Sonne#

Sonne

Die Sonne (lat. Sol, gr. Helios) ist ein durchschnittlich großer Stern im äußeren Drittel der Milchstraße und bildet das Zentrum des Sonnensystems. Sie enthält 99,86 % von dessen gesamter Masse und hat einen Durchmesser von 1,4 Millionen Kilometern, dem 109-fachen der Erde. Die Strahlung des erdnächsten und am besten erforschten Sterns ermöglicht das Leben auf der Erde.

Das antike Weltbild ging allgemein davon aus, dass die Erde den Mittelpunkt des Universums bilde. Diese Vorstellung, zusammengefasst von Ptolemäus (100-175), war bis zum Ende des Mittelalters ein Standard der Astronomie. Allerdings hatte schon Aristarchos von Samos (310-230 v. Chr.) ein heliozentrisches Weltbild vertreten. Nikolaus Kopernikus (1473-1543) schuf die mathematische Grundlage dafür, erst spätere Astronomen konnten das „kopernikanische Weltbild“ beweisen. 

Viele frühere Kulturen verehrten den - meist als männlich gedachten - Himmelskörper als Gottheit. (Sol invictus der Römer). Stätten wie Stonehenge (England) wurden errichtet, um die Position und den Lauf, besonders die Zeitpunkte der Sonnenwenden, zu bestimmen. Die Sonne rotiert in rund vier Wochen um die eigene Achse. Ihr Himmelslauf gliedert Tag und Jahr. Die Abfolge der Jahreszeiten führte zur Entwicklung des Kalenders

Populäre Vorstellungen und Märchen sehen "die liebe Sonne" - anders als den oft unheimlich gedachten Mond - positiv und helfend. Daher sollten Kranke beim Sonnenaufgang beten. Mit dem Sonnenuntergang begann eine gefürchtete Zeit, in der man sich nicht mehr im Freien aufhalten und die Arbeit beendet haben sollte. Die Mittagsstunde schien zum Schatzsuchen günstig. Orakel mithilfe der Sonne - besonders zu Maria Lichtmess, wenn die Tage sichtbar länger werden, und an anderen Lostagen - beziehen sich meist auf das Wetter. Am Ostermorgen beobachtete man die "Sprünge" der Sonne im Spiegel des Wassers und wollte daraus die Zukunft deuten. Sonnenfinsternis galt als Unheil kündend. Sonnenschein am Hochzeitstag verheißt eine glückliche Ehe. Hauszeichen und Geschäftsschilder zeigen oft die Sonne. 

In rund 200 Bibelstellen kommt die Sonne vor. Als Vertreter des Monotheismus stellen sich die alttestamentlichen Autoren gegen die Meinung anderer Kulturen, die Gestirne seien Gottheiten. So heißt es über den König Joschija: "Auch setzte er die Götzenpriester ab, die … der Sonne, dem Mond, den Bildern des Tierkreises und dem ganzen Heer des Himmels geopfert hatten" (2 Kön 23,5).  Bekannt ist der Spruch aus dem Mitte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts verfassten, König Salomo zugeschriebenen, Weisheitsbuch (Kohelet): "Es gibt nichts Neues unter der Sonne" (Koh 1,9).

Klassische Zitate sind weiters: "Geh mir aus der Sonne" (Diogenes zu Alexander dem Großen), "Wie Sonne und Mond" (großer Gegensatz, lateinisches Sprichwort), "Die Sonne bringt es an den Tag" (13. Jahrhundert, populär durch die Brüder Grimm) oder "Hab' Sonne im Herzen" (Gedicht 1899).


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.745
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1937/1987. Bd. 8 / Sp. 31f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 3 / S. 1488
Wikipedia: Sonne (Stand 28.1.2019).

Bild: Gasthausschild "Zur Sonne", Krems (Niederösterreich). Foto: Alfred Wolf, 1941


Siehe auch:
Sonne in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern