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Schloss Messendorf wirft lange Schatten#

Vom gräflichen Schloss zur Bierbrauerei, zu Zwangsarbeitshaus, Anhaltelager, Irrenanstalt - und heute Waldorfschule.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Das Schloss als Brauhaus mit Gastwirtschaft um 1830
Das Schloss als Brauhaus mit Gastwirtschaft um 1830, unter PD
Schloss Messendorf heute als Teil der Waldorfschule
Schloss Messendorf heute als Teil der Waldorfschule
Foto: OSWALD
Oberst i.R. Manfred Oswald
Oberst i.R. Manfred Oswald
Foto: OSWALD

Das alte Mezzendorf lag einst an der wichtigen Schemerlstraße nach Ungarn und wurde bereits im Jahr 1233 erstmals urkundlich erwähnt. Dort ließ sich bald schon eine ritterliche Familie nieder und benannte sich und ihren Hof nach der Ortschaft. Ihr Schloss Messendorf, früher auch „Freischloss“ genannt, ist wohl das bekannteste Gebäude der Gemeinde, liegt heute an der St. Peter-Hauptstraße im 8. Grazer Stadtbezirk St. Peter und hat eine aufregende und bewegte Entwicklung erlebt.

Von der ursprünglichen Schlossanlage ist heute nur wenig erhalten, einzig ein Uhr-Zwerchgiebeldach aus 1802, die steinernen Fensterrahmungen aus dem 17. Jahrhundert und die dem heiligen Vinzenz von Paul geweihte Messkapelle erinnern an ein Schloss.

Wie bei den meisten stadtnahen Schlössern üblich, wechselten im 19. Jahrhundert auch hier häufig die Besitzer. So erwarb 1802 Alois Graf Trauttmannsdorff den Besitz und richtete eine Bierbrauerei mit Gastwirtschaft und Gastgarten ein, das Geschäft lief aber nicht so erfolgreich wie erhofft und schon 1807 wurde die Anlage an Maria Anna Meixner, eine geborene Gräfin Saurau verkauft, danach kam sie an die Familie Kottowitz, bis 1865 das Land Steiermark Eigentümer wurde und hier eine Irrenanstalt einrichten wollte. Aus diesen Plänen wurde aber nichts und das Gebäude wurde zu einem Zwangsarbeitshaus um- und ausgebaut. Es war für 150 erwachsene und 20 jugendliche „Zwänglinge“ angelegt, die als rückfällige Straftäter galten und für ein bis drei Jahre zu Zwangsarbeit in der Tischlerei, Schneiderei, Weberei, für Schuster- und Cartonagearbeit eingesetzt wurden. Auch Außenarbeiten im 17 Hektar großen Wald und in der Landwirtschaft waren vorgesehen. Am Beginn der Ersten Republik wurde der Bau zum „Lichtenhof“ und diente bis 1922 als Fürsorgeerziehungsanstalt für Knaben, wurde dann aber schnell wieder zur „Landeszwangs- und Arbeitsanstalt“. Im Ständestaat wurde zusätzlich ein Anhaltelager für politisch Verdächtige eingerichtet. Das bedeutete, dass die Polizei dort Menschen ohne gerichtliche Entscheidung und nur auf Grund von Verdacht oder Indizien einliefern konnte - im Dollfuß-Regime also etwa 500 Nationalsozialisten, Kommunisten und als radikal eingestufte Sozialdemokraten. Beim NS-Putschversuch am 26. Juli 1934 kam es zum Sturm auf das Lager, um die inhaftierten illegalen Nazis zu befreien. Nach einem längeren Schusswechsel zwischen Soldaten des Alpenjägerregiments Nr. 10 und etwa 100 anstürmenden SA-Männern aus Graz wurden zwei Mann, darunter der SA-Sturmführer Friedl Sekanek, getötet und vier seiner Mitstreiter gefangengenommen, der Angriff scheiterte aber. Zur „heldenhaften Erinnerung“ an den gefallenen SA-Führer wurde während der NS-Herrschaft der Grazer Opernring in Friedl-Sekanek-Ring umbenannt. Ende Dezember 1936 wurde das Anhaltelager aufgelöst, wieder dem Land Steiermark übergeben und als Teil der Irrenanstalt Feldhof zur Unterbringung psychisch kranker Männer verwendet. Während des „Anschluss-Zeit“ Österreichs an Hitler-Deutschland wurden aus dem Feldhof und aus Schloss Messendorf insgesamt rund 1500 geistig behinderte Menschen im Rahmen des Euthanasieprogramms zur Ermordung ins Schloss Hartheim nach Oberösterreich verschickt. Nur wenige überlebten diese Zeit, weil Josef Neuhold, der Verwalter der Zweigstelle Messendorf, 1940 einen dieser Transporte begleiten musste. Er war über das drohende Schicksal seiner Schützlinge informiert und ermöglichte die Flucht von 15 Männern aus dem an manchen Stellen sehr langsam fahrenden Zug, berichtet Ulrich Hofmann, ein Lehrer der Freien Waldorfschule Graz, der sich 2005 mit der Geschichte des Schlosses befasst hat.

1979 wurde die Zweigstelle Messendorf des Landessonderkrankenhauses für Psychiatrie und Neurologie geschlossen, Zubauten wurden gesprengt und Gebäude abgerissen. 1986 hat das Land Steiermark die Gründe an die Freie Waldorfschule Graz verpachtet, die sehr erfolgreich immer größer wird. Vor kurzem hat sich nun um Oberst i.R. Manfred Oswald ein Personenkomitee des Nachbarschaftszentrums St. Peter gebildet, das - bisher vergebens - mit einer Gedenktafel an die mehr als 260 behinderten Menschen erinnern möchte, die von hier nach Schloss Hartheim in den Tod geschickt wurden.

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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele