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Sonnwendfeier#

Sonnwendfeuer

Jahresfeuer und Lärmbräuche zur Zeit der Sonnenwende lassen sich in Wien vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert aus Schilderungen, Rechnungen und Verboten nachweisen. Der herzogliche, später der kaiserliche Hof und der Rat der Stadt nahmen an dem öffentlichen Brauch teil, es gehörte zu ihren Verpflichtungen. Auf dem Hohen Markt entzündeten Handwerksburschen das Feuer. Bürgermeister und Stadträte umschritten oder umritten es. Danach trank man Weichselwein als gesegnete Johannesminne. Später war der Dominikanerplatz der Festplatz. Im 18. Jh. wurde das Sonnwendeuer aus der Stadt verbannt und dann ganz verboten. In den Vorstädten bestand es trotzdem weiter

In den Bundesländern ist der Sommerbeginn Anlass für eine Reihe altartig wirkender Rituale. Auf den Bergen werden mächtige Holzstöße angezündet, um die man sich versammelt. Musik spielt, man singt und springt über das Feuer. Häufig sind (Turn-)Vereine Veranstalter, die ein Wochenende als Termin wählen.

Sonnwendfeuer, die sich in der Donau spiegeln, wurden 1835 von Reisenden als “unerwartet herrliches Schauspiel” geschildert. Wirte, Vereine und Studentenverbindungen pflegten um 1900 den Brauch, der auch heute zu den Attraktionen der Wachau (Niederösterreich) zählt. 

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 59% an, Sonnwendfeuer zu kennen und 23%, selbst teilzunehmen.


Quelle: 
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1972. II/253 f.
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S.117

Bild:
Sonnwendfeuer in Oberösterreich. Aus dem Kronprinzenwerk, 1889