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Haube#

Oberösterreicherin mit Goldhaube. Aus dem Kronprinzenwerk, 1889

Die Haube ist eine genähte Hülle, die das Haar der verheirateten Frau bedeckte. Sie wurde bei der Hochzeit rituell angelegt und bezeichnete den Familienstand ("Unter die Haube kommen"). Arthur Haberlandt (1889-1964) nannte als Grundformen "geraffte Bundhauben" und "genähte Passhauben". Zu diesen zählten die "reichen" über einem Drahtgestell aufgebauten Hauben mit Bändern und Verschnürung als Zierat. Im Zuschnitt der genähten Hauben wären solche mit einer Scheitelnaht und einer Nackennaht zu unterscheiden. Durch Einfügung eines Bodenstückes entsteht die Bodenhaube. Als landschaftliche Besonderheiten erwähnt er weiters: 

  • Brettl-Haube, Wachauer und Waldviertler Goldhaube mit flachem, rundem Bodenteil. In reichen Gegenden mit Goldbrokat und Spitzenzier, die Seitenbänder aus schwarzem Taft sind durch Goldschnüre ersetzt. 
  • Draht-Haube, vom Wienerwald bis in die Schneeberggegend. Die "Tradlhauben" sind aus reichem Brokatstoff gefertigt und um den Boden in feste Falten gelegt. 
  • Gupf-Haube, in den Eisenwurzen üblich, kurze Drahthaube mit einem Knauf. 
  • Linzer Haube, besonders hohe Haube mit Knauf über dem Scheitel und flügelförmigen Enden, die ein Band ziert. Reiche Bürgerinnen und Bäuerinnen trugen sie mit goldenem Flitterwerk, es gab sie auch mit schwarzen Glasperlen auf Flortuch. 
  • Radhaube (Reginahaube), war in der Bodenseegegend und in Kärnten üblich. Die anliegende Kappe mit großem, rundem Scheitelschirm erinnert an die Rundhauben der Renaissance. Seit 2010 zählt die Bodensee-Radhaube aus Lameespitze zum Immateriellen Kulturerbe Österreichs.
  • Schlappen aus Vorarlberg: Über die weiche Haube, die das gezopfte Haar bedeckte, setzte die Frau beim Ausgehen einen Hut auf. 
  • Wiener (Retzer) Haube, 1688 erstmals im "Codex Austriacus" vermerkt, zählen zum Typus Fontange. Diese hohen, über einem Gestell aus Draht aufgebauten Hauben, waren zwischen 1685 und 1715 in ganz Europa modern. Sie sollen von der als "Angelique" bekannten Herzogin von Fontanges (1661-1681) erfunden worden sein. 
  • Wummhaube: wattierte Winterhaube aus Wolle oder Seide, mit einem kapuzenartigen Kragen, die unter dem Kinn geschnürt wurde. Die städtische Luxusform der mittelalterlichen Gugel kam um 1800 auf. Wummhauben wurden im 19. Jahrhundert von Kindern und alten Damen getragen. 

Die Hersteller von Hauben nannte man im biedermeierlichen Wien "Visierschneider".
Quellen:
Arthur Haberlandt: Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs. Wien 1953. Bd. 1/S. 30, 36, 62, 65, 100,.111, 123, 173, 177
Wikipedia: Fontange (Stand 15.1.2019)

Bild:
Oberösterreicherin mit Goldhaube. Aus dem Kronprinzenwerk, 1889