß die Type Steyr 100 in Form von Spezialfahrzeugen für die Inspektionsfahrten beim Bau der Großglockner-Hochalpenstraße verwendet wurde. Dem Forscher Dr. Max Reisch diente ebenfalls ein Steyr 100 – mit Spezialkarosserie – als Expeditionsfahrzeug für die „Österr. Transasien-Expedition“ in den Jahren 1935/36.

Der Steyr Typ 125 war ein wesentlicher Exportfaktor; es wurden 200 Stück nach Deutschland verkauft. Da der Typ 125 und der Typ 630 exklusive Fahrzeuge waren, wurden sie von der damals bekannten Karosseriefirma Gläser in Dresden individuell karossiert. Auch je ein Fahrzeug dieser Typen können wir in der Sonderausstellung zeigen.

Der große Wurf eines „Volkswagens“ gelang Karl Jenschke mit dem Steyr 50/55 im Jahr 1935, der liebevoll als „Steyr-Baby“ bekannt wurde und von dem mehr als 13.000 Stück hergestellt wurden. Leider wurde die Produktion vom Nationalsozialistischen System zu Gunsten des damals geplanten KdF-Wagens (später Volkswagen) eingestellt.

Die Sonderausstellung „Steyr Automobile aus den Jahren 1922 - 1938“ zeigt nicht nur legendäre historische Kraftfahrzeuge der Marke Steyr, sondern zeigt auch österreichische Technik-Geschichte und Innovationskraft in den schwierigen Jahren der Zwischenkriegszeit, als die Massen-Mobilität ihren Anfang nahm.

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Siehe zu diesem Beitrag auch: „Steyr Treffen 2021“ (Eine kleine Rückschau)! Das war der unmittelbare Vorlauf zu dieser Ausstellung. Da sehen Sie einige der hier genannten Fahrzeuge exponiert. Zum Expeditionsfahrzeug von Max Reich, dem adaptierten Steyr 100, siehe die Notizen von seinem Sohn Peter Reisch: „Reisch. Ein Rückblick“!

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