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Opferkerzen

Das Fest am 2. Februar fällt auf den 40. Tag nach Weihnachten. Es erinnert an die Geschehnisse im Tempel, die das Lukasevangelium überliefert (Lk 2,22-39). Bis 1969 sprach man von Maria Lichtmess oder Maria Reinigung. Nach den Gesetzen des Alten Testaments galt die Mutter 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein und hatte dann zwei Tauben zu opfern. Das Kind, das als Eigentum Gottes galt, musste mit einer Geldspende ausgelöst werden. 

In den Kirchen werden Kerzen für den liturgischen und privaten Gebrauch geweiht, denen man besondere, sogar magische, Wirkung zusprach. Maria Lichtmess war der Beginn des bäuerlichen Arbeitsjahres, Termin des Dienstbotenwechsels und Wetter-Lostage: "Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee." Der helle Tag wird nun rasch länger, von 9 ½ Stunden Anfang Februar wächst er bis zum Monatsende auf elf Stunden. Daran erinnert der Kinderreim: "Von Weihnachten bis Neujahr wächst der Tag, so weit die Mücke gähnen mag, bis Dreikönig wächst der Tag, so weit der Hahn krähen mag, nach Lichtmess wächst der Tag, so weit der Hirsch springen mag.“ In einer Variante heißt der Spruch: "Von der Wintersonnwende bis Weihnachten wächst der Tag um einen Hahnentritt, bis Neujahr um einen Männerschritt, bis um Dreikönig einen Hirschensprung und bis Lichtmess um eine ganze Stund’. "

Beim Lichtmesssingen handelt es sich um einen Heischebrauch, in der Nacht vom 1. zum 2. Februar. In etwa 20 Ortschaften im südlichen Niederösterreich ziehen jeweils eine oder mehrere Sängerscharen von Haus zu Haus. Die BewohnerInnen bedanken sich mit Bewirtung im Anschluss und/oder Geldspenden. Die Strophen des Lichtmesslieds umfassen religiöse und weltlichen Texte, Glückwünsche, heitere und spontane Inhalte. Ein Vorsänger singt die tradierten oder neu getexteten Strophen, während der Chor, die „Nochisänger“, die Kehrverse darbieten. Die Strophe „Mir hörn die Schlüssel scho klingen, sie werdn uns glei wos bringen“ ist die Aufforderung an die HausbewohnerInnen, die Türe zu öffnen. Der älteste Nachweis des Lichtmesssingens im südlichen Niederösterreich stammt aus dem Jahr 1896, doch nehmen die Ausführenden an, dass der Brauch schon viel länger existiert. Seit 2018 steht er auf der UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.


Quellen:
Rupert Berger: Neues Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 103
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 260 f.
UNESCO-Liste

Bild: Opferkerzen in einer Wiener Kirche. Foto: Alfred Wolf, 2001