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Goldhaube#

10 Schilling Münze mit Darstellung der Wachauer Goldhaube

Vorläufer von Kopfbedeckungen aus Goldgewebe wurden in Gräbern aus dem Mittelalter (Villach-Judendorf, 13. Jahrhundert) gefunden. Heute denkt man dabei vor allem an die Festtracht der Frauen in Oberösterreich. Die Linzer Goldhaube wird erstmals 1782 erwähnt. Vorläufer war die Böndelhaube. Deren Seitenteile wurden mehr und mehr nach hinten gezogen und der Boden (Böndel) zu einem Knauf. Die Linzer Goldhaube ist heute in ganz Oberösterreich und den angrenzenden Regionen verbreitet. Ein Drahtgestell gibt die Form. Die Herstellung einer Goldhaube ist teuer und arbeitsaufwändig, es braucht bis 300 Arbeitsstunden Auf einem ca. 16 x 116 cm langen Goldstoffband werden vergoldete Kupferplättchen, Flitter, Folien und Goldperlen gestickt. Das Muster obliegt der Stickerin. 1985 stellte die Trachtenexpertin Gexi Tostmann fest: "Ein wahres Goldhaubenfieber hat die Oberösterreicherinnen erfasst. Sie sticken wunderschöne Goldhauben, nähen herrliche Bürgerkleider und nützen jede Gelegenheit, ihre Schätze zu zeigen." Derzeit (2019) gibt es in Oberösterreich fast 18.000, in Vereinen organisierte Trägerinnen, die Kontakte zu Trachtenvereinen, Hutgruppen, Blasmusikkapellen und anderen Vereinen pflegen und karitativ tätig sind. Ihre Aktivitäten sind geprägt von den kirchlichen Festen, wie Fronleichnamsprozession, Erntedankfest, Jubelhochzeiten oder Kräuterweihe (15. August). Herstellung und Verwendung der Linzer Goldhaube wurden 2016 in der Kategorie "Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Traditionelle Handwerkstechniken" in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

In Wien trugen zur Barockzeit nicht nur Bürgerinnen, sondern auch Stubenmädchen und die Kellerinnen der berühmt-berüchtigten Gaststätten am Spittelberg Goldhauben. In Niederösterreich gab es "reiche Goldhauben" (Bodenhauben aus Metallfäden mit Stickerei und herabhängenden Schnüren) seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in den Orten entlang der Straße, die von Graz nach Brünn führte. Die Wachauer Haube war hingegen aus Brokat genäht, der wie Gold wirkte. Die über einem Drahtgestell gearbeiteten Kopfbedeckungen entsprachen der Empire-Mode. In Niederösterreich führt die Wallfahrt der Goldhauben- und Trachtengruppen am Maria Himmelfahrtstag die "Goldhaubenfrauen" seit den 1950er Jahren ins Mostviertel. 2018 führte die Goldhauben- und Trachtenwallfahrt in die Pfarrkirche der jüngsten (2003 gegründeten) Goldhaubengruppe, das spätgotische Gotteshaus "Zum hl. Vitus" in Wolfsbach.


Quellen:
Tracht in Österreich (Hg. Franz C. Lipp, Elisabeth Längle, Gexi Tostmann, Franz Hubmann) Wien 1984
Oberösterreich

Bild:
10 Schilling-Münze mit Darstellung der Wachauer Goldhaube