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Petra Schwarz und der Roush Mustang.
Petra Schwarz und der Roush Mustang.

Die Corrida: Massive Mehrdeutigkeit#

(Euphorie und Flow)#

von Martin Krusche

Ob Menschen sich mit Tieren oder mit Maschinen messen, ob sie sich wahlweise jeweils mit deren Kräften verknüpfen oder dagegen angehen, so oder so ist das mit radikalen menschlichen Zustandsänderungen verbunden; physiologisch, mental, kognitiv.

Was solcher Vorgänge in der menschlichen Körperchemie verursachen, läßt in etlichen Beispielen die Grenzen zur Gewalttätigkeit unscharf werden. Eben deshalb habe ich für „Mythos Puch XI“ diese Zusammenschau vorgenommen. Hier einerseits der Stierkampf, wie ihn Richard Mayr in seinen Fotos zeigt. Stress und Gewalttätigkeit bei Mensch und Tier.

Da andrerseits die intensive emotionale und physiologische Verbundenheit von Psychologin Petra Schwarz mit diesem Roush Mustang, einer Maschine, einem renntauglichen Automobil. Wenn die neurodivergente Frau in einem Geschwindigkeitsbereich fährt, den ich lieber meide, auf hoher Drehzahl ihre Runden zieht, bedeutet das nicht Chaos und Stress.

Es bedeutet eine Art von Ruhe, Fokussiertsein, von Flow. Sie erlebt damit eine ungetrübte Lebendigkeit und Freude, die sich durch kein anderes Vorgehen einstellen. Dagegen bleibt der Stierkampf ein Spiel von Bedrohung und Gewalttätigkeit. (Da wir dort ganz offenkundig Euphorie und Flow.)

So ist es vermutlich kein Zufall, daß diese Motive in einigen motorisierten Subkulturen verknüpft, auch symbolisch inszeniert werden. Wir finden derlei Motive in allerhand Varianten sogar bei der Befragung unserer Kunstgeschichte.

Mutmaßungen über Ursprünge#

Ich fasse kurz zusammen. Auf einem Blatt der Menschheitsgeschichte steht, daß die Evolution uns durch Empathie und Kooperation äußerst erfolgreich werden ließ. Auf vielen anderen Blättern finden sich irritierende Formen von Gewalttätigkeit vermerkt, die der Spezies eigentlich nicht zum Vorteil gereichen.

Das ist auf dem alten Kontinent spätestens durch die rätselhaften neolithischen Massaker evident, zu denen es auch auf österreichischem Boden eines der markanten Massengräber gibt; im Gebiet des Ortes Schletz (Asparn an der Zaya).

Per Zeitmaschine und KI-gestützt zu einem Plauderstündchen mit Ingeborg Bachmann
Per Zeitmaschine und KI-gestützt zu einem Plauderstündchen mit Ingeborg Bachmann

Zu den Belegen dieser Art („The Early Neolithic massacre-related mass grave“) kennen wir bisher keine älteren Beispiele für derart exzessive Gewaltausübung. Bei Archäologie online findet sich eine frappierende Skizze, bezogen auf eine Arbeit von Christian Meyer, Christian Lohr, Detlef Gronenborn und Kurt W. Alt, wobei es u.a. heißt: „The Neolithic was a time of profound change in Central Europe“.

Zitat Archaeologie online: „Gefunden und mit anthropologischen Methoden ausgewertet wurden neben verschiedenen Knochenverletzungen durch Pfeile auch zahlreiche massive Verletzungen an Schädel, Gesicht und Zähnen, die den Opfern teils auch kurz vor oder nach dem Tod zufügt wurden. Zudem wurden ihnen sämtliche unteren Gliedmassen – Waden und Schienbeine – systematisch gebrochen, was auf Folterungen und vorsätzliche Verstümmelungen durch die Angreifer schliessen lässt. Dass kaum Skelette von jungen Frauen gefunden wurden, deutet darauf hin, dass diese nicht an den Kämpfen beteiligt waren und allenfalls an einen andern Ort verschleppt wurden.“ (Quellen am Seitenende!)

Mich beschäftigen in diesem Projektabschnitt also Gewalttätigkeit, Gewaltverherrlichung, aber auch andere Formen riskanter Kräftespiele, um in „Altered States“ zu wechseln. All das kommt in unserer Kultur- und Sozialgeschichte in einem Übermaß vor.

Genau da sehe ich auch eine Schnittstelle zu meiner aktuellen Befassung mit den Ereignissen rund um den 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Ihre Biographie hat Sequenzen, die ich für Beispiele in solchem Sinn verstehe. Ich meine die Bachmann’sche Einlassung auf Kräftespiele, für die sie als 47jährige mit ihrem Leben bezahlen mußte. Siehe dazu: Gezeiten (Ufer und Uferlosigkeit)!



Weiterührend#