Episode 70: Wesen#
(Andrea Habeler)#
Von Martin Krusche#
Bildhauerin Andrea Habeler ist in Kunst und Handwerk gleichermaßen zuhause; übrigens auch in der Musik. Sie finden derzeit im „Kulturraum“ (Weizerstraße 4) eines von ihren „beweglichen Wesen“, die Theaterfigur „Igor“. Diese ist, wie auch die hier gezeigte „Krah“, so gefertigt, daß sie von einer Puppenspielerin geführt werden kann. Im Kontrast dazu die Fotos eines Selbstportraits, von Habeler erst in Ton modelliert, 2024 als Gipsguß mit verlorener Form umgesetzt.
Diese Stationen sind einigen Zusammenhängen gewidmet, welche allgemein heute meist nur wenig Beachtung finden. Das europäische Puppentheater hat seit dem 17. Jahrhundert eine prägende kulturelle Funktion. Es war unter anderem auch ein Medium für klassische Theaterstücke; nicht als Parodie, sondern als ernst gemeintes Angebot in der Provinz. In Europas Mythologie finden sich von Menschen erschaffene Wesen, die lebendig wurden, seit der Antike.
Dann wäre da noch aus der jüngeren Vergangenheit das „Story Paradox“ erwähnenswert. Fritz Heider und Marianne Simmel zeigten in ihrer Forschung 1944, wie sehr wir Menschen geneigt sind, auf allerhand Eindrücke als „storytelling animal“ zu reagieren und leblose Gegenstände als beseelte Wesen zu deuten. Unsere menschliche Liebe zum Geschichtenerzählen läßt uns Puppen lebendig erscheinen. Eine erstaunliche Wechselwirkung, die sich wohl auch in der Rezeption von Kunstwerken deutlich bemerkbar macht.
- Die Episoden (Slot II)
- Andrea Habeler: Ein Wesen (Eine Erkundung)


