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Bauernregeln #

Die Landwirte waren auf Gedeih und Verderb der Witterung ausgeliefert. "Uns regnet es in die Werkstatt" meinten sie treffend. Witterungsbedingte Missernten verursachten Hunger und Not. Daher versuchte man, aus der Erfahrung Schlüsse zu ziehen. Lostage (Heiligenfeste und kirchliche Feiertage) Aufschluss über die kommende Witterung bzw. Ernte geben. Der Kirchenlehrer Albertus Magnus (1200-1280) war der erste, der Wetterregeln in lateinischer Sprache aufschrieb. 1505 erschien in Augsburg das meteorologische Volksbuch "Von warer erkanntnuss des wetters" von Leonhard Reynmann. Die vermutlich früheste gedruckte deutschsprachige Sammlung von Bauernregeln umfasst eigene Beobachtungen, Quellen aus der Antike (Ptolemäus, 100-175) und dem Mittelalter (13. Jahrhundert). Dieses Wetterbüchlein wurde übersetzt und in Bearbeitungen bis ins 19. Jahrhundert nachgedruckt.

Über gartenbauende Mönche fanden Wetterregeln Eingang in das populäre Denken. Manche stammen wohl aus der Zeit vor dem Gregorianischen Kalender (1582), doch auch jüngere sind nicht zuverlässiger. Die Bauernregeln in freier oder gereimter Sprache handeln von Erscheinungen in der Tier- und Pflanzenwelt (z.B. "Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee"), dem Lauf von Sonne, Mond und Sternen und Witterungserscheinungen. Ähnliche Inhalte finden sich in Bauernpraktiken, dem Hundertjährigen Kalender des Abtes Mauritius Knauer (1613-1664, Kalender gedruckt nach 1700) und dem Steirischen Mandlkalender (seit 1708). Ähnlich wie Marterlsprüche haben die Wetterregeln humorvolle Nachahmung gefunden. "Ist's zu Silvester kalt und klar, dann kommt bestimmt ein neues Jahr". Die Gratis-Tageszeitung "Heute" bringt täglich auf der Titelseite einen Wetterspruch zur Prognose, im Hitzesommer 2017 z.B. "Kein Witz, die Hitz, Heute heiß und Sonne pur - potzblitz" oder: "Die Sonne kommt - man sich jetzt wieder im Schwimmbad sonnt".

Bauernregel-Parodien erfreuen sich bis in die Gegenwart gewisser Beliebtheit: "Liegt das Huhn flach auf dem Teller, war der Traktor wieder schneller" (um 1987). Die AUVA-Kampagne gegen Sturz- und Fall-Unfälle knüpfte 2007 mit witzigen Plakaten an diese Sprüche an, wie: "Kabel auf dem Boden quer - fertig ist das Sturz-Malheur", "Ist zu nass die Reinigung, folgt am Fuß die Peinigung", "Wenn Schwämme durch die Klasse flutschen, ist es leicht, drauf auszurutschen", "Ein kleiner Sturz zur falschen Zeit, verursacht großen Schmerz und Leid", "Ist der Boden glatt wie nie, wird er leicht zur Rutschpartie." Die Unfallversicherung führte den Rückgang der Arbeitsunfälle durch Sturz und Fall um 5 % auf diese Kampagne zurück.

Anfang 2017 wollte die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit einer Plakatkampagne eine Debatte über die Zukunft der Agrarpolitik in Europa anregen. Die „neuen Bauernregeln" lauteten etwa: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ oder „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm“. Die Landwirte zeigten sich von Inhalt und Form der Kampagne beleidigt. Sie sprachen von der „Diffamierung eines ganzen Berufsstands“. Die Kampagne sei „nicht kreativ oder witzig, sondern dreist und polemisch“. Die Bauern würden durch das Ministerium verunglimpft, die Landwirtschaft "auf Kindergartenniveau" diskreditiert. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) forderte die Einstellung der Kampagne und eine Entschuldigung der Ministerin. Dies geschah nach einigen Tagen. In den Sozialen Netzwerken wurde viel gespottet und zurückgereimt: "Ist zu schwach das Argument, macht der Reim das Regiment".


Quelle:
Neue Bauernregeln Deutschland


Siehe auch:
--> Essay Wetterregeln