Endorphin-Maschine: Das Bestiarium#
(Totem-Tiere)#
von Martin KruscheKönnen Sie diesen Stier auf dem Eise-Foto zuordnen? (Fans können das gewiß.) Steht in der gleichen Fetisch-Galerie wie die Cobra und die Viper. Daneben bäumt sich ein italienisches Pferd auf (Cavallino Rampante), dort ist es ein amerikanischer Mustang. Dann, etwas weniger exotisch, immerhin ein Bronco.
Sagt Ihnen Triumph Tiger etwas? Da mag es einem dämmern. Viele Menschen finden es ansprechend, wenn ein markantes Kraftfahrzeug mit einem als mächtig oder gefährlich angesehen Tier assoziiert wird, um sich dann selbst mit diesem Fahrzeug in Beziehung zu setzen. Markantes Beispiel: De Tomaso Pantera, der Panther; unverwechselbar.
Von bissig bis lieblich#
Gut, zugegeben, der Ford Puma ist nicht gerade eine Kampfmaschine, sieht auch keineswegs angriffslustig aus. Dagegen bietet Jaguar ein paar andere Varianten auf. Der deutsche Käfer und die französische Ente müssen keine großen Gesten abliefern. Das italienische Mäuschen (Topolino) so wenig wie der Panda. Spider (Spinne) ist eine Karosserieform. Da kann schon was Muskulöses dabei sein. Und ein Schafbock (englisch: Ram) vermag einen locker umzunieten.Der deutsche Manta (Teufelsrochen) ist freilich nicht einmal halb so spektakulär wie der amerikanische Stingray (Stachelrochen). Und den Tarpan identifiziert bei uns vermutlich kaum jemand als Wildpferd, beziehungsweise als polnisches Allradfahrzeug. Mit Haflinger und Pinzgauer sind wir freilich vertraut. Die werden vermutlich auch von Menschen, denen Autos ziemlich egal sind, als Geländefahrzeuge gedeutet.
Wie also manche indigene Völker Totem-Tiere haben, mit deren Kraft sie sich symbolisch und emotional verbunden fühlen, so kommt das bei uns in diesem Genre vor. Das Fahrzeug als Fetisch, mit dem sich Menschen demonstrativ assoziieren und zeigen. Apropos Totem-Tier! Genau das ist natürlich mit dem Ford Thunderbird gemeint. So auch mit dem Pontiac Firebird. Daneben geradezu lieblich: die japanische Feldlerche (Skylark). Oder ein leichtfüßiges Impala, eine Antilope als Symbol für den deutlich schwerfälligeren Chevy.
Kulturelle Deutung#
Die elfte Folge von „Mythos Puch“ ist heuer diesem Fetisch-Thema gewidmet: „Die Endorphin-Maschine“. Das meint, unter uns finden wir Menschen, welche mit leblosen Gegenständen sehr intensive emotionale Beziehungen haben und das entsprechend leben, was auch neurologisch in den Körpern darstellbar ist.Zu all dem gehört eine Art des subkulturellen Bestiariums, das sich in Stahl, Chrom, Lack und Leder zeigt, ebenso in Wanderlegenden. Etliches davon ist definitiv rollendes Kulturgut von hohem Wert. Wir bearbeiten das im „Archipel“ derzeit auf zwei Ebenen. In „Corrida“ (Endorphin-Festival) und „Gezeiten“ (Ufer und Uferlosigkeit)
- Mythos Puch #11 (Endorphin-Maschine)






