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Eine Arbeit von Radenko Milak im „Kulturraum“.
Eine Arbeit von Radenko Milak im „Kulturraum“.

Endorphin-Maschine: Das Feiertags-Bündel#

(Mehrere Arten Kultur beisammen)#

von Martin Krusche

Ich weiß, unser Kulturbegriff wird vielfältig befrachtet. Das ist für allerhand Beliebigkeiten gut. Aber der Unterschied macht den Unterschied. Da trifft es sich, wenn an einem sonnigen Feiertag kontrastreiche kulturelle Aspekte gebündelt erscheinen. Ich freu mich, wenn ich das einfangen kann.

In der Weizerstraße Nr. 4 haben wir für den Archipel Gleisdorf gerade einen temporären Kulturraum aufmachen können. Dort gehen wir derzeit der Frage nach: Wie kam die Fotografie in die Oststeiermark? (Und wie steht das mit der Malerei in Wechselwirkung?) Unmittelbar daneben wird ein Stück gehobener Eßkultur angeboten, nämlich vorzügliches Speiseeis im Salon „Reina“. (Darunter Sorten, die mich verwirren.)

Das sorgt an schönen Tagen für nennenswertes Publikumsaufkommen, weshalb sich dort öfter eine Menschenschlange bildet. (Sicher nicht zum Nachteil unserer Fenstergalerie.) Aber mein Blick war beim Näherkommen von einem Stück gelber Lackfläche angezogen. Ich durfte mit einem interessanten Fund rechnen. So war es dann auch.

Kontraste und Konventionsbrüche#

Zwischen geparkten Fahrzeugen ein blendend erhaltener 924er. Einst der große Schock für Puristen. Damals erstmals ein wassergekühlter Frontmotor in einem Porsche, dazu ein Transaxle-Antrieb. Also das Getriebe nicht vorne am Motor, sondern hinten an der Achse. (Da haut es dem Traditionsschützer das Blech weg!) Garantiert ein Vorteil für die ausgewogene Gewichtsverteilung zwischen den beiden Achsen. Und in der Linienführung hatte Porsche-Designchef Anatole Carl Lapine der Fangemeinde nichts geschenkt.

Bild 'mythos_puch2618b'
Bild 'mythos_puch2618c'

Immerhin, dieser 924 ist Baujahr 1977, hat also rund 50 Jahre auf dem Tacho, ohne heute antiquiert zu wirken. (Aber versuch einmal, passende Ersatzteile für die Klappscheinwerfer zu bekommen.) Ergo ist dieses Exponat einer Volkskultur aus der technischen Welt für mich ein Glückstreffer. Es braucht allerhand Hingabe, so einen Klassiker in der Verfassung am Laufen zu halten.

Der Blickwinkel#

Daher hab ich eine Position gesucht, die alles ein wenig zusammengefaßt erscheinen läßt. Den Porsche, den Eissalon, unseren Kulturraum… Dazu bot sich die nahe Großbaustelle an. Toller Blickwinkel auf die Szene von jener höheren Etage in einem komplexen Wunder der Planung und Umsetzung. Ich finde es einschüchternd, was an so einem Häuserkomplex alles bedacht und bearbeitet werden muß. Das kann man am besten sehen, wenn erst der Rohbau steht.

Bild 'mythos_puch2618d'
Bild 'mythos_puch2618e'

Freilich kein Kunstwerk, sondern angewandte Kunstfertigkeit. Ich bin sehr vergnügt, wenn ich so einen Palast in aller Stille eine Weile ganz für mich haben kann, wenn nur meine Schritte zu hören sind, wo sich Helle, Halbdunkel und Finsternis abwechseln. Sie ahnen nun gewiß, ich muß selbst kein exquisites Auto besitzen, kein großes Haus, keine blendende Liegenschaft. Es erfreut mich, wenn ich mit solchen Dingen zu tun haben kann.