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Bildstock

Als Bildstock im engeren Sinn bezeichnet man einen Pfeiler oder eine Säule mit "Tabernakel" zur Aufnahme eines Lichtes. Er kann an den Außenseiten mit Reliefs und/oder Schrift versehen sein. Darüber befindet sich meist ein Dach mit einem Kreuz. Im weiteren Sinn zählen auch andere Freiplastiken, mit Heiligenstatuen (Marienbildstock), Breitpfeiler (mit rechteckigem Grundriss und einer Nische für Figuren bzw. Bilder) Kapellen, Wegsäulen, Kreuze und Lichtsäulen dazu. Weiters so genannte rote (aus rot gestrichenem Holz), weiße (gemauerte), grüne, braune und schwarze Kreuze. 

Die Flurdenkmale, die oft wichtige Orientierungspunkte in der Landschaft sind, stehen meist an Unglücksstellen (Marterl), auf Friedhöfen, bei Kirchen und Klöstern, auf Plätzen, in Parks, auf Brücken, an Ortsrändern oder Grenzen (Urlauberkreuz). Die Entstehungszeit reicht vom Mittelalter (Gotik) bis in die Gegenwart. Viele wurden aus verkehrstechnischen Gründen abgetragen und andernorts rekonstruiert. 

Wolfgang Westerhoff, der sich mit Bildstöcken in Wien beschäftigt hat, unterscheidet nach dem Anlass der Entstehung und der Funktion

  • Pestkreuze und -säulen - als Dank für das Ende der Pest, wobei die Säule am Wiener Graben die berühmteste ist.
  • Cholerakreuze - zum Gedenken an Opfer der Cholera.
  • Türkenkreuze - zum Gedenken an die Opfer der Osmanischen Belagerungen.
  • Moldauer Kreuz - anlässlich der Befreiung Wiens. 
  • Raaber Kreuze. 1598 ließ Kaiser Rudolph II. in Niederösterreich (z.B. Korneuburg, Leobendorf, Harth) eine Reihe von Bildstöcken errichten, die an die Rückeroberung der Festung Raab (Györ, Ungarn) am 29. März erinnern. Ihre Inschrift hatte zu lauten: "Sag Gott dem Herrn Lob und Dank, dass Raab wieder kommen ist in der Christen Hand." 
  • Zunftkreuze: Bäckerkreuz, Tischlerkreuz… .

Häufig versammelten sich Gläubige bei Freiplastiken, besonders solchen des heiligen Johannes Nepomuk oder in Marienkapellen zu Andachten. Die Figuren wurden mit Blumen geschmückt und Kerzen angezündet, die Laien beteten und sangen unter der Leitung eines Vorbeters. In jüngster Zeit sind viele Bildstöcke aufgrund von Dorferneuerungsprojekten, Pfarr- oder Gemeindeinitiativen wieder instandgesetzt worden.

Tragisch endete im Herbst 2009 die Andacht eines Wieners, der -aus Dankbarkeit -bei einem Steinmarterl am Rosenkranzweg der Weinhauser Kirche, Wien 18 betete. Als er den Bildstock umarmte, stürzte dieser um und erschlug den Mann.


Quelle: 
Franz Hula: Die Totenleuchten und Bildstöcke Österreichs. Wien 1948
Wolfgang Westerhoff: Bildstöcke in Wien. Wien 1993.

Bild: Der Mystiker Heinrich Seuse (1295-1366) schmückt einen Marienbildstock. Kleines Andachtsbild, 19. Jahrhundert. Gemeinfrei


Siehe auch:
--> Essay Markierte Landschaft