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Gleisdorf, 2026, 80 x 110 cm, Acryl auf ungrundierter Baumwolle
Gleisdorf, 2026, 80 x 110 cm, Acryl auf ungrundierter Baumwolle

Zeit.Raum, Slot I, Vol. 67#

Innere Landschaften und Sehnsuchtsorte#

(Eine Art geistige Heimat)#

von Monika Lafer

Sowohl im Alltag als auch im künstlerischen Schaffen wird mitunter von Sehnsuchtsorten gesprochen. Im täglichen Erleben ist dies oft ein Ort, an den wir geistig entfliehen, um Kraft zu tanken oder Frieden zu suchen.

Merkmale eines Sehnsuchtsortes sind emotionale Bindung (man verknüpft damit positives Erleben), Unerreichbarkeit (es geht um Erwartungen, wie man sich ein vollkommenes Leben vorstellt) und die Funktion eines psychologischen Wegweisers (man sieht, was im aktuellen Leben fehlt und hilft, eine wünschenswerte Zukunft zu gestalten).

Innere Landschaften (etwas anderes als Sehnsuchtsorte, wie ich meine) waren in der Bildenden Kunst immer vorhanden (man denke an die Bilderwelten von Hieronimus Bosch).

Ich als Bildende Künstlerin unterscheide zwischen Sehnsuchtsorten und Inneren Landschaften. Sehnsuchtsorte haben für mich meist einen konkreten geografischen Ausgangspunkt: Ein Ort, der mich berührt hat und den ich möglicherweise idealisiert und zum Malen aufgesucht habe. Ein Platz, wo Frieden spürbar wurde. Diese Sehnsuchtsorte sind für mich etwas Vergängliches: Entweder ändert sich die Sehnsucht (Glückwunsch! Das zeigt meist eine Weiterentwicklung) oder der Ort (ein Geheimtipp in der Natur wird zu einem Touristenmagnet).

Innere Landschaften sind für mich kein konkreter geografischer Ort, aber es gibt einen gemeinsamen Nenner, der in den Bildern sichtbar wird. Es ist eine Art geistige Heimat, die mir seit Beginn meiner künstlerischen Tätigkeit bekannt ist. Anfangs kannte ich diesen Bereich freilich nur schemenhaft, aber im Rückblick war festzustellen, dass es in den gelungenen Werken immer diesen einen gemeinsamen Nenner gab.

In meinem Fall sind das ganz klar benennbare Stimmungen in der Natur mit bestimmten Pflanzenstrukturen.

Selbstverständlich gibt es einen Ursprung dieser inneren Landschaften: In meinem Fall war es ein positives Erlebnis in jungen Jahren – nämlich im Sitzen als Kind in sehr hohem Gras. Während mein Bruder eine üble Gräserallergie entwickelte und wir beide ordentlich ausgeschimpft wurden, das wertvolle Futter unserer Rinder flachzutreten, fühlte ich mich hier trotzdem einfach wohl. Es war also kein Ort des Friedens (der Aufenthalt zog Hausarrest nach sich), aber es gab hier etwas, das in meinem Inneren auf Resonanz stieß.

Und offenbar wollen diese Gräserlandschaften immer wieder variantenreich formuliert werden.



Kontext#