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Sonnwendfeier#

Sonnwendfeuer

Jahresfeuer und Lärmbräuche zur Zeit der Sonnenwende lassen sich in Wien vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert aus Schilderungen, Rechnungen und Verboten nachweisen. Der herzogliche, später der kaiserliche Hof und der Rat der Stadt nahmen an dem öffentlichen Brauch teil, es gehörte zu ihren Verpflichtungen. Auf dem Hohen Markt entzündeten Handwerksburschen das Feuer. Bürgermeister und Stadträte umschritten oder umritten es. Danach trank man Weichselwein als gesegnete Johannesminne. Später war der Dominikanerplatz der Festplatz. Im 18. Jh. wurde das Sonnwendeuer aus der Stadt verbannt und dann ganz verboten. In den Vorstädten bestand es trotzdem weiter

In den Bundesländern ist der Sommerbeginn Anlass für eine Reihe altartig wirkender Rituale. Auf den Bergen werden mächtige Holzstöße angezündet, um die man sich versammelt. Musik spielt, man singt und springt über das Feuer. Häufig sind (Turn-)Vereine Veranstalter, die ein Wochenende als Termin wählen.

Sonnwendfeuer, die sich in der Donau spiegeln, wurden 1835 von Reisenden als “unerwartet herrliches Schauspiel” geschildert. Wirte, Vereine und Studentenverbindungen pflegten um 1900 den Brauch, der auch heute zu den Attraktionen der Wachau (Niederösterreich) zählt. In Spitz leuchten an verschiedenen Plätzen zahlreiche Fackeln, dazu kommen Feuerwerke. Die Konturen der Ruine Hinterhaus werden mit Fackeln nachgezeichnet. fast 1000 markieren die Weinterrassen am Tausendeimerberg . Das Rote Tor ist mit Fackeln nachgebaut, und das Kreuz auf dem Singerriedl weithin sichtbar.

In Tirol leuchten zur Sonnenwende im Ehrwalder Talkessel Bergfeuer. Die aufwändige Vorbereitung liegt in den Händen mehrerer ehrenamtlicher Gruppen, von denen jede ein eigenes Motiv wählt, das geheimgehalten, maßstabsgerecht gezeichnet und mit Brennmaterial gelegt wird. 1948 leuchteten anlässlich der Glockenweihe in Ehrwald erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Bergfeuer. Heute sollen sie als Zeichen gegen die Zerstörung der Natur bzw. der Alpen gesehen werden. Die Planungsarbeit am Zeichenbrett wird von digitalen Zeichenprogrammen unterstützt. Im nächsten Schritt soll die räumliche Darstellung in die Motive einbezogen werden, um einen 3D-Effekt zu erzeugen. Auch die verwendeten Brennmaterialien haben sich verändert: Anstelle von Altreifen oder Dieselöl wird mit Rapsöl gefeuert und anstelle von Blechdosen rückstandfrei verbrennende Pappbecher oder Säcke verwendet. Seit 2010 stehen die Ehrwalder Bergfeuer auf der UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes


Quelle: 
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1972. II/253 f.
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S.117
UNESCO

Bild:
Sonnwendfeuer in Oberösterreich. Aus dem Kronprinzenwerk, 1889


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