Akte Null#
von Mona LuminataIch komme, wenn etwas nicht mehr funktioniert.
Ich ziehe Handschuhe an.
Nicht wegen Keimen.
Wegen Distanz.
Nähe würde stören.
Heute:
Tatort System.
Opfer:
Menschlichkeit.
Mehrfach verletzt.
Chronisch.
Tatwaffe:
Gesetzestexte,
falsch angewendet.
Täterprofil:
Männer und Frauen in Büros.
Unauffällig.
Sauber.
Hass stabil unterdrückt,
aber vorhanden.
Ich lese das Protokoll.
Frage eins: Name.
Frage zwei: Herkunft.
Frage drei: Nationalität der Kinder.
Das ist kein Standard.
Das ist Motivsuche.
Zeugenaussage eines Beamten:
„Syrer haben wir auch viele.“
Viele.
So spricht man über Akten.
Nicht über Kinder.
Ich notiere:
Entmenschlichung festgestellt.
Die Kinder wurden nicht geschlagen.
Sie wurden sortiert.
Keine Gewaltspuren.
Nur Stempelabdrücke.
Klack.
Entscheidung getroffen.
Klack.
Familie getrennt.
Klack.
Verantwortung delegiert.
Ich sehe mir den Täter an.
Er sagt: „Ich folge nur dem System.“
Klassische Ausrede.
Haben wir schon immer gehört.
In jeder Epoche.
In jedem Prozess.
Das System hat kein Gewissen.
Die Täter schon.
Oder hatten.
Ich sichere Beweise:
Hass hinter Neutralität.
Macht ohne Kontrolle.
Angst, getarnt als Sicherheit.
Meine Einschätzung:
Wiederholungstat.
Solange dieselben Menschen
die Schlüssel behalten.
Empfehlung:
Entzug der Macht.
Austausch der Verantwortlichen.
Zugriff nur für Personen
mit nachweisbarer Absicht
zu schützen.
Ich schließe den Bericht.
Aber der Fall bleibt offen.
Und diesmal
steht es im Fokus der Ermittlungen.
Bericht Ende.