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Mama Sein. Anders. Aber immer Mama#

von Mona Luminata

Ich bin Mama.
Ich glaube, Mama sein ist die einzige Aufgabe
bei der man keine Ausbildung braucht und
trotzdem für alles verantwortlich ist.
Wie zum Beispiel:
„Mama, wo ist mein Schuh?“
„Mama, ich hab Hunger.“
Aber Mama weiß es trotzdem.
Der Schuh liegt unter dem Sofa.
Und Hunger haben immer genau die Kinder,
die vor fünf Minuten gesagt haben: „Ich bin satt.“
Mama.
Vier Buchstaben.
Für mich bedeutet es gleichzeitig Liebe, Chaos,
Lachen und Tränen und ungefähr hundertmal am Tag: „Ich vermisse euch.“
Kinder
Wann seid ihr bitte so groß geworden?
Ich war gerade noch damit beschäftigt,
euch die Schuhe anzuziehen.
Jetzt habt ihr schon Meinungen zum Fußball, von
denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt.
Das ist übrigens der Moment, in dem ich merke,
meine Kinder werden groß, die Zeit rennt los.
Täglich frage ich mich:
„Was habe ich alles verpasst?“
Ich habe euch nicht jeden Tag aufwachsen sehen können.
Das ist ein Satz, den ich eigentlich nicht sagen möchte.
Doch er gehört zu meiner Geschichte.
Ich bin eine Mama geworden, die anders Mama
sein muss.
Eine mit besonderen Superkräften.
Ich kann zum Beispiel aus 60 Kilometer Entfernung
spüren, wenn mein Kind traurig ist.
Dazu habe ich Erinnerungen, die meine Kinder
wahrscheinlich längst vergessen haben.
Und ich kann innerhalb von drei Sekunden
von „Ich hab euch lieb“ auf
„Wie geht es meinen Kindern eigentlich?!“ wechseln.
Auch das ist eine Superkraft.
Aber heute sitze ich nicht 60 Kilometer weit weg von
euch.
Ich bin hier.
In Arnfels.
Jetzt kommt der Teil, bei dem ich mir denke:
Das kann doch kein Zufall mehr sein.
Vor drei Jahren wart ihr drei, fünf und sechs,
Damals wusste ich noch genau, was meine Kinder gerade machen.
Heute seid ihr sechs, acht und neun.
Drei Jahre.
Drei Jahre sind vergangen ohne euch.
Ihr wurdet am 14. Februar, genau an Sarahs Geburtstag,
von Johnsbach nach Arnfels gebracht.
Ich sag euch etwas:
Wenn mir jemand damals gesagt hätte,
dass ich eines Tages hier stehen werde,
bei einem Poetry Slam,
und meine Kinder werden ein paar Minuten
entfernt wohnen und sogar hier dabei sein,
hätte ich wahrscheinlich gesagt:
„Der hat ja einen Vogel.“
Entweder hat das Leben eine wirklich
eigenartige Sprache oder es hat heute
ausnahmsweise ein richtig gutes Drehbuch
geschrieben.
Meine Kinder sind hier
sie können mir zuhören.
Ich stelle mir vor, wie sie später einmal sagen:
„Mama, weißt du noch, als du bei diesem
Poetry Slam warst?“
Und ich sage:
„Natürlich.“
Und ihr sagt:
„Du hast da über uns geredet.“
Und ich sage:
„Ja.“
Und ihr sagt:
„War das wirklich alles über uns?“
Und ich sage:
„Nein.“
„Manches war auch über meine grauen Haare.“
Denn die kamen irgendwann.
Ihr seid schließlich meine Kinder.
Ich habe euch lieb.
und wenn ich an euch denke,
denke ich an schöne Momente.
Und auch an die Diskussionen,
bei denen niemand mehr weiß,
worum es eigentlich ging.
Ihr kennt das:
Mama fragt:
„Warum hast du das gemacht?“
Sarah sagt:
„Weiß ich nicht.“
Mama fragt:
„Warum hast du es dann gemacht?“
Sahel sagt:
„Weiß ich nicht.“
Mama fragt:
„Und wer war das?“
Sohel sagt:
„Weiß ich nicht.“
ganz ehrlich:
Wenn ich euch drei irgendwann verhören
müsste, wäre ich nach fünf Minuten selbst die
Verdächtige.
Aber genau das fehlt mir so sehr.
Dieses:
„Mama!“
„Was?“
„Nichts!“
Und fünf Minuten später:
„Maaama!“
Mama.
Ihr könnt es weinen und auch singen.
Aber wie auch immer ihr es sagt:
Ich höre euch.
Nicht immer mit den Ohren.
Aber mit meinem Herzen immer.
Ich habe deshalb angefangen zu schreiben,
weil ich Sehnsucht nach euch hatte und so viele Dinge sagen wollte.
So wurden aus meinen Tränen und meinem
Schmerz Gedichte und Geschichten.
Und aus meiner Sehnsucht eine Stimme die heute vorliest.
Vielleicht denkt ihr:
„Mama, warum machst du das?“
Ganz einfach:
Weil ihr mir wichtig seid und weil ich möchte,
dass ihr irgendwann wisst: Ihr wart nie vergessen.
Nicht einmal einen Tag.
In meinem Leben wart ihr trotzdem immer da.
sogar in einem fremden Kindelachen auf der Straße, bei dem ich kurz dachte:
„Das klingt irgendwie nach euch.“
Jede Nacht, wenn alles ruhig war, dann war die Sehnsucht besonders laut.
Doch heute ist sie leise.
Ich darf euch etwas sagen,
was viel wichtiger ist:
Ich bin stolz auf euch.
Weil ihr so seid, wie ihr seid.
Perfekte Kinder wären nämlich langweilig.
Und perfekte Mamas gibt es sowieso nicht.
Ich möchte, dass ihr euch an Mama erinnert, die
euch liebt.
Die bestimmt nicht alles richtig gemacht hat,
aber niemals aufgehört hat, für euch zu kämpfen.
Jetzt habe ich nur noch eine Bitte:
Wenn ihr später nach Hause geht und euch jemand fragt:
„Wie war der Poetry Slam?“
sagt bitte nicht:
„Mama war peinlich.“
Obwohl…
Wahrscheinlich werdet ihr das sagen.
Und wisst ihr was?
Das ist okay.
Irgendwann werdet ihr großer sein.
Und vielleicht denkt ihr dann zurück
an diesen Abend
und sagt: „Unsere Mama war anders.“
Also ihr drei.
Ihr seid das Schönste, was mir jemals passiert ist und das Wertvollste was ich habe.
Ich liebe euch.