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Transit: Frauenarbeit#

(Die Care-Arbeit an der Schwelle zum Jenseits ist weiblich)#

von Martin Krusche

Unsere Kultur zeigt uns bei vielen Gelegenheiten, auf welche Arten Rollenzuschreibungen materialisiert und tradiert werden. Mir ist bei meinen Rundgängen auf Friedhöfen aufgefallen, daß zwar gelegentlich Statuen von Männern vorkommen, die meisten Figuren aber ein weibliches Aussehen haben. Ich meine jene, die den Toten quasi dienstlich zur Seite gestellt wurden.

Von diesem Teil der Betrachtung habe ich den Gekreuzigten natürlich ausgenommen. Jesus ist bei den Gräbern das dominante Symbol in der Darstellung eines Gottesbildes. Bei seiner Mutter verhält es sich ein wenig anders. Sie ist an der Schwelle zwischen hüben und drüben tätig.

Maria hat – im Gegensatz zu Jesus – nun einige sehr irdische Funktionen, die in unserer Kultur gerne als „weiblich“ verstanden werden, als Domäne von Frauen. Als Pietà ist sie ein Monument des Mitleids und der Inbegriff einer Trauernden in letzter Fürsorge um den Angehörigen. Darstellungen von trauernden Männern habe ich bisher noch kaum gesehen. (Meist bei Kriegsdenkmälern.)

In manchen Kreisen wird Maria als Miterlöserin verstanden. Sie gilt als eine Mittlerin zwischen den Menschen und Gott. Naheliegend, daß man sie in dieser Aufgabe auf einem Friedhof häufig zu sehen bekommt, auch zu Füßen des Kruzifixus. Maria hat hier eindeutig einen hohen Anteil an Care-Arbeit zu leisten.

Dann wären da noch zahlreiche Engelsfiguren, deren leibliche Erscheinung eindeutig weiblich ist, falls sie nicht als kindliche Putti auftreten. Und das, obwohl die Engel im Christentum als Boten und als höhere Wesen keinem Geschlecht zugeordnet sind. Auch sie, für uns Menschen vor allem nützend und uns schützend, werden also in den Darstellungen nicht nur, aber vorzugsweise weiblich gezeichnet.

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Schließlich Frauenfiguren als begleitende Wesen, gewissermaßen als Allegorien der Trauer, vielleicht auch als Tröstende für die Toten, somit in einer deutlich emotionalen Funktion auf den Übergängen zwischen Diesseits und Jenseits. (Friedhof Gleisdorf)

Das erinnert mich an eine handschriftliche Notiz meiner Großmutter Cäcilia. Als ihre Sohn, mein Vater Hubert, schwer verwundet und verkrüppelt aus dem Krieg heimgebracht wurde, schrieb sie: „Nur wenn du elend bist, gehörst du mir.“



Postskriptum#

Dazu noch ein paar vatikanische Zeilen aus der „Lehrmäßige Note zu einigen marianischen Titeln, die sich auf das Mitwirken Marias am Heilswerk beziehen“. Sätze aus der Einleitung zu einem Text des Präfekten Víctor Manuel Kard. Fernández. Zitat: „Die aus ihrer Mutterschaft herrührende Verehrung Marias wird hier als Schatz der Kirche dargestellt. Die Verehrung des gläubigen Volkes Gottes, das in Maria Zuflucht, Kraft, Zärtlichkeit und Hoffnung findet, soll mit diesen Betrachtungen nicht korrigiert, sondern vielmehr zur Geltung gebracht, bewundert und gefördert werden, da sie ein mystagogischer und symbolischer Ausdruck einer evangeliumsgemäßen Haltung des Vertrauens auf den Herrn ist, die der Heilige Geist selbst in den Gläubigen frei hervorruft.“

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