Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast

Kommt, wir gehen nach Bethlehem ... - Die Hirten in weihnachtlichen Kunstwerken#

Von Ernst Lanz

Mittelteil des Portinarialtares. Rechts oben die andächtige Hirtengruppe. Dahinter die Verkündigung
Hugo van der Goes, Portinarialtar, Mittelteil, Öl auf Holz, 253 x 586 cm, zwischen 1477 und 1478; Uffizien, Florenz - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei

Die Weihnachtsgeschichte - Lukas-Evangelium - deutet jene Begebenheit mit den Hirten an. Aus theologischer Sicht versinnbildlicht der Hirte die auf Erlösung hoffende Menschheit ... Viele Künstler der vergangenen 1600 Jahre verfertigten dazu vorzügliche Sakralkunstwerke.

Auf frühchristlichen Kunstwerken war vorwiegend ein Hirte die erste Begleitperson bei der "Geburt-Christi"-Szene. Allgemein stützt er sich auf einem Stab oder erhebt überrascht die Hand. Später setzte sich eine symmetrische Anordnung der Figuren durch: Im Mittelpunkt die Gottesmutter mit dem Jesuskind, seitlich die Hirten und die heiligen drei Könige. Innerhalb der Ostkirchenkunst bildeten die Einzelszenen "Geburt Jesu", "Verkündigung an die Hirten" und "Anbetung der Könige" eine harmonische Einheit. Ganz selten waren selbstständige Darstellungen der "Hirtenverkündigung". Die Schafhüter auf dem Feld erblicken den machtvollen Engel - zuweilen umgeben von einem "himmlischen Heer" - und weichen erschrocken zurück. Oder der italienische Maler Taddeo Gaddi entwarf einen lichtumstrahlten Himmelsboten über der erwachten Hirtengruppe.

Rechts oben ein lichtumstrahlter Himmelsbote: 'Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren'
Taddeo Gaddi, Verkündigung an die Hirten, Fresko (zw. 1327 u. 1330) in der Basilika Santa Croce, Florenz - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Längst bestanden Parallelen zu den drei Weisen. Allerdings inspiriert von der franziskanischen Frömmigkeit seit dem 13. Jahrhundert. Die Thematik "Anbetung des Kindes durch die Hirten" erwuchs in Italien des 14. Jahrhunderts. Manchmal schwankte die Anzahl zwischen zwei oder mehr Personen. Sie eilen vom Feld herbei, knien vor dem Jesuskind und reichen ihm Gaben dar. So blieb diese visuelle Auffassung bis heute bestehen. Legenden zufolge brachten die Schafhirten dem göttlichen Kind Eier, Milch und ein Lamm, dessen Beine gefesselt sind. Auf Bildwerken an der Wende zur Neuzeit finden wir ausführliche Schilderungen des einfachen Hirten- und Bauernvolkes. Mit der Zeit gestalteten renommierte Maler interessante genrehafte Milieubeschreibungen. Menschlichkeit stand an vorderster Stelle. In den zerfurchten Hirtengesichtern spielt sich Erstaunen über das Wunder der Menschwerdung Gottes ab.
Das Kind erhellt mit einem imaginären Licht die Gesichter aller Anwesenden. 'So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.'
Gerard van Honthorst, Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten, ca. 1622; Pommersches Landesmuseum in Greifswald, Westpommern - Foto: Wikimedia Commons- Gemeinfrei
Das Kind erhellt mit einem imaginären Licht die Gesichter der versammelten Hirten. Oftmals durchschritten die Künstler die Bandbreite zwischen Realismus und Verklärtheit. So etwa der Flame Hugo van der Goes, der in seinem monumentalen Hauptwerk, dem Portinarialtar, derbe Gesellen zum Krippenstall platzierte. Vornehmer erscheinen da schon eher jene Gestalten im Altarbild Domenico Ghirlandaios. Sein Landsmann Correggio ließ halbbekleidete Hirtenfiguren in ausgelassener Fröhlichkeit vor der Heiligen Familie agieren. Correggios weltberühmte Version wurde auch unter dem Titel "Die Nacht" bekannt.
Die Hirten bringen dem Jesuskind Geschenke
Jacob Jordaens, Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten, Öl auf Leinwand, 269,9 x 205,7 cm, 1657; North Carolina Museum of Art - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Etwa ein Jahrhundert später erdachte Rembrandt van Rijn eine mit Laterne ausgerüstete Hirtengesellschaft.
'Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. '
Bronzino (1503-1572), Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten; Standort? - Foto: Wikimedia Commons - Gemeinfrei
Während dem Barock beeinflusste das Anbetungsthema die plastische Krippenkunst - unzählige Objekte in Kirchen und Museen - und die volkstümlichen Krippenspiele.

Copyright Ernst Lanz 1996

Quellen (Auswahl)

Siehe auch