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Kaiserin Elisabeth von Österreich – Eine merkwürdige Monarchin#

Von Ernst Zentner

Kaiserin Elisabeth als Königin von Ungarn
Kaiserin Elisabeth als Königin von Ungarn; Georg Martin Ignaz Raab, 1867; Hofburg, Wien - Foto:?, Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Kaiserin Elisabeth auf Korfu
Kaiserin Elisabeth auf Korfu, Pastell von Friedrich August Kaulbach (1850–1920), vor/nach 1898; Bundesmobilienverwaltung - Foto: Wikimedia Commons - Gememeinfrei

Die Ehefrau Kaiser Franz Josephs wurde als Tochter des Herzog Maximilian in Bayern und der bayerischen Königstochter Maria Ludowika am 24. Dezember 1837 in München geboren. Elisabeth und sieben weitere Geschwister wuchsen fern vom Münchner Hof und in einem liberalen bürgerlichen Klima auf.
1853 reiste Elisabeth im Alter von 15 Jahren zur kaiserlichen Sommerresidenz in Bad Ischl. Dort hätte der junge Kaiser Franz Joseph die Verlobung mit Elisabeth älterer Schwester Helene feiern sollen. Die Verbindung wurde von Ludowikas Schwester Erzherzogin Sophie arrangiert. Allerdings verliebte sich der Kaiser in die unbefangene 15-Jährige. Zum Ärger der Kaiserinmutter Sophie, die die Verlobung ihres Sohnes mit der bayerischen Prinzessin akzeptieren musste. 1854 fand in der Wiener Augustinerkirche die Trauung statt.

Kaiserin Elisabeth von Österreich, 1856
Kaiserin Elisabeth von Österreich, nach Anton Einsle, 1856; Standort? - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

1855 brachte sie ihr erstes Kind zur Welt, eine Tochter namens Sophie, die nur zwei Jahre alt wurde. 1856 kam eine zweite Tochter, Gisela zur Welt. Nach zwei Jahren kam der ersehnte Thronfolger Rudolf. Nahezu zehn Jahre vergingen. Zwischen Elisabeth und Franz Joseph bestanden ernsthafte Eheprobleme. Endlich 1868 gebar sie ihr viertes Kind, Marie Valerie, bekannt als "ungarisches Kind". Die Geburt fand in der Ofener Burg (Budapest) statt. Die Kaiserin bestand darauf, dass Marie Valeries Erziehung in ungarischer Sprache erfolge. Das Kind war ein Geschenk an das Königreich Ungarn, zehn Monate nach der Königskrönung Franz Joseph geboren.
Von Anfang an fühlte sich Elisabeth am Wiener Hof unwohl. Der Wiener Hof wurde von ihrer Schwiegermutter Erzherzogin Sophie dominiert. Die ersten Jahre waren von quälender Einsamkeit und gesundheitlichen Missstimmungen geprägt. Elisabeth protestierte, weil ihr die Erziehung des Thronfolgers nicht zugetraut wurde. 1859 verließ sie den Kaiser und beide Kleinkinder. Sie entschied in Einsamkeit auf Madeira, Korfu und in Venedig zu leben. Zwei Jahre später kehrte sie gestärkt an den Wiener Hof zurück und setzte sich gegen anachronistische Ansichten durch. Politisch bedeutende Entscheidungen waren die Erziehung Rudolfs im liberal-bürgerlichen Geist und die Aufwertung des Königreiches Ungarn. 1865 setzte die Kaiserin ihrem Ehemann ein Ultimatum. Sie forderte einen Wechsel von der strengen militärischen Erziehung zur liberal-bürgerlichen Erziehung bis zur Mündigkeit. Das kam einer Revolution gleich. Der erwachsene Thronfolger Rudolf wurde die Verkörperung des Liberalismus am Wiener Hof.
1866/1867 nutzte die Kaiserin die Zuneigung ihres Ehemannes, um die Ungarn zu bevorzugen. Der ungarische Ausgleich wurde durch die Erhebung Kaisers Franz Josephs zum König von Ungarn – Krönung in Budapest – unterstrichen. Allerdings wurden die Böhmen benachteiligt. Dagegen aber widerfuhr dem liberalen Geist im Gesamtreich ein Widerhall. Die Beweggründe dürften wohl in der Zuneigung zum ehemaligen 1848-Revolutionär und nachmaligen ungarischen Ministerpräsidenten Graf Gyula Andrassy zu sehen sein. Inzwischen wird Elisabeth – Erzsébet – in Ungarn bis heutet geachtet. Unter anderem gibt es Denkmale, etwa in Schloss Gödöllő, oder in Budapest die Elisabeth-Brücke (Erzsébet hid). Kaiserin Elisabeth trug den Titel Apostolische Königin von Ungarn. In den 1860er Jahren galt Kaiserin Elisabeth als schönste Monarchin weltweit. Der deutsche Maler Franz Xaver Winterhalter schuf drei romantische Porträts. Die Kaiserin mit ihren wallenden dunklen langen Haaren, die mit den Edelweiß-Sternen verziert sind, dominiert auf diesen Gemälden.
In den 1870er Jahren galt die Kaiserin als weltbeste Reiterin. Sie trainierte wie eine Hochleistungssportlerin. In den Kaiserappartements der Hofburg existieren Gymnastikgeräte. Altersbedingte Gebrechen beendete die Ausübung des Reitsportes. Schließlich entdeckte sie die Poetik. Als Vorbild nahm sie "Meister" Heinrich Heine. Ihre Gedichte durften erst im 20. Jahrhundert veröffentlicht werden.
Die Kaiserin versuchte sich als Person statt als Monarchin zu profilieren.
Aus der Politik hatte sie sich zurückgezogen.
Elisabeth verachtete die monarchische Staatsform als unzeitgemäß und als "Ruine". Sie legte auf Pflichten einer Kaiserin keinen Wert und wollte nur "Selbstverwirklichung." Ihre sprichwörtliche Schönheit ließ den Verwaltungsapparat des Wiener Hofes hinter sich.
Sie war eine gebildete Frau. Sie beherrschte Ungarisch und lernte perfekt Griechisch. In reiferen Jahren interessierte sie nur mehr die Welt des alten Griechenland. Ihrem Lieblingshelden Achill widmete sie auf Korfu, das eigens errichtete Schloss Achilleion. Der Kaiser versuchte seine "Sisi" in Wien zu halten, indem er ihr die Lainzer Hermesvilla als "Schloss der Träume" (1882-1886) schenkte.
Das Drama von Mayerling 1889 schockte sie dermaßen, dass sie einer wandelnden Mater Dolorosa gleich nur mehr in schwarz kleidete und blieb den Hof fern. Sie unternahm weite Reisen, vor allem nach Griechenland.
Die Kaiserin unternahm seit Jahrzehnten Hungerkuren. Dazu entwickelte sie einen aggressiven Bewegungsdrang. Unternahm kräfteraubende Wanderungen. Dazu kamen Hungerödeme und extreme Niedergeschlagenheit bis zu Selbstvernichtungsfantasien. 10. September 1898: In Genf verübte der Anarchist Lucheni als Gegner der monarchischen Prinzipien mit einer Feile eine Stichattacke auf die lebensmüde Kaiserin. Sie verstarb 61-jährig und wurde in der Kapuzinergruft neben ihren Sohn Rudolf beigesetzt.


Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe ihn nur geschrieben, weil die "Sissi"-Filme mit Romy Schneider - sowie andere Produktionen - auf mich nicht seriös wirkten.

Quellen (nur bloße Auswahl)

  • Egon Caesar Conte Corti: Elisabeth, "die seltsame Frau". Nach dem schriftlichen Nachlass der Kaiserin, den Tagebüchern ihrer Tochter und sonstigen unveröffentlichten Tagebüchern und Dokumenten. Augsburg 2003
  • Brigitte Hamann: Elisabeth. Kaiserin wider Willen. Piper, München 2004
  • Gabriele Praschl-Bichler: Kaiserin Elisabeth. Mythos und Wahrheit. Wien 1996
  • Elisabeth von Österreich. Einsamkeit, Macht und Freiheit. 22. März 1986 bis 22. März 1987. Hermesvilla, Lainzer Tiergarten. Historisches Museum der Stadt Wien (Wien Museum) 1986 (Ausstellungskatalog)
  • Elisabeth, Kaiserin von Österreich/AEIOU
  • Elisabeth von Österreich-Ungarn/AustriaWiki

Verfilmungen (nur Auswahl)

  • "Sissi"-Trilogie (mit Romy Schneider, AUT 1955-57)
  • "Ludwig" (u. a. Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth, I/GER 1972)
  • "Mayerling" (u. a. Ava Gardner als Kaiserin Elisabeth, GB/FRA 1968)

Außerdem

Kaiser Franz Joseph I.

Copyright Ernst Zentner 1987? / aktualisiert 2020