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Stift Dürnstein – Kleinod an der österreichischen Donau#

Von Ernst Lanz

Dürnstein, Gemälde, vor 1931?
"Aus Dürnstein", Öl/Malkarton, Carl Weiss (1860-1931), vor 1931? - http://www.dorotheum.com, Foto: Wikimedia Commons - Inhaltlich gemeinfrei
Eigentlich dauerte die Fahrt von Wien nach Dürnstein in der Wachau gar nicht so lange, mehr als eine Stunde. Satte angenehmes frühsommerliches Klima. Sanfter Wind. Auffallend die Weingärten entlang der Wachauer Bundesstraße. Ihr helles Grün. Die ganz kleinen Trauben, die noch größer werden und ebenso bis zur Ernte im September ausreifen müssen. Großteils werden sie Grüner Veltliner genannt. Unweit wird auch der Rheinriesling gepflanzt. Sie erinnern mich an die Weingärten in Grinzing. Abgegrenzt von der Autostraße durch eine beinahe schulterhohe Mauer, auf der Efeu oder Gras wuchs. Im Hintergrund das langsam stromabwärts ziehende grünliche Wasser der Donau, deren Wellen an das Ufer schlagen. Hinter den Bäumen und Häusern, der markante Kirchturm der ehemaligen Klosterkirche Maria Himmelfahrt des einstigen Augustiner-Chorherrenklosters Dürnstein. Sein Zitronengelb, das von zarten witterungsbedingten Rissen durchzogen war, hob ihm vom Himmel ab. Die alten Sandsteinfiguren relevanter Kirchenheiliger warfen ihre zerknitterten Schatten auf den Putz inmitten des weißgrauen verwitterten Zierrats. Touristen marschieren scharenweise zum Gotteshaus, schauen von der Balustrade ins Donautal hinein. Gegenüber liegt Rossatz, daneben Arnsdorf, eine Gründung des Salzburger Bistums im Mittelalter, nicht ganz ein Jahrtausend her. Joseph Munggenast und Matthias Steinl entwarfen den Turm und das dazugehörige Gotteshaus. Der anliegende Klosterbau, an dem soll sogar Jakob Prandtauer seine Hand angelegt haben. Stilistisch spricht viel dafür. Sein Hauptwerk Stift Melk liegt hier nicht weit entfernt. Die nunmehrige Pfarrkirche Dürnstein. Gegründet wurde das Kloster 1410 und überdauerte die Wirren vergangener Jahrhunderte. Eine Pracht aus der Barockzeit. Leider ziemlich von Hitze und Eis und Feuchtigkeit und Wind nicht unberührt geblieben. Vom anderen Donauufer sahen wir das malerische Dürnstein, das wird von Ansichtskarten und Bildwerken kennen, darüber der Felsen mit der Ruine der Kuenringer-Festung Tyenestein. Etwa fünf Jahre lag die letzte Restaurierung her. Damals besaß der Kirchenturm einen weißen Putz, der ins Gelbe verwandelt wurde. Der Vergleich mit dem Kaisergelb, der Bezug in Österreichs traditioneller Vergangenheit sollte damit untermalt werden. Ein Bollwerk des Glaubens inmitten des Donautales Wachau zwischen Krems und Melk ... Die Kuenringer so hieß es sollen eine Kette über die Donau gespannt haben und als Ministerialen Mautgeld von den Schifferleuten abgefordert haben. Nun irgendwann kam der Vergleich mit den Raubrittern auf, und der wird so ziemlich schlecht der dunklen Vergessenheit anheimfallen. Das Städtchen Dürnstein – es gilt als kleinste Stadt Österreichs. Bei politische Entscheidungsfindungen dauert es höchstens nicht einmal eine Viertelstunde, bis die Stimmen ausgezählt sind …

Copyright Ernst Lanz 1971 (Bisher unveröffentlicht)


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