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Seit 1585 wird bei Leykam gedruckt#

Mit 435 Jahren ist Leykam der älteste Verlag Österreichs und hat sich von der katholischen Hofdruckerei der Habsburger über die Medien AG der SPÖ zum privaten Buchverlag entwickelt.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Andreas Leykam (etwa 1752-1826)
Andreas Leykam (etwa 1752-1826), unter PD

1585 war die Steiermark im Streit um den richtigen Glauben tief gespalten. Die Stände und der Großteil der Bevölkerung waren lutheranisch, aber Herrscher und Hof tief katholisch. Als die Protestanten 1570 in Graz die evangelische Stiftsschule errichteten, an der auch Johannes Kepler unterrichtete, gründete Erzherzog Karl II. als Gegenpol 1585 die Universität, deren Betrieb er den Jesuiten überließ. Aber alle Druckereien wurden damals von Protestanten geführt, die sich weigerten, für die Jesuiten Vorlesungsverzeichnisse zu drucken. Daher berief der Erzherzog den katholischen Buchdrucker Georg Widmannstetter aus München nach Graz - und die Geschichte des Leykam Buchverlages begann.

„Widmannstetter sollte mit seinen Druckwerken die geistige Rückorientierung und Gegenreformation im Lande bewerkstelligen“, schreibt Stefan Karner im soeben erschienenen Buch „Mit Geschichte in die Zukunft. 435 Jahre Leykam Buchverlag“. Entsprechend war sein erstes Druckwerk auch eine Verteidigungsschrift der Jesuiten gegen Anfeindungen ihrer Gegner. Den Sitz seiner landesfürstlichen Druckerei hatte Widmannstetter in der Burggasse und schon ab dem Jahr 1600 war er der einzige Buchdrucker in ganz Innerösterreich, da Karl II. alle Protestanten - und mit ihnen alle Drucker - aus seinen Ländern verwiesen hatte. Ein konkurrenzloses Monopol, das der geschäftstüchtige Drucker auch gut nutzte. 1593 gab er schon die „Newe Zeitung“ heraus und startete damit den Beginn einer langen Tradition als Zeitungsverlag. 1686 wurde bei Widmannstetter das erste Koch- und Arzneybuch Österreichs gedruckt, 1740 ein prächtiger Band zur Erbhuldigung Kaiser Karls VI. und 1771 bereits der erste Bauernkalender, der als „Mandlkalender“ heute noch erscheint. 1776 kam der vermutlich aus Mainz stammende Andreas Leykam nach Graz und wurde Gehilfe im „Offizin Widmannstetter“, der immer noch einzigen Druckerei des Herzogtums. Doch der Betrieb steckte fest, da die Widmannstetter-Erben keine neuen Investitionen schafften. Also machte sich Leykam, der eine vermögende Brauerei-Tochter aus Waidhofen/Ybbs geheiratet hatte, 1781 selbständig und erhielt von Kaiser Joseph II. die Erlaubnis, eine weitere Druckerei in Graz zu gründen - in der Stempfergasse 9, direkt neben der Widmannstetter Offizin, die er samt Kundenstock übernahm. Der reformfreudige Kaiser beendete damit das alte Druckmonopol, weil dieses seiner Ansicht nach eine wirtschaftliche Weiterentwicklung verhinderte. Mit dem Kauf der Leuzendorfer Papiermühle auf der oberen Lend und der Übernahme weiterer Druckereien, die schnell entstanden waren, expandierte das Unternehmen und Andreas Leykam brachte Druck und Papier in eine Hand, gab ab 1785 auch die „Grätzer Zeitung“ heraus und wurde so zum Begründer des nach ihm benannten Medienkonzerns. Nach seinem Tod 1826 führten seine Enkel Friedrich und Elisabeth Lenk die Firma unter dem Namen „Andreä Leykam‘s Erben“ weiter. Am 17. Jänner 1856 erschien bei Leykam erstmals die nationalliberale „Tagespost“, 1858 das berühmte Kochbuch über „Die süddeutsche Küche“ der Katharina Prato und 1864 entdeckte der Chefredakteur der „Tagespost“, Adalbert Svoboda, das schriftstellerische Talent Peter Roseggers und veröffentlichte erste Texte von ihm. Ab 1876 erschien auch Roseggers „Heimgarten“ bei Leykam. 1883 kam es zur formellen Trennung von Druckerei und Verlag mit Sitz in Graz bzw. Papiererzeugung in Gratkorn mit Sitz in Wien.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde Leykam zum offiziellen „NS-Gauverlag“ umgewandelt, die „Tagespost“ zum „Parteiamtlichen Organ der Gaues“. Doch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Nazidiktatur erhielt die Leykam mit Verlag, Druckerei und Buchhandel wieder ihre alte Rechtsform, in dieser Zeit druckte Leykam alle drei steirischen Parteizeitungen „Tagespost“ (die zunächst „Steirerblatt“ hieß, ÖVP), „Neue Zeit“ (SPÖ) und „Wahrheit“ (KPÖ). Nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit den alten Leykam-Aktionären erhielt die SPÖ 1949 im Zuge der Aufteilung aller NS-Gauverlage zwischen ÖVP und SPÖ die Leykam zugesprochen. 1978 übersiedelte die Druckerei aus der Stempfergasse in die Ankerstraße nach Straßgang, wo auch die Steiermarkausgabe der „Neuen Kronenzeitung“ gedruckt wurde. Unter Kurt Oktabetz wurde Leykam zu einem Multi-Media-Konzern ausgebaut und umfasste die Geschäftsfelder Print, Elektronische Medien, Printmedien und Handel. Doch zahlreiche Umstrukturierungen, Teilverkäufe, Managementwechsel und vor allem das Fehlen klarer unternehmerischer Ziele führten nach der Ära Oktabetz zum Niedergang des Konzerns und seiner Töchter, die schließlich einzeln verkauft wurden.

Heute ist von der SPÖ zugerechneten Leykam Medien AG nur noch eine Agentur übrig, die Kampagnen für die SPÖ organisiert. Seit 2017 ist der Leykam Verlag im Eigentum der unabhängigen, sich im Privatbesitz des steirischen Unternehmers Leopold Gartler befindlichen Beteiligungsgesellschaft GL Invest, kaufmännischer Leiter ist Stefan Gartler, Geschäftsführer Wolfgang Hölzl. Der Firmensitz befindet sich in der Dreihackengasse in Graz.

Druckwerk von Georg Widmannstetter 1593\Bild: ELIS
Druckwerk von Georg Widmannstetter 1593 ELIS
Umschlag des 'Mandlkalenders' von 1847
Umschlag des "Mandlkalenders" von 1847, unter PD
Erzherzog Karl II. von Innerösterreich
Erzherzog Karl II. von Innerösterreich, unter PD


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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele

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