Endorphin-Maschine: Corrida#
(Das Endorphin-Festival)#
von Martin KruscheNach seiner Spanienreise erzählte mir Richard Mayr von den bewegenden Eindrücken, die er bei einer Corrida gewonnen hatte. Natürlich mit der Kamera in Händen. Das legt die Assoziation mit einer der markantesten Endorphin-Maschinen des vorigen Jahrhunderts nahe.
Das spanische „Miura es una ganadería de toros de lidia…“ bedeutet auf Deutsch: „Miura ist ein Rinderzucht-Betrieb für Kampfstiere”. Don Eduardo Miura Martínez war mit Ferruccio Lamborghini befreundet. Klingelt nun etwas?
Designer Marcello Gandini hatte im November 1965 den fulminanten Giorgetto Giugiaro im Haus Bertone abgelöst. Als er das Aussehen des Lamborghini Miura schuf, war er Anfang 28. Der unverwechselbare Supersportler mit dem quer eingebauten V12-Mittelmotor kam 1966 auf den Markt, wurde bis 1975 gebaut. Er zählte zu den Schnellsten seiner Art.
Ferruccio Lamborghinis Unternehmen basierte ursprünglich auf der Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen. (Lambo-Traktoren findet man auch bei uns in der Oststeiermark noch gelegentlich im Einsatz.)
Die Legende besagt, Lamborghini habe 1958 in Maranello einen Ferrari 250 GT gekauft. Er war mit technischen Details nicht zufrieden, schließlich auch mit den Reaktionen von Enzo Ferrari auf seine Ansprüche. Das habe ihn bewegt, selber Sportwagen zu bauen.
Weit plausibler ist die Annahme, er habe sein Faible für Supersportler eingesetzt, um PR für seine Traktoren zu generieren. Zu all dem paßt freilich das Gerücht, der überaus populäre Frank Sinatra habe gesagt: „Du kaufst einen Ferrari, wenn du jemand sein willst, du kaufst einen Lamborghini, wenn du jemand bist.“
Jenseits dieser schrulligen Geschichtchen kam - wie oben angedeutet - die „Ganadería sevillana de Miura“ ins Spiel, der Rinderzucht-Betrieb des Don Eduardo Miura Martínez, der sich auf Kampfstiere spezialisiert hatte. Die Freundschaft zwischen den beiden Männern hatte zur Folge, daß nicht alle, aber etliche Lambo-Modelle nach berühmten Stieren benannt wurden.
Dieses Motiv ist ein Angelpunkt unserer Erzählung. Das stärkste Landtier unseres Lebensraumes war in der kastrierten Form - als Ochse – über Jahrtausende ein Inbegriff von Zugkraft und somit das Ochsengespann ein fundamentales Element unserer Mobilitätsgeschichte.
Kulturell finden sich etliche europäische Beispiele, worunter der Kretische Stier und sein Sohn Minotaurus vermutlich die prominentesten Versionen sind. Es gab einen Sport, bei dem man über den Rücken des Stieres gesprungen ist (Taurokathapsia), allerhand Varianten des Stierkampfes, denen etwa ein Encierro vorausgeht. Das ist ein Stiertreiben in den Gassen eines Ortes, dem sich Männer aussetzen.
Aus solchen Motiven entstand gelegentlich auch Weltliteratur, wie Ernest Hemingways Roman „Fiesta“. All dem stehen Tierschutz-Aktivitäten gegenüber, bei denen „Tradition“ unter Anführungszeichen steht, um gegen dieses Brauchtum mobil zu machen. Eine deutliche Parallele zu ökologisch begründeter Kritik am Automobilwesen.
Wir haben es hier also mit einem weiten Themenfeld zu tun, auf dem sich Menschen einerseits aus praktischen Gründen (Alltagsbewältigung), andererseits aus kultischen oder obsessiven Gründen mit kraftvollen Tieren und Maschinen entweder verknüpfen oder auseinandersetzen.
- Corrida (Episode IV: Endorphin-Festival)
- Mythos Puch #11 (Endorphin-Maschine)

