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FREIHERR VON STUMMER#

Zuckerindustrie
Freiherr von Stummer

Am 26. April 1909 starb in Wien der Großindustrielle und Herrschaftsbesitzer Geheimer Rat August Freiherr Stummer von Tavarnok im 82. Lebensjahr. Freiherr von Stummer hat in der Zuckerindustrie eine hervorragende Stellung eingenommen, was schon daraus hervorgeht, dass er als Präsident an die Spitze des Zentralvereines für Rübenzuckerindustrie gestellt worden ist, von welchem die Aktionen der gesamten Zuckerindustrie ausgehen.

Stummer wurde in Brünn am 31. Oktober 1827 als Sohn des dortigen Spezereiwarenhändlers Karl Stummer, des Gründers der gleichnamigen Firma, geboren, die er im Verein mit seinen Brüdern Karl und Alexander übernahm.

Im Jahr 1849 diente Stummer als Offizier beim Freiwilligen Jägerkorps, machte den Feldzug mit und erhielt die Kriegsmedaille. August Stummer war mir einem scharfen kaufmännischen Blick begabt und erweiterte den ursprünglichen Kreis der Transaktionen der Firma. Diese beteiligte sich an der Textil- und Zuckerindustrie und betrieb auch den Salzhandel und die Salzspedition in bedeutendem Umfang. Stummer übersiedelte gegen Ende der Fünfziger Jahre mit seinen Brüdern nach Wien und begründete hier zunächst ein Bankgeschäft. Das Hauptfeld seiner Tätigkeit blieb aber in den folgenden Jahren die Zuckerindustrie, wobei Stummer mit großer Energie auch an die Schaffung von Fabriken in Ungarn schritt. Im Jahr 1854 rief er die Zuckerfabrik in Oslawan, in den Sechziger Jahren die Gödinger Fabrik, 1870 die Groß-Tapolcsanyer, 1873 die Dausleder, 1877 die Tyrnauer und 1889 die Mezöhegyeser Fabrik ins Leben. Die Gödinger Raffinerie ist später verkauft worden, Oslawan blieb im Besitz der offenen Handelsgesellschaft, die Tyrnauer und Groß-Tapolczanyer Fabrik wurden im Jahr 1906 in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von sechseinhalb Millionen Kronen verwandelt. Neben seiner geschäftlichen Tätigkeit wirkte Baron Stummer auch im öffentlichen Leben. Er war mährischer Landtagsabgeordneter und Mitglied des Abgeordnetenhauses, wurde von der Regierung bei der Schaffung des neuen Zuckersteuergesetzes vom Jahr 1888 zu Rate gezogen und bekleidete zahlreichen Ehrenstellen in der Organisation der Zuckerindustrie. Stummer genoss wegen seiner reichen Erfahrungen und seines scharfen, kaufmännischen Urteils in Fachkreisen großes Ansehen. Er wurde zum Vizepräsidenten der Creditanstalt, Präsidenten der Chropiner Zuckerfabriks-Aktiengesellschaft, der Nestowitzer Zuckerraffinerie und der Pecser Zuckerraffinerie, Präsidenten des Assekuranzvereines der Zuckerfabrikanten, Vizepräsidenten der Aktiengesellschaft für landwirtschaftliche Industrie in Budapest ernannt und in den Verwaltungsrat des Giro- und Kassenvereines berufen. Als die Brüsseler Konvention abgeschlossen wurde und die Zuckerindustrie starke Befürchtungen hinsichtlich der Wirkungen der Konvention hatte, hat Freiherr von Stummerin einer Versammlung von Industriellen, die zur Besprechung dieser Frage einberufen wurde ein Exposé gehalten, in welchem er die voraussichtlichen Folgen der Büsseler Konvention für die Zuckerindustrie darstellte. Die Tatsachen haben seinen damaligen Ausführungen recht gegeben, in denen er die Befürchtungen auf ein richtiges Maß reduzierte. Stummer wurde im Jahr 1887 in den Freiherrnstand erhoben und im Jahr 1906 zum Geheimen Rat ernannt. Er war außer Nikolaus Dumba der einzige Industrielle, dem diese Würde verliehen worden ist.

Anlässlich der Feier seines 80. Geburtstages im Jahr 1907 wurden Baron Stummer von den Fachkreisen verschiedene Ehrungen erwiesen, und in den Reden, die Alfred Freiherr von Liebig namen des Vereines österreichischer und ungarischer Zuckerraffinerien und Magnatenhausmitglied Alexander von Hatvany-Deutsch namens des Vereines der ungarischen Zuckerindstriellen hielten, sind seine Verdienste für die Zuckerindustrie eingehend gewürdigt worden.

Baron Stummer hinterlässt eine Witwe, Betty, geborene Melchior und zwei Töchter, die verwitwete Baronin Amalie Hardt-Stummer, und Baronin Augusta Haupt-Stummer, die Gattin des ungarischen Großindustriellen Baron Leopold Haupt. Von den Enkelinnen sind zwei verheiratet, die eine mit dem Generalstbshauptmann Othmar Mayer von Wallerstein und Machegg, die zweite mit Dr. Philipp von Langenhan. Eine Nichte des Verstorbenen Baronin Marie, die Tochter des Freiherrn Alexander von Stummer, ist die Gemahlin des deutschen Botschafters in Wien, Herrn von Tschirtschky und Bögendorff.

Das Begräbnis findet am Mittwoch um 3 Uhr von der Teinfaltstraße Nr. 1 aus zur Schottenkirche statt. Die Leiche wird dann im Schloss Tavarnok im Neutraer Komitat überführt.

Baron Stummer war seit der Feier der goldenen Hochzeit krank, bekam einen Bronchialkatarr der in eine Lungenentzündung überging. Prof. Dr. Kovacs und Prim. Dr. Heim waren seine Ärzte.

QUELLE: Neue Freie Presse 27. April 1909 Seite 12, BILD: Österreichische Illustrierte Zeitung 2.Mai 1909, ANNO Österreichische Nationalbibliothek

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